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Ex-Youtuber-Paar

Sie wissen nicht, wer Bibi und Julian sind? Wir helfen Ihnen weiter

Mensch gewordene Zuckerwatte: Das Youtuber-Paar Julian „Julienco“ Claßen und Bianca „Bibi“ im Jahr 2018, als noch alles in Butter war.

Die Nachricht, dass sich Bibi und Julian getrennt haben, hat in den zurückliegenden Tagen nicht jeden Medienkonsumenten in Deutschland gleichermaßen elektrisiert. Vor allem, weil weite Teile der Bevölkerung bisher in Unkenntnis davon lebten, dass Bibi und Julian überhaupt existieren („Bibi und Julian? Heißen die nicht Bibi und Tina? Und wer kriegt jetzt das Sorgerecht für Amadeus und Sabrina?“). Deshalb kommt hier ein kurzes Update, damit wir alle auf dem gleichen Stand sind:

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Bibi und Julian sind ein weitgehend durchdigitalisiertes (Ex-)Pärchen, das seit der Schulzeit in äußerlich inniger Knutschi-Putschi-Flutschi-Liebe verbunden war und davon lebte, Millionen meist Minderjährige mit überzuckerten Videos aus einer pastellfarbenen Wohlfühlwelt namens „BibisBeautyPalace“ zu beglücken („Ich PRANKE Julian // mit RIESEN STREIT :O … meine RACHE!“). Nebenbei verkauft man unter der Marke Bilou („Bibi Loves U“) Sachen, die man sich ins Gesicht schmieren kann. Bibi und Julian – das war im Prinzip ein Mix aus Mensch gewordener Zuckerwatte und quasimafiöser Taschengeldabzocke.

Nahbar und unnahbar zugleich: Bianca „Bibi“ Heinicke, Youtuberin, und ihr Nochehemann Julian Claßen alias „Julienco“.

Nahbar und unnahbar zugleich: Bianca „Bibi“ Heinicke, Youtuberin, und ihr Nochehemann Julian Claßen alias „Julienco“.

Die Bibi, die erfolgreichste deutsche Youtuberin, wird von ihren Fans trotzdem kultisch verehrt – als beste Freundin, Kummerkastentante, Rollenvorbild mit erstrebenswertem Lebensentwurf und große Schwester, nahbar und unnahbar zugleich, wie eine hemdsärmelige Version von Lady Gaga. Die Bibi Claßen, geborene Heinicke, kommt aus Köln, ist ­höchstens 1,55 Meter groß und hat ihr Studium der Sozialwissenschaften des Erfolgs wegen geschmissen.

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Nicht die hellsten Kerzen auf der Torte

Aus Lidschattenanalysen, Cupcake-Backen, Malediven-Urlaubsvideos und schnappatmiger Mädelsprosa hat sie ein einträgliches Geschäft gemacht, das nach Schätzungen eine sechsstellige Summe im Monat plus eine Riesenmenge Haterkommentare abwerfen dürfte. Arglos plaudert „die Bibi“ seit knapp zehn Jahren in holprigem Parlando über ihr Leben und zelebriert mit Julian Claßen – mit dem sie seit der zehnten Klasse liiert ist – eine keimfreie Boyfriend-Romantik, die bestens ins Neobiedermeier der Gegenwart passt. Ihre Videos haben bisher mehr als 7,5 Milliarden Aufrufe. Milliarden. Nicht Millionen. MILLIARDEN.

Beide sind gewiss nicht die hellsten Kerzen auf der Torte, haben aber zwei gemeinsame Kinder namens Lio (3) und Emily (2) zustande gebracht, für deren Wohlergehen wir alle beten sollten. Im Jahr 2015 hatte sie einen Auftritt in der Low-Budget Horrorkomödie „Kartoffelsalat – Nicht fragen!“. Ihre Sprechrolle bestand neben viel Kreischen in dem Satz: „Ey, ich schwöre, ich habe voll Achselterror – es ist viel zu warm geworden, ja!?“ Zu Zwecken der besseren Auffind- und Sichtbarkeit ließ sie sich die Brüste vergrößern.

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Bibi hat in ihrem Frühwerk zudem einen Popsong von bestürzender Schlichtheit veröffentlicht, dessen Refrain wie folgt lautet: „Wap-bap, ba-da-di-da-da / Wap-bap, ba-da-di-da-da / Wap-bap, ba-da-di-da-da-da“. Und nun scheint das, nun ja, „Glück“ dieses Paares zerborsten, weil Bibi mit einem Typen rumgeknutscht hat, der eben nicht aussieht, als tränke er nur stilles Wasser und gehe um 21.30 Uhr ins Bett.

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Der Robbie-verlässt-Take-That-Moment der Millennials

Der abgebrochene Versicherungskaufmann Julian wiederum ist bei Tiktok mit einer unbekannten Frau zu sehen gewesen, deren mittlerer hinterer Körperregion seine Hand erstaunlich nahe gekommen sein soll. Zwischenstand: Die Bibi war also zehn Jahre mit dem Julian zusammen, knutscht aber jetzt mit dem Timothy, was der Julian total gemein findet, weshalb er jetzt mit der Sabrina* (*Name frei erfunden) rummacht und auf Lio und Emily aufpasst, während die Bibi beim Friseur sitzt und hinterher mit Freundin Mona und Amadeus Timothy nach Italien fährt – quasi in „BibisKnutschiPalace“.

Der Robbie-verlässt-Take-That-Moment der Millennials: Bibi und Julian Claßen haben sich getrennt.

Der Robbie-verlässt-Take-That-Moment der Millennials: Bibi und Julian Claßen haben sich getrennt.

Man muss wissen: Für die Jüngeren, die gerade erst Bobo Siebenschläfer entwachsen sind, der immer Bubu macht, selbst aber noch keine Babos sind, war Bibi quasi der Babo. Die Trennung des Paares ist deshalb der Robbie-verlässt-Take-That-Moment der Millennials. Trauer im Netz. Oder wie wir sagen: Insta-Gram. Darüber zu lästern verbietet sich aber – solange man selbst ein heimliches Interesse daran hat, wie krank Charlène von Monaco wirklich ist oder ob es bei Harrys und Meghans Besuch zum 70. Jahrestag der Thronbesteigung von Elizabeth II. wohl knallt oder nicht.

Viele Fans hoffen, dass die Trennung nur ein Gag war. Die Wahrscheinlichkeit ist freilich etwa ebenso hoch wie im Falle von Charles und Diana. Der Volkszorn der desillusionierten Zuschauerinnen und Zuschauer jedenfalls ergießt sich vor allem über Bibi. So schrieb ein Kommentator bei Instagram in höchster Erregung: „Ich hoffe, dir rutschen die Ärmel beim Händewaschen runter.“ Was fast so schön ist wie die Kommentare, die ein bisschen Privatsphäre fordern für das Paar, das seit zehn Jahren alles dafür getan hat, seine Privatsphäre zu minimieren. Und nächste Woche lesen Sie: „Bibi und Timothy – Ferien auf dem Ponyhof“.

In seiner Kolumne „Über Leben in Deutschland“ wirft Imre Grimm einen satirischen Blick auf den deutschen Alltag – dazu gehören persönliche Erlebnisse, aber auch Kuriositäten aus Politik, Gesellschaft und Kultur.

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