Mit Fluxus an der Ampel

Kunsthochschule Kiel ehrte Ben Patterson

Foto: Muthesius macht FLUXUS - Performance und Mitmachaktion für Ben Patterson.

Muthesius macht FLUXUS - Performance und Mitmachaktion für Ben Patterson.

Kiel. Ein bisschen sei es doch wie bei dem Cover-Foto von Beatles’ „Abbey Road“, sagt der Fotograf unserer Zeitung und drückt auf den Auslöser: Im Gänsemarsch überqueren die rund 20 Teilnehmer der wiederaufgeführten Performance „Traffic Light – A Very Lawful Dance“ den Ampelübergang am Knooper Weg und stellen manchen Abbieger auf die Geduldsprobe.

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Der Fluxus-Künstler Ben Patterson hatte mit solchem zivil ungehorsamen Straßenübergang 1964 den New Yorker Times Square lahmgelegt, das Kunstwerk als Demo und soziale Bewegung gegen das – auch künstlerische – Establishment.

Fluxus ist Leben 

Fluxus hieß das damals, heute wirkt es eher historisch, auch weil kaum ein Passant oder Autofahrer, am schnellen Abbiegen gehindert, das als Kunstaktion wahrnimmt. Oder doch? Schließlich drückt er nervös auf das Gaspedal an einer Ampel in direkter Nachbarschaft zu einer Kunsthochschule. Und ein Radfahrer, ebenfalls wartend, meint: „Achje, die Kunst wiedermal.“

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Vorweg im Gänsemarsch, rückwärts gehend, hüpfend auf einem Bein, im Marsch in Zweier- oder Dreier-Phalanx, Ann Noel. Die Künstlerin berichtete vorher im Kesselhaus der Muthesius Kunsthochschule über die schwierige Situation von Performance-Künstlern, die wie Patterson und sie nach Europa und Deutschland kamen, um dort ihre Kunst „zu leben“.

Eine Ampelüberquerung, ganz alltäglich, kann Kunst werden, wenn man sie als solche inszeniert und wahrnimmt. Ein Teilnehmer meint: „Ich lache nicht darüber, es ist mir ernst.“ Heiko Maschmann, Leiter des Seminars für Performance, Neue Musik und Notation, bestätigt, während die Ampel schon wieder grün zum Gänsemarsch ruft: „Bei Mario Barth soll man lachen, bei Patterson darf man lachen, das ist der Unterschied.“ Und so folgt die fünfzehnte Ampelquerung, lächelnd, ganz brav und doch so aufsässig.

Die Kunstrichtung Fluxus

Fluxus war seit den 1960er Jahren eine Kunstrichtung, die wie in den 1920er Jahren der Dadaismus die Kunst selbst thematisierte, kritisch hinterfragte und ironisierte. Den Fluxus-Künstlern galt die historische Kunst und Malerei als „bürgerlicher Fetisch“, den es zu überwinden gelte, indem man die Kunst als Aktionskunst (u.a. Performance) wieder eng mit dem Leben verbinde. Ben Patterson war neben dem Komponisten John Cage und den bildenden Künstlern Wolf Vostell, Joseph Beuys und Nam June Paik einer der Vorreiter des Fluxus.

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