Medikamente und Impfstoffe im Überblick

Affenpocken: Was hilft gegen die Viruserkrankung?

Wer die Affenpocken hat, bekommt oft Pusteln an den Händen.

Wieder sorgt ein Virus für internationale Unruhe. Dieses Mal ist es das Affenpockenvirus. Bislang war der Erreger vornehmlich in West- und Zentralafrika verbreitet, jetzt taucht er zeitgleich in mehreren Ländern weltweit auf. Belgien, Frankreich, Italien, Portugal, Spanien, Schweden, Großbritannien, Kanada, die USA, Australien – sie alle melden Infektionen mit dem Virus. Auch in Deutschland sind erste Fälle bekannt.

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Affenpocken-Infektionen äußern sich in der Regel mit Symptomen wie Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen sowie geschwollenen Lymphknoten. Typisch sind auch Hautläsionen, die im Gesicht, an den Händen und Unterarmen beginnen und sich dann über den Körper ausbreiten. Dabei entstehen zunächst Flecken auf der Haut, die sich zu Knötchen und dann zu eitrigen Bläschen weiterentwickeln.

Meist verschwinden die Beschwerden nach mehreren Wochen wieder. Es sind aber auch schwere Krankheitsverläufe möglich, vor allem bei jungen und immungeschwächten Personen. Wie können sie sich am besten vor Affenpocken schützen? Welche Impfstoffe und Medikamente gibt es gegen die Erkrankung? Und wie gut schützt eine frühere Pockenimpfung gegen das Affenpockenvirus? Hier kommen die Antworten:

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Ich habe mich mit dem Affenpockenvirus infiziert und Symptome. Was ist jetzt zu tun?

Symptome, die auf eine Infektion mit dem Affenpockenvirus hindeuten, sollten ärztlich abgeklärt werden. Am auffälligsten sind Hautveränderungen, die wie folgt aussehen können:

Das von der UK Health Security Agency (UKHSA) zur Verfügung gestellte Bild zeigt Hautläsionen bei Patienten, bei denen Affenpocken nachgewiesen wurden.

Das von der UK Health Security Agency (UKHSA) zur Verfügung gestellte Bild zeigt Hautläsionen bei Patienten, bei denen Affenpocken nachgewiesen wurden.

Da die Behörden zuletzt von einer sexuellen Infektionskette von Männern, die gleichgeschlechtlichen Sex hatten, ausgehen, rät das Robert Koch-Institut (RKI) dieser Gruppe, bei Hautveränderungen „unverzüglich eine medizinische Versorgung aufsuchen“. Bei einer Infektion mit dem Affenpockenvirus sollte enger körperlicher Kontakt zu anderen vermieden und auf Hygiene geachtet werden.

Inwiefern schützt die Pockenimpfung vor Affenpocken?

1980 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Erreger der echten Pocken, das Variolavirus, weltweit für ausgerottet. Die massive Impfkampagne, die dies möglich gemacht hatte, war daraufhin eingestellt worden. Der Immunschutz in der Bevölkerung hat seitdem deutlich nachgelassen: Britische Forschende schrieben in einer Studie, die im Juli 2020 im Fachmagazin „Vaccine“ erschienen ist, dass geschätzt etwa 70 Prozent der Weltbevölkerung nicht mehr gegen Pocken geschützt seien.

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Die schwindende Bevölkerungsimmunität gegen das Variolavirus könne beim aktuellen Affenpocken-Ausbruch eine Rolle spielen, twitterte Leif Erik Sander, Leiter der Klinik für Infektiologie an der Berliner Charité. Denn das Variolavirus und das Affenpockenvirus sind eng verwandt. Eine frühere Pockenimpfung schützt deshalb vor beiden Erregern. Mehrere Beobachtungsstudien hätten ergeben, dass die Pockenimpfung zu etwa 85 Prozent wirksam ist, um Affenpocken zu verhindern, schreibt die WHO.

Sollte tatsächlich die nachlassende Immunität zur Affenpocken-Entwicklung beitragen, könnten Nachimpfungen helfen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. In Großbritannien finden bereits sogenannte Ringimpfungen statt. Das heißt, den Kontaktpersonen aller Affenpocken-Infizierten wird ein Impfangebot gemacht. Es gibt dabei jedoch ein Problem – und das ist der Impfstoff.

Welche Impfstoffe können gegen Affenpocken eingesetzt werden?

