Wie schlimm wird der Winter?

Aktuelle Corona-Lage: Fünf gute Nachrichten – aber auch vier schlechte

Pflegekräfte, die in der Corona-Krise besonders belastet sind, können ab dem 26. Mai bei einer kostenlosen psychotherapeutischen Beratung anrufen.

Den Schutzkittel beiseitelegen: In den Krankenhäusern kommt es inzwischen wieder seltener zu Corona-Ausbrüchen.

Seit fast drei Jahren hält das Coronavirus die Welt schon in Schach. Für die einen ist die Pandemie längst vorbei, anderen bereitet der Erreger noch immer Sorge. Auch das Robert Koch-Institut (RKI) ist weiterhin in Alarmbereitschaft: In ihrem jüngsten Wochenbericht warnt die Behörde, dass der Infektionsdruck in allen Altersgruppen hoch bleibe und saisonal bedingt mit weiteren Atemwegserkrankungen zu rechnen sei. Droht also doch wieder ein infektionsreicher Winter? Kommt es vielleicht sogar noch einmal zu einer Corona-Welle?

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Wie immer herrscht Ungewissheit, wenn es um die Entwicklung des Virus geht. Genau Prognosen sind schwierig – auch, weil die Corona-Lage ziemlich komplex ist. Tatsächlich ist der Blick auf den Winter aber nicht nur getrübt von schlechten Nachrichten. Es gibt ebenso positive Entwicklungen. Ein Überblick.

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Fünf gute Nachrichten

1. Weniger Infektionen, weniger schwere Fälle

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Die Herbstwelle ist überstanden. Bei den Corona-Kennzahlen ist ein Abwärtstrend erkennbar: Die Sieben-Tage-Inzidenz sank am Freitagmorgen auf 243,5 Fälle pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner (Vortag: 262,3; Vorwoche: 290,1; Vormonat: 787,5) und die Zahl der Neuinfektionen ging auf 33.703 (Vorwoche: 56.635) zurück. Auch kommt es wieder seltener zu Corona-Ausbrüchen in medizinischen Einrichtungen sowie in Alten- und Pflegeheimen.

Gleichzeitig verlaufen Infektionen mit der Virusvariante Omikron seltener schwer, wie internationale Studien zeigen. Das macht sich in den Krankenhäusern bemerkbar: Sie müssen nun weniger Menschen behandeln, die an Covid-19 erkranken, sondern eher Menschen, bei denen Covid-19 eine Begleitdiagnose ist. Aber auch hier zeigt sich eine positive Entwicklung: „Die Lage im Krankenhaus bessert sich nach Rückgang der Infektionsfälle“, berichtete Cihan Çelik, Leiter der Sektion Pneumo­logie am Klinikum Darmstadt, vergangenen Freitag auf Twitter. „Diese Woche kommen deutlich weniger Patienten wegen und mit Covid bei uns im Krankenhaus an. Das entlastet alle Bereiche, die Versorgungsqualität steigt.“

2. Keine besorgniserregende Corona-Variante in Sicht

Das Coronavirus mutiert derweil unbeirrt weiter. Bisher zeichnet sich jedoch nicht ab, dass sich bald eine wesentlich besorgniserregendere Virusvariante durchsetzen wird. Die bisher neu entdeckten Corona-Varianten – mehrheitlich Subtypen der Omikron-Variante, darunter BQ.1.1 und BQ.1 – sind zwar ansteckender und immunflüchtig, führen aber nicht häufiger zu schweren Erkrankungen.

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Wann eine neue Virusvariante den bisher dominierenden Omikron-Subtypen BA.5 verdrängen könnte, ist unklar. Das RKI vermerkt in seinem Wochenbericht jedoch, dass die Anteile der Omikron-Sublinien weiter zunehmen. Die Virusvariante BQ.1 mit dem Spitznamen „Höllenhund-Variante“ – dem sie übrigens nicht gerecht wird – machte in der letzten Oktoberwoche beispielsweise 4 Prozent aller positiven Corona-Proben aus.

3. Eine gute, breite Immunität in der Bevölkerung

Die Immunität in der Bevölkerung ist in diesem Winter so hoch wie noch nie zuvor. Eine Blutspendenuntersuchung des RKI mit circa 135.000 Proben hatte im Oktober ergeben, dass im Laufe der Zeit immer mehr Menschen Antikörper gegen das Coronavirus entwickelt haben. Im Mai dieses Jahres waren in nahezu allen untersuchten Proben (99,97 Prozent) Antikörper nachweisbar. Wobei man bedenken muss, dass Antikörper allein nur wenig über die Immunität aussagen. Auch T-Zellen spielen eine Rolle.

