Schluss mit der Zettelwirtschaft

E-Rezept startet in Apotheken – was bringt das papierlose Rezept?

Nach einer Testphase läuft heute ein schrittweiser Start des E-Rezepts an - zunächst bei Praxen und Kliniken in der Region Westfalen-Lippe und bei Zahnärzten in Schleswig-Holstein. Zudem sollen Apotheken bundesweit E-Rezepte annehmen.

Nach einer Testphase läuft heute ein schrittweiser Start des E-Rezepts an - zunächst bei Praxen und Kliniken in der Region Westfalen-Lippe und bei Zahnärzten in Schleswig-Holstein. Zudem sollen Apotheken bundesweit E-Rezepte annehmen.

Düsseldorf/Berlin. Jeder kennt sie: Die rosa Zettel, für die Kassenpatienten in der Apotheke Antibiotika, Blutdrucksenker und andere verschreibungspflichtige Medikamente bekommen. Doch mit den sogenannten Muster-16-Rezepten dürfte bald Schluss sein - und langfristig wohl auch mit der Zettelwirtschaft. Denn ab Donnerstag sollen Patienten in allen Apotheken auch E-Rezepte einlösen können. Nach Verbandsangaben meldeten sich zuletzt rund 10.000 der 18.000 Apotheken startklar.

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Praxen starten in zwei Modellregionen mit E-Rezept

Nach einer Testphase soll an diesem Donnerstag auch eine schrittweise Einführung des E-Rezepts in Praxen und Kliniken in der Region Westfalen-Lippe und bei Zahnärzten in Schleswig-Holstein anlaufen. Für andere Praxen im Norden hatte die Kassenärztliche Vereinigung einen Rückzug erklärt - weil eine Übermittlung per Mail und SMS dort untersagt worden sei.

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Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte auf einen breiter angelegten Start für elektronische Rezepte gedrängt: „Wir müssen das jetzt schnell ausrollen“, sagte der SPD-Politiker. Er sprach sich dafür aus, dass digitale Rezept-Codes außer über eine spezielle App für Smartphones auch per Mail oder SMS übermittelt werden können.

Es gibt aber auch gute Nachrichten für alle Menschen, die kein Smartphone besitzen: Sie bekommen natürlich weiterhin Rezepte auch in die Hand.

Mit dem E-Rezept bekommen Patienten Medikamente

E-Rezept steht für elektronisches Rezept. Dahinter verbirgt sich ein digitaler Rezeptcode, über den Kassenpatienten in Apotheken ihr verschreibungspflichtiges Medikament bekommen. Der Rezeptcode wird von der Arztpraxis in die E-Rezept-App der Gematik, der nationalen Agentur für digitale Medizin, übermittelt und kann dann in der Apotheke auf dem eigenen Smartphone vorgezeigt werden.

Ein Mann hält in einer Apotheke sein Handy in der Hand, um die neuen Rezepten-App zu testen.

Ein Mann hält in einer Apotheke sein Handy in der Hand, um die neuen Rezepten-App zu testen.

Per App checken, ob das gewünschte Medikament vorrätig ist

Laut Anke Rüdinger, Apothekerin aus Berlin und Leiterin des „Digital Hub“ der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), ändert sich für Patienten sonst kaum etwas durch die Umstellung. In der Apotheke wird mit Hilfe des Codes das E-Rezept vom Server geholt und die Kunden mit den verordneten Medikamenten versorgt.

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Wer die E-Rezept-App nutzt, kann vorab per Smartphone anfragen, ob die Wunsch-Apotheke das Medikament vorrätig hat. Und sich so etwa Zeit durch wegfallende Wege ersparen.

„Das E-Rezept“ gibt es in den App-Stores von Google, Apple und Huwei

Bietet die Apotheke einen Botendienst an, kann das Rezept auch ohne Apothekenbesuch über die App bestellt werden. Bei Online-Apotheken muss zudem kein Originalrezept mehr verschickt werden. Das E-Rezept kann digital an die Versandapotheke übermittelt werden.

Um Rezepte per Smartphone empfangen und einlösen zu können, benötigen gesetzlich Versicherte die App „Das E-Rezept“ der Gematik. Die gibt es kostenlos in den App-Stores von Google, Apple und Huawei.

Um die App nutzen zu können, muss das Smartphone mindestens iOS 14 oder Android 7 als Betriebssystem haben und NFC-fähig sein. Die meisten neueren Geräte haben diese Funktion für Nahfeldkommunikation. Bei Android-Geräten kann man sie etwa über die Einstellungen ein- und ausschalten.

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Gesundheitskarte braucht NFC-Funktion

„Wichtig ist aber über das Handy hinaus, dass Sie eine NFC-fähige Gesundheitskarte haben“, sagt Sabine Wolter von der Verbraucherzentrale NRW. Die meisten Krankenkassen hätten diese neuen elektronischen Gesundheitskarten schon vielfach verschickt. Erkennen kann man sie an einer sechsstelligen CAN-Nummer im oberen rechten Eck der Gesundheitskarte. Wer noch keine Gesundheitskarte mit NFC-Funktion hat, kann sie bei seiner Krankenkasse bestellen.

Außerdem notwendig, um die App zu nutzen: Eine PIN. Sie bekommt man ebenfalls bei der Krankenkasse. Versicherte müssen sich dafür aber ausweisen, etwa in einer Geschäftsstelle ihrer Krankenkasse. Wer schließlich Karte und PIN griffbereit hat, wird in der App durch den Anmeldeprozess geführt.

Auch ohne Internetempfang nutzbar

Übrigens: Internetempfang brauchen Sie in der Apotheke nicht, um das E-Rezept per Smartphone einlösen zu können. Einmal heruntergeladen stehen die E-Rezepte in der App auch offline zur Verfügung.

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„Dann bekomme ich vom Arzt einen Ausdruck über dieses E-Rezept“, sagt Sabine Wolter. Der Ausdruck enthält alle wichtigen Informationen zur Verordnung und einen Rezeptcode. Er ist auch ohne händische Unterschrift gültig und wird in der Apotheke gescannt. Wer kein oder kein geeignetes Smartphone hat oder auf die App verzichten möchten, muss sich keine Sorgen machen: An die Medikamente kommt man auch weiterhin.

Bis zum Frühjahr 2023 soll das E-Rezept bundesweit abgeschlossen sein

Ab 2023 sollen E-Rezepte laut Gematik zudem über die Gesundheitskarte in der Apotheke eingelöst werden können - ganz ohne Smartphone und Zettelwirtschaft. Für Medikamente, die nicht rezeptpflichtig sind, stellen Ärztinnen und Ärzte weiter das grüne Papierrezept aus. Auch Rezepte für Betäubungsmittel werden derzeit noch nicht als E-Rezept ausgestellt. Bis zum Frühjahr 2023 soll die Einführung des E-Rezepts laut Plan bundesweit abgeschlossen sein.

Ein E-Rezept lässt sich nicht mehrfach einlösen. „Wenn eine Verordnung versorgt wurde, ist sie auch gesperrt“, sagt Anke Rüdinger. Ein wirklicher Vorteil von E-Rezepten sei, dass sie fälschungssicher sind und das Missbrauchspotenzial geringer ist als bei den bisherigen Rezepten. Außerdem dürften doppelte Wege zum Arzt entfallen, etwa weil die Unterschrift unter dem Rezept vergessen wurde.

dpa/RND

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