Thespis Festival

Odyssee mit Superheld

Foto: Die Japanerin Yokko bringt fernöstliche Tanztechnik und griechischen Mythos zusammen.

Die Japanerin Yokko bringt fernöstliche Tanztechnik und griechischen Mythos zusammen.

Kiel. Die Geschichte entsteht wie aus dem Nichts. Aus einem Lumpenhaufen in der Ecke entfalten sich im voll besetzten Schauspielstudio zwei Hände, richtet sich ein Körper auf, bis irgendwann „sie“ dasteht und ihre Geschichte erzählt. Medea, Antiheldin der griechischen Mythologie, erscheint in der Performance von Yokko hinter weißer Schminke – ein Wesen, das sich vom Menschsein längst entfernt hat.

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Medea als Abdruck der Erinnerung

Die Maske, typisch für den japanischen Butoh-Tanz, passt zur Universalität des Mythos, als Zeichen der Entfremdung. Und die in New York lebende Japanerin Yokko lässt die Puppe tanzen. In irrer Verrenkung, gequälter Krümmung und zuckender Agonie – der Schmerz ist ihr längst zum Ritual geworden. Man sieht die Frau zur Amazone zum fürchterlichen Tierwesen werden, den Schmerz zum Hass. Schon möglich, dass diese Medea nur eine ihrer Facetten zeigt – darin aber bleibt sie eindrucksvoll verstörender Abdruck einer traumatischen Erinnerung.

Der Schauspieler lässt Zeit und Raum zusammenschnurren

George Mann konzentriert sich in Homers Odyssee vor allem auf die spannende Abenteuergeschichte und verwandelt sie in seinem physisch-akustischen Theater zum eindrucksvollen Comic-Drama. Der Schauspieler aus Bristol ist Chor und Erzähler, lässt Zeit und Raum zusammenschnurren – und zeigt nebenbei, wie im Theater alles möglich ist.

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Das ist comicsüffig und opernpathetisch und überhaupt ein irres Abenteuer, das Mann zum Vergnügen des Publikums in der ausverkauften Pumpe hochdynamisch durchspielt. Dass in der Superheldensaga hier und da die Feinheiten verloren gehen – das lässt sich angesichts von Manns energetischem Auftritt leicht verschmerzen.

Thespis 15. November: 18 Uhr, Schauspiel-Studio: „Der Illusionist“ (Tazio Torrini, Italien). 20 Uhr, Pumpe: „Greyhound“ (Matt Panesh, Großbritannien). Karten: Tel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

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