Doch die RKI-Studie zeigt, dass ein Großteil der Menschen zumindest eine erste Abwehrlinie gegen den Erreger aufgebaut hat. Und das ist nicht nur den Impfstoffen zu verdanken, sondern auch dem Virus selbst – genauer gesagt, Omikron. Da die Virusvariante hochansteckend ist, haben sich in den vergangenen Monaten etliche Menschen mit dem Krankheitserreger infiziert, darunter auch Geimpfte. Die Immunität in der Bevölkerung hat sich also verbreitert: Es gibt nun Menschen, die geimpft, geimpft und genesen oder nur genesen sind.

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3. Keine großen Einschränkungen drohen

Lockdown und 2G-Regeln – diese Maßnahmen gehören wohl der Vergangenheit an. Zumindest sind sie nicht Teil des Corona-Herbst-/Winterplans der Bundesregierung. Auch Kita- und Schulschließungen soll es laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nicht mehr geben. Eine vom Gesundheits- und Familienministerium in Auftrag gegebene Kita-Corona-Studie hatte gezeigt, dass Kinder und Jugendliche nur unwesentliche Treiber des Coronavirus sind. „Aus heutiger Sicht waren die Kita-Schließungen medizinisch also nicht angemessen“, hatte Lauterbach bei der Vorstellung der Ergebnisse Anfang November in Berlin klargestellt.

Zumindest aber Masken und Tests bleiben uns im Winter erhalten, genauso wie das Abstandhalten und regelmäßiges Lüften. Doch diese Maßnahmen dürften, verglichen mit den oben genannten, vernachlässigbare Einschränkungen sein.

4. Wirksame Medikamente und Impfstoffe

Mit den Corona-Impfstoffen ist es gelungen, wirksame Waffen gegen das Coronavirus zu entwickeln. Sie reduzieren das Risiko, schwer zu erkranken und zu versterben, und schützen – zumindest temporär – vor erneuter Infektion. Inzwischen sind sie sogar an die Omikron-Subtypen BA.1 und BA.4/BA.5 angepasst. Wie gut diese wirken, ist noch nicht ganz klar. Es gibt zwar erste vereinzelte Studien, die zu dem Schluss kommen, dass sie gegenüber den bisher genutzten Vakzinen kaum einen Vorteil bieten; doch diese Untersuchungen sind in ihrer Aussagekraft eingeschränkt, da sie mehrheitlich nicht genügend Probandinnen und Probanden umfassen. Andere Studien sprechen den Omikron-Boostern wiederum eine deutliche Steigerung der Immunreaktionen zu.

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Neben den Impfstoffen gibt es aber auch noch Corona-Medikamente, die Ärztinnen und Ärzte bei der Behandlung von Corona-Erkrankten helfen. Zu nennen wäre hier etwa die Tablette Paxlovid. Sie soll vor allem Risikopersonen vor einem schweren Krankheitsverlauf schützen. In Europa ist das Medikament für Menschen ab 18 Jahren zugelassen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, aber keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigen. Eine Studie aus den USA kam jüngst zu dem Ergebnis, dass Paxlovid auch das Risiko für Long Covid senken kann.

Vier schlechte Nachrichten

1. Hohe Todeszahlen

Der erfreuliche Abwärtstrend bei den Corona-Infektionszahlen hat leider einen faden Beigeschmack. Denn eine Kennzahl bereitet noch immer Sorgen: die Zahl der Todesfälle. Zwar geht auch sie langsam zurück, aber nichtsdestotrotz gibt es noch viele Menschen, die im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion versterben. In der 44. Kalenderwoche (31. Oktober bis 6. November) waren es 991. Die Mehrheit von ihnen ist über 70 Jahre alt. „Es ist damit zu rechnen, dass ein Rückgang, analog zu den Inzidenzen, erst mit mehreren Wochen Zeitverzug in den Todesfällen sichtbar sein wird“, schreibt das RKI.

