Stromer nur vereinzelt vertreten

Caravan Salon Düsseldorf: Elektrocamper bleiben vorerst eine Rarität

Sortimos Interpretation des Mercedes EQV.

Sortimos Interpretation des Mercedes EQV.

Es geht nur langsam voran. Beim größten Caravan Salon der Düsseldorfer Messehistorie, der noch bis zum 4. September geöffnet hat, zeigen zwar mehr als 700 Aussteller Hunderte von Reisemobilen und Wohnwagen in den 16 Hallen, die rein elektrisch angetriebenen Modelle lassen sich allerdings an den Fingern zweier Hände abzählen.

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Gewiss ist sich auch die Caravaningbranche im Klaren darüber, dass sie über kurz oder lang einen Weg in die Elektromobilität finden muss. Von einer Dynamik, wie sie im Pkw-Bereich seit Einführung der Umweltprämie zu spüren ist, kann aber weder bei den kompakten Campern noch bei den größeren Reisemobilformaten die Rede sein.

Offensichtlich lähmen die aktuellen Lieferprobleme und die Bemühungen um einen möglichst raschen Abbau des stattlichen Auftragsvolumens das Engagement und die Innovationsfreudigkeit in Sachen E-Einstieg. Kein Hersteller, sofern er sich überhaupt mit Stromantrieb befasst, rückt das entsprechende Exponat in den Mittelpunkt.

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Opel-Neuheit geradezu versteckt

Ja, bisweilen wird es regelrecht versteckt, wie der Crosscamp Flex auf Basis eines Opel Zafira-e Life zeigt, der weder auf dem eher trostlosen Stellantis-Gemeinschaftsstand zu sehen ist, noch bei dem Vanspezialisten Crosscamp. Die noch junge Marke aus der Erwin-Hymer-Gruppe ist in Düsseldorf gar nicht vertreten. Der noch als Studie geltende E-Transporter mit Blitzemblem, Aufstelldach und Küche steht unscheinbar im Freigelände an einem Musterstellplatz für Nachhaltigkeit. Er soll allerdings Anfang des nächsten Jahres in Serie gehen.

Einen Schritt weiter ist da schon der Kastenwagenspezialist Pössl, der den Citroën E-Spacetourer, den Konzernbruder des Zafira-e, in einen E-Vanster verwandelt. Die leicht abgespeckte Variante des Campsters ohne fest eingebaute Küche wird in der Stromerversion zu Preisen ab 61.000 Euro inklusive Aufstelldach angeboten. An Bord ist ein 100 kW/136 PS starker Elektromotor. Die Batteriekapazität beträgt 75 kWh und bietet eine Normreichweite von knapp 300 Kilometern. Ein optionales Küchenmodul mit Zwei-Flammen-Kocher fürs Heck kostet 2200 Euro extra.

Ansonsten sind in der Transporterklasse bisher ausschließlich Modelle auf Basis des Mercedes EQV bereits im Handel. So ist am Stand der Stuttgarter selbst der Ausbau des Schweizer Spezialisten Sortimo zu sehen, der ebenfalls auf eine modulare Lösung setzt. Der EQV S-Camper wird mit Aufstelldach und einer Multifunktionsbox als Schlaf- und Kücheneinheit für das Heckabteil ausgeliefert.

Der von der Heckklappe aus zugängliche Küchenblock umfasst ein Schubladensystem für Besteck, Kochutensilien und Vorräte, eine Spüle, zwei gasbetriebene, herausnehmbare Kochfelder sowie eine Kühlbox. Mit großer 90-kWh-Batterie, einer WLTP-Reichweite von bis zu 363 Kilometern und einer Ladeleistung bis maximal 110 kW am Schnelllader liegt der Preis für den in zwei Längen (5,14 und 5,37 Meter) angebotenen E-Camper bei deutlich über 100.000 Euro.

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Induktionsfeld an Bord: Das bietet der niederländische Ausbauer Tonke für den Mercedes EQV.

