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Horst Stenzel erobert den Raum

Horst Stenzel taucht ein in Münchhausens fantastische Geschichten.

Horst Stenzel taucht ein in Münchhausens fantastische Geschichten.

Kiel. Dann packt der Schauspieler ein paar Likörgläser aus, einen Zylinder und einen zerbröselnden Schlafrock – und ist von jetzt auf gleich in seiner Rolle verschwunden.

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Münchhausens tollkühne Abenteuer

Münchhausen ungelogen – den legendären Bühnenbaron hat Horst Stenzel im vergangenen Herbst bei den Komödianten auf die Bühne gebracht; auch jetzt, Ende April, stand er wieder im Spielplan. Stattdessen steht er jetzt auf der KN-Bühne, mitsamt einiger seiner tollkühnen Abenteuer. Das vom Pferd zum Beispiel, das nach einer tauigen Nacht an der Kirchturmspitze baumelt, während sich sein Besitzer auf dem am Vorabend noch schneebedeckten Friedhof wiederfindet. Von der "Pompadour", die eigentlich ein Aas ist, oder dem Wolf, der dem sagenhaften Soldaten das halbe Pferd unterm Hintern weggefressen hat.

Stenzel erzählt das erst verhalten, sich langsam steigernd und schließlich mit einem Furor, der die Umgebung vergessen macht und stattdessen Münchhausens Fantasiebilder entstehen lässt. Da fackelt sich ein alkoholseliger Trinkkumpan das Hirn aus dem Schädel und der Schlafrock wird in Stenzels Händen frappierend lebendig, ein komisch tollwütiges Tier.

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Die Verwandlung auf der Bühne

„Ich sterbe vorher jedesmal tausend Tode“, sinniert Horst Stenzel im Gespräch nach dem Auftritt, „aber dann, auf der Bühne ... das ist wie eine Verwandlung.“ So kann man das wohl sagen. Der Schauspieler jedenfalls spielt sich in Rage, füllt die Bühne und lässt sich tragen von der Figur und ihren Worten. Übrigens gilt das auch, wenn er „einfach“ bloß eine Geschichte vorliest. Von Pippi Langstrumpf zum Beispiel, deren anarchische Kraft er schätzt. Erstmal geht es ums Lügen, schließlich gibt es eine kleine heimliche Verwandtschaft zwischen dem Lügenbaron und der Astrid-Lindgren-Heldin. Was sich übrigens in der Episode von Pippi und dem Kaffeekränzchen („meine Lieblingsgeschichte“) fortsetzt.

Die Corona-Krise hat ihn niedergedrückt. „Ich bin gespannt, ob sich danach wirklich etwas verändert hat, ob wir daraus etwas mitnehmen“, sagt er. „Oder ob die Leute sich freuen, endlich wieder zu konsumieren.“ Zur Ablenkung treibt es ihn in den Schrebergarten im Aubrook. Mit der Tochter räumt er seine Zimmer auf – von der 14-Jährigen vertraglich vorgegeben. „Und ich lese wie der Teufel.“ Krimis von Sjöwall und Wahlöö („Die mag ich gar nicht“), Donna Leons Brunetti („Schon besser“) bis Patricia Highsmith („Damit kann ich literarisch etwas anfangen“). Und Paul Austers Vertigo hat er entdeckt: „Boah, das hat mir gefallen!“

Das ist die KN-Bühne

Die KN-Bühne lädt täglich auf KN-online zur Vorstellung und bietet den vom Veranstaltungsverbot der Corona-Krise schwer betroffenen freien Künstlern eine Plattform. Spenden für die Künstler sind erwünscht: auf dem Spendenkonto „KN hilft e.V.“ bei der Förde Sparkasse (Konto DE05 2105 0170 1400 2620 00). Die Spenden werden wöchentlich unter den auftretenden Künstlern aufgeteilt.

Die KN-Bühne gibt es täglich (außer Montags) auf KN-online. Am 1. April 2020 um 20 Uhr ist der Gitarrist Rainer Bublitz zu sehen.

Theater lebt von Zeit und Raum

Der Stillstand bleibt zwiespältig. Die Rollen liegen brach, Neues entsteht nicht. "Ich vermisse die Anerkennung, die man auf der Bühne kriegt", sagt er, "aber nicht die Aufregung davor." Am Vortag hat er in der Schule für Schauspiel unterrichtet. "Das ist der einzige Ort, wo etwas weitergeht", erzählt er, "die sind sofort online gegangen. Ich im einen Studio, der Schüler im anderen." Kein echter Ersatz, wie er findet: "Theater, das lebt doch von Zeit und Raum – und mit der Kamera, da sind wir aufs Zweidimensionale festgenagelt." Aber dann blitzen plötzlich die Augen, taucht er in die Szene, die sie geprobt haben. Rosalind und Orlando in Wie es euch gefällt. Er spricht die Worte - und schon ist er verschwunden, diesmal in Shakespeares Bühnenwunderland.

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Diese Künstler standen auf der KN-Bühne - zu den Videos:

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