Stones-Ticket-Affäre:

Staatsrätin in Ruhestand versetzt

Foto: Die Tickets für das Rolling-Stones-Konzert in Hamburg am 9. September 2017 kosteten zwischen 100 und knapp 900 Euro. Für die Genehmigung des Konzerts war das Bezirksamt Nord zuständig.

Die Tickets für das Rolling-Stones-Konzert in Hamburg am 9. September 2017 kosteten zwischen 100 und knapp 900 Euro. Für die Genehmigung des Konzerts war das Bezirksamt Nord zuständig.

Hamburg. In der Affäre um Karten für ein Rolling-Stones-Konzert hat der Hamburger Senat Gesundheitsstaatsrätin Elke Badde (SPD) in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Hintergrund ist eine Anklage der Staatsanwaltschaft wegen Vorteilsannahme und Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat. Im Hinblick auf die beamtenrechtlichen Regelungen sei die Versetzung Baddes in den Ruhestand im gegenseitigem Einvernehmen erfolgt, hieß es in einer Mitteilung des Senats vom Montag. Die 58-Jährige war seit sieben Jahren Staatsrätin in der Gesundheitsbehörde.

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Freikarten vom Konzertveranstalter «verlangt»

Laut Staatsanwaltschaft hatte Badde zwei vom regulären Verkauf ausgenommene Tribünenkarten für das Stones-Konzert im Stadtpark im September vergangenen Jahres einschließlich vergünstigter Gebühren für 357,50 Euro gekauft. Die Karten stammten demnach aus einem Kontingent von 300 Kauf- und 100 Freikarten, die der ehemalige Leiter des Bezirksamts Nord, Harald Rösler (SPD), vom Konzertveranstalter «verlangt» habe, um sie «Freunden des Hauses» anzubieten. Gegen Rösler und dessen gewählte Nachfolgerin Yvonne Nische (SPD) laufen ebenfalls Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Laut Anklagebehörde ging Badde nicht nur offensichtlich «ohne jegliche Nachfrage und Ausübung dienstlicher Kontrolle» auf die Offerte ein. Vielmehr habe sie Rösler in einem zurückdatierten Schreiben auch nachträglich den kostenlosen Besuch des Konzerts gemeinsam mit seiner Ehefrau genehmigt, ebenso wie die Weitergabe von vier Freikarten an Bekannte.

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Bei dem Konzert hatten rund 82 000 Fans die Rolling Stones begeistert gefeiert. Die Tickets kosteten zwischen 100 und knapp 900 Euro. Für die Genehmigung des Konzerts war das Bezirksamt Nord zuständig.

Heftige Kritik aus der Opposition an dem Vocrgehen

Während Bürgermeister Peter Tschentscher und Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (beide SPD) Badde für ihre engagierte Arbeit dankten, kam heftige Kritik seitens der Opposition. Die einstweilige Versetzung in den Ruhestand komme viel zu spät, meinte CDU-Fraktionschef André Trepoll. «Das Verhalten von Rot-Grün in der Kartenaffäre hat bei den Hamburgern großes Misstrauen ausgelöst (...) Es zeugt von der Entscheidungsschwäche des Bürgermeisters, dass er so lange an einem Senatsmitglied festhält, gegen das strafrechtliche Vorwürfe im Raum stehen.»

Die «Freikartenaffäre» werde zur politischen Belastung, meinte der Vorsitzende der FDP-Fraktion, Michael Kruse. Tschentscher - bis März noch Finanzsenator - werde sich «unangenehme Fragen gefallen lassen müssen, was in seiner Behörde passiert ist». Badde war unter Tschentscher zusätzlich auch Staatsrätin für den Aufgabenbereich Bezirksverwaltung in der Finanzbehörde.

Die AfD warf dem Senat ein «Spiel auf Zeit» vor. Schon seit Mai sei gegen Badde ermittelt worden, sagte Fraktionschef Alexander Wolf. «In einer sauberen Verwaltung ohne Filz und Ämterpatronage wird Fehlverhalten schnell und konsequent geahndet.»

Von dpa

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