Induktionsfeld an Bord: Das bietet der niederländische Ausbauer Tonke für den Mercedes EQV.

Mercedes EQV mit Zwei-Flammen-Induktionskochfeld

Rund 120.000 Euro verlangt der niederländische Hersteller Tonke für seinen EQV-Ausbau, dessen Besonderheit ein schwenkbarer Küchenblock mit einem Zwei-Flammen-Induktionskochfeld darstellt, der auch als Außenküche genutzt werden kann. Eine 36-Liter-Kompressor-Kühlbox ist ebenso an Bord wie ein serienmäßiger 3000-Watt-Inverter und eine zusätzliche Lithium-Batterie, die gemeinsam die Stromversorgung für alle Geräte auch unterwegs garantieren sollen.

Komplettiert wird das erwerbbare EQV-Trio von der etwas günstigeren Reimo-Variante EQV Loft-Van, die mit 100kW/136-PS-Motor, Neun-Gang-Automatik, 90-kWh-Batterie, Assistenzsystemen, Küchenmodul und sogar Solarpanel (130 kW) auf dem Aufstelldach bestückt ist. Der Komplettpreis beträgt 98.000 Euro, der Messepreis lediglich 85.000 Euro.

Bürstner prescht in Düsseldorf vor

Damit ist das erhältliche Angebot an Elektrocampern bereits erschöpft. Lediglich zwei weitere Konzeptfahrzeuge lassen die Hoffnung keimen, dass sich auch in den größeren Komplettausbauten mit Toilettenraum etwas bewegt. Während Traditionshersteller Dethleffs, innerhalb der Erwin-Hymer-Gruppe bisher für die E-Innovationen zuständig, das Thema E-Mobilität diesmal ganz ausklammert, zeigt überraschend die Konzernschwester Bürstner in Düsseldorf den noch taufrischen Lineo C590 in einer Electric-Ausführung.

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Auf Basis eines vollelektrischen Ford Transit mit einer 68-kWh-Batterie soll je nach Serienkonfiguration eine Reichweite bis zu 317 Kilometer möglich sein. Mit einer maximalen Ladeleistung von 115 kW kann der Akku am Gleichstrom-Schnelllader innerhalb von 35 Minuten von 15 auf 80 Prozent aufgeladen werden. Mit der gleichen Ausstattung wie ein konventioneller C590 mit Dieselmotor „haben wir eine konkrete, seriennahe Lösung für ein E-Reisemobil schon heute parat“, erklärt Jens Kromer, Vorsitzender der Bürstner-Geschäftsführung. „Die Entwicklungsgeschwindigkeit hängt aber vor allem vom Ausbau der Ladeinfrastrukturen und der Anpassung unserer Produktionsprozesse an Fahrzeuge mit Batterieakku ab.“

Der Lineo C590, Bürstners Interpretation des elektrischen Ford Transit.

Der Lineo C590, Bürstners Interpretation des elektrischen Ford Transit.

Die Hochvolttechnik der Antriebsbatterie sei nämlich tabu, erfordere andere Sicherheitsvorkehrungen und gerade in einer Produktion mit viel handwerklicher Tätigkeit sorgfältige, technische Angleichungen.

AMG-Gründer bastelt an E-Reisemobil-Projekt

Diese schwierigen Prozesse haben bei Knaus-Tabbert das Projekt eines teilintegrierten E-Reisemobils offensichtlich nur in kleinen Schritten vorangebracht, auch wenn es aus der Chefetage heißt, man liege voll im Zeitpan. In Kooperation mit der HWA Engineering aus Affalterbach – hinter den drei Buchstaben verbirgt sich das Unternehmen von Hans-Werner Aufrecht, Mitbegründer des Mercedes-Haustuners AMG – seien zahlreiche Tests und weitere Entwicklungsschritte wie die Implementierung der Steuersoftware vollzogen worden. Zudem kommt im Knaus e.Power Drive für den 180 kW/245 PS starken Elektromotor jetzt ein neuer Range Extender zum Einsatz.

