Interview zu neuer Marvel-Serie

Oscar Isaac zu „Moon Knight“: Serie „ist eine psychologische Horrorstory mit leichten Momenten“

Der US-Schauspieler Oscar Isaac.

Der US-Schauspieler Oscar Isaac.

Es ist ein etwas anderer Marvel-Superheld: Der US-Schauspieler Oscar Isaac (42, „Dune“, „Star Wars“) ist ab dem 30. März bei Disney+ als „Moon Knight“ in der gleichnamigen Serie zu sehen. Darin leidet die von Isaac gespielte Hauptfigur an einer dissoziativen Identitätsstörung. „Ich kann den Unterschied zwischen Leben und Träumen nicht unterscheiden“, sagt „Moon Knight“ (bürgerlich Marc Spector) in der Serie. Wie das vor der Kamera umgesetzt wurde, erzählt Isaac im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Ähnlich wie der Klassiker „Jekyll & Hyde“ erzählt auch „Moon Knight“ von einem Mann, der mindestens zwei verschiedene Persönlichkeiten in sich trägt. Warum wird dieses psychische Störungsmuster immer wieder in Literatur und Film aufgegriffen?

Ich denke, diese Geschichten sprechen etwas an, was wir alle von uns selbst kennen. In unserem eigenen Leben spielen wir oft verschiedene Rollen und Identitäten, je nachdem, mit wem wir zusammen sind oder in welchem Umfeld wir uns bewegen. Wenn man älter wird, lernt man immer besser zu verstehen, warum man wie auf bestimmte Situationen reagiert und welche unterbewussten Beweggründe dabei eine Rolle spielen. Das alles gibt uns ein Gefühl dafür, dass es unbekannte Elemente tief in uns drin gibt, die unser Verhalten beeinflussen. Das ist eine ganz natürliche Sache. Das Krankheitsbild der dissoziativen Identitätsstörung bringt solche Tendenzen ins Extrem. Meistens wird diese Persönlichkeitsstörung durch eine nachhaltige, traumatische Erfahrung in einem sehr jungen Alter ausgelöst. Im Grunde ist es wie eine Superkraft, die in uns Menschen existiert. Ein Überlebensmechanismus, in dem sich das Bewusstsein in verschiedene Persönlichkeiten spaltet, die nichts voneinander wissen, aber uns helfen, mit einem extremen Trauma zu überleben.

Worin liegt für Sie als Schauspieler der Reiz, eine solche Figur zu spielen?

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Als ich das Drehbuch gelesen habe, fand ich vor allem die langsame Aufdeckung der traumatischen Erfahrung interessant, die bei Marc Spector alias Steven Grant diese Spaltung der Persönlichkeit ausgelöst hat. Aber auch, wie diese beiden Persönlichkeiten Verantwortung füreinander übernehmen und sich schließlich versuchen gegenseitig zu integrieren. Schaut man sich die Berichte und Dokumentationen über Menschen an, die an dieser Störung leiden, erfährt man, dass sie meistens ein eigenes Organisationsprinzip entwickeln, um mit den verschiedenen Egos leben zu können. Das sind oft sehr visuelle Vorstellungen, wie etwa ein Schloss, in dem man verschiedene Räume betritt. In „Moon Knight“ haben wir versucht, innerhalb dieses Genres, in dem ja ohnehin sehr viel mit Symbolen und Träumen gearbeitet wird, das Innenleben der Krankheit möglichst wahrheitsgetreu darzustellen.

Worin unterscheidet sich „Moon Knight“ von anderen Marvel-Filmen?

Für mich ist „Moon Knight“ die erste ernsthafte Charakterstudie in einem Marvel-Film seit „Iron Man“. Als Robert Downey Jr. zum ersten Mal als Iron Man auftrat, hat er die Sprache, den Ton, die improvisierte Art des Spiels für diese Figur definiert. Das war ein Superheld, der sich wie ein echter Mensch anfühlte. Seit dem gab es viele neue Marvel-Filme, aber keine, die sich wieder auf diese intimere Art des Geschichtenerzählens berufen haben. „Moon Knight“ ist eine psychologische Horrorstory, die trotzdem ihre leichten Momente hat. Es ist eine emotionale Reise, die immer tiefer in die Seele der Figur eintaucht und dunkle Erfahrungen hervorbefördert.

Die leichten Momente sind hauptsächlich der Figur des schüchternen, etwas linkischen Steven Grant zu verdanken, den Sie mit einem schrägen britischen Akzent ausgestattet haben.

Die Geschichte ist in London angesiedelt. Das hat einen ganz praktischen Grund. Man hat einfach schon genug Comicverfilmungen in New York gesehen und wollte für „Moon Knight“ eine neue urbane Kulisse. Ich dachte, das sei eine gute Gelegenheit, der Figur ein anderes Profil zu geben und habe mit dem britischen Akzent herumprobiert. Ich habe das zu Hause meinen Kindern vorgespielt. Die fanden das sehr komisch und glücklicherweise war auch Produzent Kevin Feige damit einverstanden.

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Steckt in Oscar Isaac ein heimlicher Komiker?

Auf der Schauspielschule habe ich sehr viele komödiantische Rollen gespielt. Ich arbeite immer gern mit Gegensätzen, wenn ich versuche, die Spannung in einer Figur zu finden. Bei einem dramatischen Drehbuch suche ich nach dem Humor, der in der Rolle steckt. Aber der Humor von „Moon Knight“ ist ganz anders als der ironische und zynische Witz von „Iron Man“ oder „Deadpool“. Ich habe mich gefragt: Wie würde Peter Sellers die Rolle anlegen? Ich wollte eine komische Figur spielen, die sich ihrer Komik selbst nicht bewusst ist. Wir haben viel improvisiert und ich würde schätzen, dass etwa 80 Prozent von dem, was Steven sagt, aus dem Moment heraus entstanden ist. Das war ein schauspielerischer Muskel, den ich lange nicht mehr trainieren durfte.

Wo liegt für Sie der Unterschied, wenn Sie einen Marvel-Helden in „Moon Knight“ spielen oder einen Pokerspieler mit dunkler Kriegsvergangenheit wie in „Card Counter“, der gerade in die Kinos gekommen ist?

In „Moon Knight“ habe ich die Gelegenheit gesehen, eine komplexe Charakterstudie auf der größten Bühne zu spielen, die es derzeit gibt: ein Marvel-Film. „Card Counter“ hingegen ist ein kleiner Independent-Film von Paul Schrader, den wir für 3 Millionen Dollar in Mississippi gedreht haben. Auch wenn so ein Film nur ein kleines Publikum erreicht, gehe ich die Arbeit mit der gleichen Ernsthaftigkeit und Intensität an. Die Plattformen sind sehr verschieden, aber meine Arbeit ist im Grunde die gleiche.

Und als wer wollen Sie später einmal erinnert werden: als Mark Specter in „Moon Knight“, Poe Dameron in „Star Wars“ oder als Titelfigur in dem Coen-Brothers-Film „Inside Llewyn Davis“?

Ich will einfach nur, dass meine Kinder sich an mich als guten Vater erinnern.

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