2. Zu viele Unsicherheiten bei Long und Post Covid

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Die Corona-Spätfolgen stellen nach wie vor das größte Fragezeichen der Pandemie dar. Zu vieles ist noch unbekannt. Zum Beispiel, wie viele Menschen nach einer Infektion unter anhaltenden Beschwerden leiden, wie diese entstehen und wie lange sie anhalten. Auch die Behandlung von Long-Covid-Patientinnen und -Patienten ist für Ärztinnen und Ärzte eine Herausforderung. Sie können bisher vorwiegend versuchen, die Symptome zu lindern.

Eine Studie der Technischen Universität Dresden hat versucht, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Demnach können von langfristigen Symptomen nach einer Corona-Infektion alle Altersklassen gleichermaßen betroffen sein. Allerdings ist auch diese Studie mit Vorsicht zu interpretieren. Etwa, weil die verwendeten Daten im ersten Halbjahr 2020 erhoben wurden, als noch der Wildtyp des Coronavirus vorherrschend war und es noch keinen Schutz in der Bevölkerung durch Impfungen oder Infektionen gab. „Es wäre deshalb problematisch, die Aussagen auf aktuelle Wellen zu übertragen“, merkte Martin Scherer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, an.

long Covid syndrome and coronavirus pandemic symptoms that persist as a burden concept or being tied trapped as a hauler of a virus infection with 3D illustration elements.

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3. Infektionen sind mit Risiko behaftet

Zwar führen Infektionen mit Omikron seltener zu schweren Krankheitsverläufen, das heißt jedoch nicht, dass das Virus vollkommen harmlos geworden ist. Schon allein deshalb, weil es noch immer Spätfolgen verursacht.

Jede zusätzliche Ansteckung kann zudem das Risiko für Tod, Krankenhausaufenthalte und Folgeerkrankungen erhöhen, schreiben Forscher des VA St. Louis Health Care Systems in Missouri in einer Studie, die jüngst im Fachmagazin „Nature“ erschienen ist. Der Impfstatus spiele dabei keine Rolle. „Um die Gesamtbelastung durch Tod und Krankheit aufgrund von Sars-CoV-2 zu verringern, sind Strategien zur Prävention von Reinfektionen erforderlich“, resümieren die Studienautoren.

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Nach Einschätzung von Gesundheitsminister Lauterbach brauche es langfristig einfach bessere Impfstoffe, wie er auf Twitter erklärte. Die Frage ist jedoch: Wie könnten diese aussehen? Hoffnung setzt der Minister beispielsweise in nasale Impfstoffe, die eine Schleimhautimmunität aufbauen.

An einem solchen Vakzin arbeitet unter anderem der Pharmakonzern Astrazeneca, zusammen mit der Oxford-Universität. Erste Ergebnisse aus der klinischen Studie waren jedoch enttäuschend: Der nasale Impfstoff war nicht in der Lage, eine robuste Schleimhautimmunität zu erzeugen. „Wir glauben, dass die Verabreichung von Impfstoffen in Nase und Lunge ein vielversprechender Ansatz ist“, wird Studienleiterin Sandy Douglas in einer Pressemitteilung zitiert. „Aber diese Studie zeigt, dass es wahrscheinlich schwierig sein wird, Nasensprays zu einer zuverlässigen Option zu machen.“

4. Corona verbreitet sich mit anderen Erregern

Das Coronavirus allein ist schon unangenehm, doch es gibt noch andere Krankheitserreger, die in diesem Winter zum Problem werden könnten. Dazu gehören etwa die Influenzaviren, die Verursacher der Grippe. In der 43. Kalenderwoche (24. bis 30. Oktober) hat hierzulande die Grippewelle begonnen – früher als üblich. Sie nimmt gerade erst Fahrt auf und könnte im Winter schlimmstenfalls mit einer erneuten Corona-Welle zusammentreffen. Fachleute warnen schon seit Wochen vor einer „Twindemie“.

Aber auch Rhinoviren, Parainfluenzaviren und Respiratorische Synzytial-Viren werden in den kommenden Wochen wohl für Krankheitsfälle sorgen – und zwar in allen Altersgruppen. „Es ist daher weiterhin besonders wichtig, die bestehenden Empfehlungen umzusetzen“, mahnt das RKI in seinem Wochenbericht. Das heißt: Bei Symptomen einer Atemwegsinfektion vorsichtshalber zu Hause bleiben und Kontakte meiden, bis die Beschwerden abklingen, sowie sich gegen Grippe und Covid-19 impfen lassen.

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