Um komplexe Gefühle zu umschreiben

Studie: Psychisch Erkrankte beschreiben ihre Emotionen häufig mit Kriegs- oder Reisemetaphern

Die richtigen Worte zu finden fällt Betroffenen von psychischen Erkrankungen oftmals schwer. Kriegs- oder Reisemetaphern werden daher von ihnen besonders häufig verwendet.

Die richtigen Worte zu finden fällt Betroffenen von psychischen Erkrankungen oftmals schwer. Kriegs- oder Reisemetaphern werden daher von ihnen besonders häufig verwendet.

Der Krieg gegen sich selbst oder die lange Reise bis zur Genesung: Metaphern wie diese werden nicht selten verwendet, um Krankheiten zu beschreiben. Insbesondere beim Thema psychische Gesundheit ist dies häufig der Fall, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitat Oberta de Catalunya (UOC) in einer Studie herausgefunden haben.

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Kriegs- und Reisemetaphern beschreiben komplexe Prozesse

Demnach verwenden sowohl Patientinnen und Patienten als auch Fachleute Begriffe wie „Krieg“ oder „Reise“ als Metaphern für psychische Erkrankungen und deren Symptome, Probleme im Alltag, medizinische Tätigkeiten oder soziale Vorurteile, wie eine Analyse spanischsprachiger Blogs ergab.

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Als Datengrundlage haben die Forschenden Blogs von 73 Patientinnen und Patienten, bei denen Depressionen, Schizophrenie, bipolare Störungen oder Zwangsstörung diagnostiziert wurden, sowie von 22 Fachleuten aus den Bereichen Psychiatrie, Psychologie, Krankenpflege und Sozialpädagogik und damit rund eine Millionen Wörter ausgewertet.

Insgesamt wurden in den Texten 3204 Kriegs- und Reisemetaphern identifiziert. Dabei wurden jegliche Arten von Konflikten als „Kriege“ oder „Kämpfe“ beschrieben. Langwierige und kostspielige Prozesse hingegen stellten Begriffe wie „Wege“, „Hürden“ oder „Fortschritte“ dar.

Betroffene nutzen Metaphern, um ihre Emotionen auszudrücken

Aus quantitativer Sicht ergab die Studie, dass solche Metaphern häufiger von Menschen mit psychischen Erkrankungen selbst verwendet werden als von Fachkräften der Psychiatrie. Die Patientinnen und Patienten nutzten demnach Metaphern besonders häufig, um ihre innersten Gefühle auszudrücken. Den Forschenden zufolge bestätigt dies die Hypothese, dass Metaphern in diesem Zusammenhang verwendet werden, um komplexe und emotional intensive Erfahrungen auszudrücken.

Die Studie zeigt auch, dass jene Metaphern sowohl positive als auch negative Ansichten über den Umgang mit psychischen Störungen, die damit verbundenen Emotionen oder die Selbstbestimmung der Patienten vermitteln können. Kriegsmetaphern seien demnach besonders in Situationen nützlich, die viel Energie erfordern. Reisemetaphern hingegen können verwendet werden, um einen fortlaufenden Prozess zu suggerieren.

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Ergebnisse helfen, die Kommunikation mit Betroffenen zu verbessern

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung ist, dass beide Arten von Metaphern sowohl positiv als auch negativ konnotiert sein können. Kriegsmetaphern seien zum Beispiel nicht grundsätzlich negativ, da sie Aspekte wie Kampfgeist, Handlungsfähigkeit und Selbstbestimmung beinhalten, die das Selbstwertgefühl der Betroffenen steigern können. Es komme daher darauf an, in welchem Kontext die Metaphern eingesetzt werden, so die Forschenden.

Die Ergebnisse der Studie haben nicht nur Auswirkungen auf das Verständnis der Krankheit, sondern auch auf die Verbesserung der Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten, so die Forschenden. Um etwa Psychotherapeutinnen und ‑therapeuten bei ihren Therapiesitzungen zu unterstützen, haben die Forschenden daher eine Sammlung von Metaphern (bislang nur auf Spanisch) als Hilfsmittel erstellt, auf welche online zugegriffen werden kann.

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