Nolde Stiftung Seebüll

36 Meisterwerke der Sammlung Gerlinger für das Nolde Museum in Seebüll

Für drei große Gemälde von Emil Nolde, darunter dieses „Boot im Schilf“ (1909, Ausschnitt) ist jetzt in Seebüll eine bleibende Heimat gefunden worden. Hier sollen auch weitere Forschungsarbeiten zu Nolde und zur Geschichte der Brücke möglich werden.

Für drei große Gemälde von Emil Nolde, darunter dieses „Boot im Schilf“ (1909, Ausschnitt) ist jetzt in Seebüll eine bleibende Heimat gefunden worden. Hier sollen auch weitere Forschungsarbeiten zu Nolde und zur Geschichte der Brücke möglich werden.

Neukirchen. Der bekannte Brücke-Kenner Professor Hermann Gerlinger hat dem Museum alle in seiner Sammlung „Die Maler der Brücke“ vorhandenen Werke von Emil Nolde sowie ein Aquarell-Selbstportrait von Karl Schmidt-Rottluff überlassen, neben den in der Sammlung enthaltenen Briefen Noldes an Schmidt-Rottluff. Zu den 36 Werken gehört auch eines der frühen Hauptwerke Noldes, „Philister“, ein Ölgemälde von 1915.

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Für Professor Gerlinger schließe sich damit ein Kreis. Brücke-Mitbegründer Karl Schmidt-Rottluff hatte sich über viele Jahrzehnte eine enge Freundschaft mit Emil Nolde bewahrt und ihm 1906 auch ein wichtiges Selbstbildnis geschenkt, das sich bis heute im Bestand der Nolde Stiftung Seebüll befindet. Schmidt-Rottluff war ein sehr zurückhaltender Künstler, der nicht leicht Vertrauen fasste. Er hatte aber verstanden, dass Hermann Gerlinger in der Lage war, die außergewöhnliche Geschichte der Künstlergruppe Brücke zu erzählen. So hatte sich über viele Jahre ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Schmidt-Rottluff und Gerlinger entwickelt.

Hermann Gerlinger überführt über dreißig Gemälde Noldes in die Nolde Stiftung Seebüll

In diesem Zusammenhang hatte der Künstler dem Sammler von seiner Freundschaft zu Nolde berichtet. Aufgrund der lebenslangen Verbundenheit der beiden Künstler hat Hermann Gerlinger der Nolde Stiftung ergänzend zu dem frühen Selbstbildnis ein Aquarell-Selbstportrait des 84-jährigen Schmidt-Rottluff geschenkt.

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Hermann Gerlinger war ein Sammler mit Leib und Seele. Er hat über 70 Jahre mit einem besonderen Blick für Qualität und kunsthistorische Bedeutung mehr als 1.000 Kunstwerke und Sammlerstücke der Brücke-Künstler als eine der bedeutendsten Kunstsammlungen des deutschen Expressionismus zusammengetragen. Arbeiten von Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl, die die Brücke 1905 in Dresden gegründet hatten, stehen im Mittelpunkt. Wie selbstverständlich kamen Werke von Max Pechstein und Emil Nolde, die nur zeitweise der Brücke angehörten, dazu.

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Hermann Gerlinger selbst wollte zunächst nur „mit den Werken der Brücke leben“. Später wuchs er immer mehr in die Rolle eines Kenners und Experten für Deutschlands wichtigste Künstlergruppe und in die eines Vertrauten von Karl Schmidt-Rottluff hinein. 1976, nach dem Tod des letzten lebenden Brücke-Künstlers, sah Hermann Gerlinger sein Engagement für Publikationen und Ausstellungen der Werke der Maler der Brücke auch als Dank für das ihm geschenkte Vertrauen und die ihm erwiesene Freundschaft.

Der 84-jährige Sammler und Stifter Hermann Gerlinger (li.) und Stiftungsdirektor Dr. Christian Ring.

Der 84-jährige Sammler und Stifter Hermann Gerlinger (li.) und Stiftungsdirektor Dr. Christian Ring.

Das wurde zum Antrieb für Hermann Gerlingers Lebenswerk, nämlich eine möglichst systematische und geschlossene Darstellung der Geschichte und Bedeutung der Künstlergruppe, des Lebens und besonders auch des Zusammenhalts der Brücke-Künstler zu realisieren.