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Anstelle des bisherigen Wankelmotors arbeitet nunmehr ein Dreizylinderbenziner von Fiat mit 51 kW/70 PS unter der Motorhaube, der primär die Aufgabe hat, die Fahrbatterie aufzuladen, er kann aber auch direkt Strom an den Antriebsmotor liefern. Der ausschließlich elektrisch fahrende Teilintegrierte schafft mit der 35-kWh-Batterie an Bord 90 Kilometer ohne Unterstützung des Range Extenders. Als Systemreichweite gibt Knaus-Tabbert rund 600 Kilometer an.

Serieneinführung binnen zweier Jahre

Bis zur Serieneinführung seien noch weitere umfangreiche Entwicklungsschritte und Erprobungen nötig. Die Produktion soll innerhalb der kommenden zwei Jahre anlaufen – weshalb der e.Power Drive, im Vorjahr noch das Highlight am üppigen Knaus-Stand, diesmal etwas abseits des Rampenlichts zur Randerscheinung wird.

Das Segment der immer beliebter werdenden Microcamper dürfte in absehbarer Zeit etwas mehr unter Strom stehen. Schon heute bietet die Firma Vanderer aus Kempten im Allgäu Ausbauten der Hochdachkombis Citroën Berlingo und Peugeot Rifter als Vollzeitstromer an. Mit Panoramaaufstelldach, unter dem sich zwei Personen in den Schlaf kuscheln können, Küchenzeile und ein paar weiteren Annehmlichkeiten kommen allerdings rund 70.000 Euro zusammen, von denen wenigstens noch 6000 Euro Umweltprämie abgezogen werden können.

Der Peugeot Rifter hat eine praktische Ausziehküche an Bord.

Der Peugeot Rifter hat eine praktische Ausziehküche an Bord.

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Warten auf Mercedes’ elektrische T-Klasse

Im nächsten Jahr könnte sich das Angebot um die zu erwartende e-Variante der Mercedes T-Klasse erweitern, in der sich die von Brabus gelieferten Marco-Polo-Module für Bett und Küche sicher ebenso einbauen lassen. Und für den eng verwandten Nissan Townstar aus der gemeinsamen Kooperation mit der Renault-Allianz dürfte Ähnliches gelten.

Bleiben noch zwei Randbemerkungen zum Schluss: Plug-in-Hybride, die sich in der Pkw-Branche aufgrund der gestrichenen Förderung zwar auf dem absteigenden Ast befinden, aber als Übergangstechnik gerade auf langen Reiserouten durchaus eine Alternative sein könnten, spielen im Caravaning kaum eine Rolle. Dabei ist die einzige Neuheit durchaus attraktiv, denn mit dem Free-Van bietet Reimo eine Campervariante auf dem VW T7 an. Als e-Hybrid mit einer Systemleistung von 160 kW/218 PS, 6-Gang-DSG und einer 10,4-kWh-Batterie, die für bis zu 50 Kilometer reines Stromern reichen könnte, schlägt der Reimo-Ausbau mit etwa 70.000 Euro zu Buche.

Der Hobby Beachy Air, die kongeniale Ergänzung zum ID.Buzz.

Der Hobby Beachy Air, die kongeniale Ergänzung zum ID.Buzz.

Beim ID.Buzz ist noch Geduld gefragt

Und wer beim Thema Bulli nach dem VW ID.Buzz fragt, dem sei gesagt: Geduld, Geduld, Geduld. Eine Camperversion des neuzeitlichen VW-Busses mit extrem hohem Kultpotenzial wird frühestens für 2024 erwartet. Dass die Pkw-Version des Stromers dennoch am Hobbystand in Düsseldorf begutachtet werden kann, hat einen anderen Grund: Dort fungiert er als passendes Zugfahrzeug für den trendigen Minimalistenwohnwagen Beachy Air.

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