Vokal-Pop-Quintett Emma

Boygroup statt Chorknaben

Foto: Nur selten hörte man den Jungs ihre gemeinsame Vergangenheit beim Kieler Knabenchor an: Emma trat in der Kieler Pumpe auf. 

Nur selten hörte man den Jungs ihre gemeinsame Vergangenheit beim Kieler Knabenchor an: Emma trat in der Kieler Pumpe auf.

Kiel. In der gut besuchten Pumpe trat das Kieler Vokal-Pop-Quintett Emma auf.

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Das Programm

Zunächst heizte die junge neunköpfige Band aus Kiel Leo in the Lioncage mit einer spritzigen Mischung aus Funk, Soul, Jazz, Latin, Ska und Reggae heftig ein. Verpackt in ein prächtiges Soundgewand  mit satten Bläsern, flirrendem Keyboard und einer rassigen Rhythmus-Abteilung präsentierten sie sowohl eigene als auch Cover-Songs. Klasse Einstieg. Nachdem die Instrumente weggeräumt waren, traten unter großem Jubel die Platzhirsche von Emma auf.

Gleich zu Beginn machten Michael Braun (Counter-Tenor), Julian Altrock (Tenor), Finn Fröhlich (Tenor), Caspar Kirsch (Bariton und Vocal Percussion) und  Malte Meibauer (Bass) klar, dass A-capella für sie erst einmal bedeutet, mit modernem Liedgut direkt nach vorne zu preschen. Natürlich ohne Instrumente, nur mit forschem Beatboxing.

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Der Opener Cake By The Ocean der amerikanischen Rock-Pop Formation DNCE krachte mit einer brachialem Bass-Linie in die Gehörgänge, biss sich dort fest und wurde erst durch den flankierenden Gesang wieder gelöst. The Middle des Gespanns Zedd, Maren Morris and Grey schlug in die gleiche Kerbe.

Bei der Eigenkomposition Mascara wurde zudem nach Herzenslust gerappt. Überhaupt prägten Interpretationen aus dem Elektro-Rock- oder Hip-Hop-Songbook die Setlist. Das erste mal an diesem Abend spielten Emma bei dem großartigen Something Just Like You (The Chainsmokers & Coldplay) ihre rein gesanglichen Qualitäten aus. Wunderschöne Sätze adeln dieses melodisch ohnehin faszinierende Werk.

Höhepunkt der ersten Hälfte war sicher This Is War der US-Rocker Thirty Seconds To Mars. Ein großer Song, der in der Interpretation von Emma stellenweise geradezu monumental anmutet.

Nach der Pause kamen die Vorband und weitere befreundete Musiker auf die Bühne, um (mit Instrumenten) ein wuchtiges James Bond Medley zu spielen. Bei Go Down Moses gaben die ehemaligen Chorknaben dann geschmackssicher einen Gospel-Klassiker zum Besten.

Auch der für Emma-Konzerte schon fast traditionelle Impro-Teil mit Publikum fehlte nicht. Auf der Basis des Stadion-Riffs von Seven Nation Army  der White Stripes begab sich die Band unter die Fans und zitierte mit ihnen Songs wie Durch den Monsun, Havana, Gimme, Gimme, Gimme oder Pink Panther. Prima Idee. Große Wirkung.

Das Publikum

„Die sehen sich hier als Fans einer Boygroup“, erzählt eine Hamburgerin, die mit ihrer Mutter extra zum Konzert nach Kiel gekommen ist, in der Pause. „Schauen Sie sich mal die Mädchen an, die sind doch alle verliebt… “. Da war wohl was dran.

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Direkt vor der Bühne glühte vorwiegend weibliche Heldenverehrung wie es sich im Pop-Geschäft eben gehört. Weiter hinten trafen sich die reiferen Semester und das Gespräch handelte auch schon mal von der Lautstärke im Saal und den verschiedenen Vorzügen von Ohrstöpseln. Insgesamt aber war die Stimmung großartig. Die Band hatte wenig Mühe ihr feierfreudiges Auditorium zum gestischen und gesanglichen Mitmachen zu animieren.

Was in Erinnerung bleibt

Die eigenen Arrangements des vielgestaltigen Liedguts sind gelungen. Aber eine nicht optimal gestaltete Textur des Klangbildes minderte den Genuss. Das Beatboxing,  vor allem im von Caspar eigentlich kunstfertig in Szene gesetzten Bassbereich, ist zu prominent und droht den Gesang, ob nun als hervorgehobene Einzelstimme oder im Chor zu verschlucken. Das mag auf dem Dancefloor seine Berechtigung haben, wirkt im gestalterischen Rahmen des A-capella Gesangs aber schwierig. Auch das Gleichgewicht zwischen den extrem hohen Tönen im oft führenden Falsettgesang und deren mehrstimmige Einfassung war nicht immer sauber austariert.

Nur selten hörte man den Jungs ihre gemeinsame Vergangenheit beim Kieler Knabenchor an. Ihre A-capella Lesart firmiert zu Recht unter dem Titel Vokalpop und entfernt sich deutlich vernehmbar von der Tradition.  Aber Vokalpop muss deshalb ja nichts Schlechtes sein, vor allem wenn er mit so viel Feuer vorgetragen wird wie bei Emma. Der Applaus der Fans bestätigt das.

Fazit

Emma hat in der bestens bestellten A-capella Landschaft Kiels, um die uns übrigens viele deutlich größere Städte beneiden, zweifelsohne ihre Nische gefunden.

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