Ulrich Tukur im Schloss

Männer, sehr mondsüchtig

Foto: Zwischen Mond und Schabernack: Ulrich Tukur, hier ohne seine Rhythmus Boys.

Zwischen Mond und Schabernack: Ulrich Tukur, hier ohne seine Rhythmus Boys.

Kiel. Vier sehr junge ältere Herren haben sich da offenbar vorgenommen, ihrem Spieltrieb haltlos nachzugeben; zwischendrin aber ist Raum für jede Menge feine Songs, die das Leichte des Schlagers klar vom Untergewichtigen des Genres trennen.

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Unsterbliches mischt sich mit Zufallsfunden

Mit Nat King Coles "Get Out And Get Under The Moon" wird man schon gleich mondsüchtig, swingt dann im schönsten Salonsound hinüber zu Glenn Millers "Moonlight Serenade" und weiter in ein lässig unterkühltes "Night And Day". Schmelzendes mischt Tukur mit Abründigem, Unsterbliches mit Zufallsfunden wie dem Chanson "Nasse Lyrik" von Eva Busch, (Ex-)Ehefrau des kommunistischen Liedermachers Ernst Busch.

Und weil Tukur einer ist, der nur zu gerne aus der Zeit fällt, wird er in seiner zauberhaft irrlichternden Moderation zum Lügenbaron, der Cole Porter die Musikgeschichte machende Zeile "Night and Day" liefert und Irving Berlin – natürlich – zu "Puttin’ On The Ritz" inspiriert. Und wie der erste Mann auf dem Mond Neil Armstrong und Jazz-Legende Louis Armstrong verwandtschaftlich verbunden sind, das hat sowieso seine eigene Logik.

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Die Rhythmus Boys haben auch Sinn für höheren Blödsinn

Dazu demonstrieren die Rhythmus Boys nicht nur an ihren Instrumenten präzise unterkühlte Könnerschaft, sondern auch als Komiker. "Dream A Little Dream Of Me" macht Ulrich Mayer auf der Ukulele zum stoisch schwelgenden Liebeslied. Und aus der Höhendifferenz zwischen Bassist Günter Märtens (2,08 Meter) und Drummer Kalle Mews, der laut Tukur in eine Voliere passt, schlagen die komischen Funken wie von selbst. Märtens kann außerdem "Let’s Spend The Night Together" und den hibbeligen Jagger; und wie sich der flinke Schlagzeuger Mews ungerührt als Bauchredner-Puppe missbrauchen lässt, ist dann endgültig durchgedreht.

Da ist der Abend schon weit fortgeschritten, lullen sich die Vier im Zugabenblock in "La Paloma" ein, in einer melancholischen Instrumentalversion, die den Zuschauern den fehlenden Mond locker an den bedeckten Kieler Nachthimmel zaubert.

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