Bei den früheren Pockenimpfungen wurden Lebendimpfstoffe eingesetzt, die vermehrungsfähige Pockenviren enthielten. An der Einstichstelle bildeten sich deshalb meist Hautläsionen, die charakteristischen Narben der Pockenimpfung. Diese Impfstoffe gibt es nicht mehr. Genauso wenig gibt es einen speziell gegen Affenpocken zugelassenen Impfstoff.

Das einzige Vakzin, das gegen echte Pocken in der EU zugelassen ist, ist Imvanex. Ein Lebendimpfstoff, der ein genetisch verändertes Pockenvirus, das Modifizierte Vacciniavirus Ankara (MVA), enthält. Das Impfvirus ist so verändert, dass es weder die Krankheit auslösen noch sich im menschlichen Körper vermehren kann. Nach Angaben des dänischen Herstellers Bavarian Nordic A/S sei der Impfstoff in Europa nur zur Immunisierung von Erwachsenen gegen Pocken zugelassen, „wurde aber zuvor für den Off-Label-Einsatz bei Affenpocken-Fällen bereitgestellt“.

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In Kanada und den USA kann das Vakzin sowohl gegen echte Pocken als auch gegen Affenpocken eingesetzt werden. Für einen wirksamen Impfschutz werden zwei Impfdosen à 0,5 Milliliter im Abstand von 28 Tagen benötigt, heißt es auf der Internetseite der Europäischen Arzneimittel-Agentur Ema. Wer bereits eine Pockenimpfung erhalten hat, braucht nur eine Dosis – immungeschwächte Menschen ausgenommen.

Lauterbach bereitet Maßnahmen zur Eindämmung von Affenpocken vor

Nach den ersten Fällen von Affenpocken in Deutschland werden nach Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach weitere Eindämmungsmaßnahmen vorbereitet.

Klinische Studien würden nahelegen, dass Imvanex hohe Antikörperantworten erzeugt, die einen Schutz gegen echte Pocken erwarten lassen, teilte die Ema mit. Es sei jedoch noch nicht bekannt, wie lange dieser Schutz anhält. Und auch die Schutzwirkung gegen Affenpocken ist noch unklar.

Die europäische Seuchenschutzbehörde ECDC rät in jedem Fall: „Wenn in einem Land Pockenimpfstoffe verfügbar sind, sollte nach einer Risiko-Nutzen-Abwägung die Impfung von engen Risikokontakten in Betracht gezogen werden.“ Allerdings ist gerade die Verfügbarkeit eine Herausforderung. Die WHO bezeichnet Imvanex etwa als Pockenimpfstoff, „der nur begrenzt verfügbar ist“.

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Gibt es Medikamente gegen Affenpocken?

Ähnliche Verfügbarkeitsprobleme gibt es bei Medikamenten gegen Affenpocken. Das RKI listet als mögliche Therapieoption – vor allem für immungeschwächte Menschen, die am Affenpockenvirus erkranken – nur das Arzneimittel Tecovirimat. Seit Januar 2022 ist es in der EU zugelassen.

Empfohlen wird das Arzneimittel von der Ema für Erwachsene und Kinder mit einem Körpergewicht von mindestens 13 Kilogramm. Es handelt sich um Kapseln, die nur mit ärztlicher Verschreibung erhältlich sind. Tecovirimat greift ein Protein namens VP37 an, das sich auf der Oberfläche von echten Pocken und Affenpocken befindet, und verhindert so, dass sich die Viren im Körper vermehren können. Es bremst also die Ausbreitung der Infektion.

Wie gut Tecovirimat bei mit Pocken infizierten Menschen wirkt, ist aber noch unklar. Die Ema schreibt: „Da Pocken, Affenpocken und Kuhpocken in der EU entweder ausgerottet sind (Pocken) oder sporadisch auftreten, konnten keine Studien zur Bewertung der Wirksamkeit von Tecovirimat SIGA bei infizierten Menschen durchgeführt werden.“ Selbst wenn sich das Medikament bei mit Affenpocken Infizierten als wirksam erweist, es ist noch nicht allgemein verfügbar.

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Den Ärztinnen und Ärzten bleibt zurzeit also nur, die Affenpocken-typischen Symptome mit Medikamenten zu behandeln. Gerade die Hautläsionen müssen akkurat versorgt werden. Gelangen Bakterien in die Wunden, kann es schlimmstenfalls zu bakteriellen Superinfektionen kommen.

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