Alexander Klaws: „Die Musicalbranche wurde unfassbar politisiert“

Alexander Klaws gewann mit 19 Jahren die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“.

Alexander Klaws gewann mit 19 Jahren die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“.

Hamburg. Alexander Klaws ist mehr als nur ein Castingshow-Gewinner, obwohl er den meisten als Sieger der ersten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ 2003 in Erinnerung geblieben ist. Doch stand er seitdem ununterbrochen auf der Bühne: als Schauspieler zum Beispiel bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg, als Musicaldarsteller in „Tarzan“ oder als Moderator, wie bis vor Kurzem bei „Deutschland sucht den Superstar“. Doch seit einem Jahr ist auch bei dem 37-Jährigen alles anders: Im Lockdown gibt es keine großen Shows mehr. Mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht er über Corona-Politik, Nachdenklichkeit und den Blick nach vorn.

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Seit dem 13. März 2020 haben die meisten Musicalhäuser geschlossen – die Spielstätten sind damit seit über einem Jahr im Lockdown. Wie haben Sie diesen Tag erlebt?

Ich habe am 13. März „Deutschland sucht den Superstar“ moderiert. Eigentlich hätte die Liveshow mit großem Publikum stattfinden sollen, aber ohne hat es sich einfach nur angefühlt wie eine öffentliche Probe. Das war alles sehr surreal – und bis heute nicht greifbar.

Als Musicaldarsteller konnten Sie ein Jahr lang nicht arbeiten. Haben Sie jetzt Pläne für ein neues Engagement?

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Ich hätte jetzt sowieso mit keinem Engagement geplant. Ich hatte mich voll und ganz auf die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg konzentriert und darauf, mehr Musik zu machen. Ich bekomme die Probleme unserer Branche aber trotzdem mit. Ich habe Freunde, die wissen nicht, wie sie ihre Miete zahlen sollen. Andere müssen sich erst einmal beruflich umorientieren und sitzen zwangsweise bei Lidl an der Kasse. Die, die während des Lockdowns ein Engagement hatten, sind in Kurzarbeit. Aber das Geld ist gar nicht das Hauptproblem, wir wollen uns nicht durch Hilfe bereichern. Es ist die Bühne, die wir vermissen. Die Anerkennung, der Applaus. Da kommen nicht alle gut mit klar. Und wenn man sieht, was für eklatante Fehler in der Politik gemacht werden, dann kommt der große Frust.

Welche Fehler meinen Sie?

Das Impfdesaster beispielsweise. Und wenn es mal in der öffentlichen Debatte um Künstler geht, dann stellt sich Herr Scholz hin und tut so, als sei alles getan worden. Aber Freunde von mir füllen Anträge ohne Ende aus und haben nicht einen Cent überwiesen bekommen. Jetzt verkündet die Regierung, dass wir für die Wiedereröffnung planen könnten. Aber das ist doch ein Aufruf zur Insolvenz! Denn Pläne kosten Geld. Wenn aber dann wieder alles abgesagt wird, ist das Geld weg und wir sind alle pleite. Das ist so absurd! Wenn das so weitergeht, dann gibt es uns nicht mehr. „Ohne uns wird es still“, das ist nicht nur ein Slogan.

Die Musicalbranche ist nicht gerade bekannt für ihre politischen Äußerungen. Wenn man Sie so hört, hat sich das aber verändert.

Wahnsinnig. Wir haben gerade im zweiten Lockdown gemerkt, dass uns das Sprachrohr in die Politik fehlt. Und es gibt ja durchaus Kritikpunkte: Wieso kam der zweite Lockdown so spät? Es war doch klar, dass die Infektionszahlen nach oben gehen. Das schadet uns jetzt. Ich finde das einfach nur ignorant. Die Musicalbranche wurde unfassbar politisiert – und Gesprächsbedarf mit der Politik wird es auch nach Ende der Pandemie geben.

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Musicalproduzenten sind Privatunternehmen – im Vergleich zu staatlich finanzierten Theatern. Müssen die in dieser Krise jetzt umdenken?

Wie soll man denn gerade neu planen? Der größte Produzent, Stage Entertainment, muss auch ums Überleben kämpfen. Da ist jetzt kein Kopf dafür, irgendetwas neu zu denken oder neue Wege zu gehen.

Glauben Sie, dass die Unternehmen die Krise überstehen werden?

Am Ende des Tages spricht man ja immer über Geld. (lacht) Wenn kein Geld da ist, kann man nichts machen. In den vergangenen Jahren gab es bereits einen Sparkurs zulasten der Qualität. Jetzt kam da die Pandemie. Ich glaube, dass es in Zukunft noch mehr von solchen Sparproduktionen geben wird. Ich weiß aber, dass die Leute die Theater stürmen werden, wenn sie wieder dürfen.

Ihre Frau ist auch Musicaldarstellerin und war gerade in Babypause. Hat sie durch die Pandemie Probleme, jetzt wieder Jobs zu finden?

Nadja kann mit ihrem Wiedereinstieg auch erst richtig starten, wenn es heißt, wir dürfen wieder. Mann, wir als Künstlerfamilie haben uns echt den richtigen Beruf gewählt. (lacht) Wir genießen aber die Zeit mit unseren beiden Kindern. Trotzdem haben wir öfter Streitereien als vorher. Das ist ja gerade in jeder Familie so.

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Inwieweit planen Sie durch den Lockdown Ihre Karriere jetzt anders?

Ich habe gerade entschieden, die Moderation bei „DSDS“ aufzugeben, und möchte mich mehr auf meine Musik konzentrieren. Nächstes oder übernächstes Jahr soll mein neues Album herauskommen. Feste Konturen hat das aber noch nicht.

Ich stehe ununterbrochen seit 18 Jahren auf der Bühne. Ich hatte nie irgendeine Phase, in der es mal ruhig war. Die habe ich jetzt. (lacht) 18 Jahre auf einmal aufzuarbeiten ist dann aber auch nicht ganz so einfach. Dadurch habe ich gemerkt, worauf ich keinen Bock mehr habe und was ich auf der anderen Seite will.

Die Krise hat Sie zum Nachdenken gezwungen.

Schon, aber ich bin grundsätzlich nachdenklich, auch wenn ich nicht unbedingt so wahrgenommen werde. Ich mache mir ständig Gedanken, manchmal auch zu viele. Vielleicht wird das auch wieder etwas weniger, wenn ich einfach wieder machen kann.

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