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„Die Maler der Brücke“: Sammlung Hermann Gerlinger enthielt auch etliche Nolde-Werke

Einen großen Erfolg erzielte Hermann Gerlinger mit dem gemeinsam mit Professor Dr. Heinz Spielmann herausgegebenen Sammlungskatalog „Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger“ (1995), der in Fachkreisen und beim Publikum großen Anklang fand. Auch mit Publikationen wie Brücke-Almanachen und Ausstellungsberichten hat Professor Gerlinger die große Vielfalt spannender Erkenntnisse seiner Sammlung sowohl für die kunstgeschichtliche Forschung wie auch für den Kunsthandel festgehalten.

Über Jahrzehnte hat Hermann Gerlinger eine Zukunft für sein Lebenswerk in einem großen deutschen Museum gesucht. Es sollten der Zusammenhalt der Künstler demonstriert, die Forschung weiterentwickelt und Lücken im Wissen um die Künstlervereinigung geschlossen werden. „Während dieser Suche war meine Sammlung fast drei Jahrzehnte in drei renommierten Museen zu sehen. Es war die Krönung meiner Sammlerarbeit,“ erklärt Hermann Gerlinger.

„Ich habe mir viel Zeit genommen für die Prüfung und musste am Ende feststellen, dass ich meine Vision der Fortsetzung meiner Arbeit für meine Gesamtsammlung zu meinen Lebzeiten nicht mehr realisieren kann“, sagt Hermann Gerlinger. „Teile der Sammlung wären bei einer Komplettweitergabe im Archiv oder Depot gelandet. Ich sage das ohne Bitterkeit. Es ist die Realität der Museen heute. Ich habe das längst akzeptiert.“

Drei große Gemälde für Nolde Stiftung Seebüll – etwa „Philister“ und „Boot im Schilf“

Für drei große Gemälde von Emil Nolde, darunter die bedeutenden „Philister“ (1915) sowie „Boot im Schilf“ (1909), zwei Aquarelle, sieben Bergpostkarten und 23 Graphiken, u.a. die seltene Mappe der „Märchenholzschnitte“ (1906), die großformatige Lithographie „Die heiligen drei Könige“ (1913) in einer seltenen Farbfassung sowie der Holzschnitt „Prophet“ (1912), eine Inkunabel der Druckgraphik des Expressionismus, ist jetzt in Seebüll eine bleibende Heimat gefunden worden. Hier sollen auch weitere Forschungsarbeiten zu Nolde und zur Geschichte der Brücke möglich werden.

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Das bedeutende Gemälde „Philister“ von 1915.

Das bedeutende Gemälde „Philister“ von 1915.

„Ich übergebe die Nolde-Werke dem Museum in Seebüll ausdrücklich als Zeichen meiner großen Dankbarkeit für das Vertrauen, das der Nolde-Freund Karl Schmidt-Rottluff in mich gesetzt hat. Ich bin überzeugt, er wäre mit meiner Entscheidung sehr einverstanden“, erläutert Hermann Gerlinger.

Dank der Nolde Stiftung Seebül

Dr. Hans-Joachim Throl, Vorsitzender des Kuratoriums der Nolde Stiftung Seebüll, dankte Professor Hermann Gerlinger: „Es ist die bedeutendste Schenkung, die der Nolde Stiftung Seebüll in ihrer 66-jährigen Geschichte zuteilwurde. Das Kuratorium unserer Stiftung hat diese Schenkung in großer Dankbarkeit angenommen und den unwiderruflichen Beschluss gefasst, die Arbeiten dem von Emil Nolde hinterlassenen unveräußerlichen Bestand seiner Werke hinzuzufügen, die sich im Stiftungsvermögen der Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde befinden. Die wunderbaren Werke verbleiben somit immer im Eigentum unserer Stiftung und werden untrennbar verbunden sein mit der Erinnerung an Professor Hermann Gerlinger.“

Gerlinger-Schenkung erstmals in der Nolde-Jahresausstellung ab März 2023 in Seebüll zu sehen

Der Direktor der Nolde Stiftung Seebüll, Dr. Christian Ring, freut sich: „Hermann Gerlinger ist ein Freund und Partner der deutschen Museen. Er hat mit hoher Kennerschaft unseren Blick auf die Brücke vertieft und geschärft und sich mit seiner Forschung zur Brücke und über Jahrzehnte erarbeiteten Ausstellungen große und bleibende Verdienste erworben. Dass Hermann Gerlinger dies mit seiner großzügigen Spende im Millionenwert an unser Museum unterstreicht, ist für uns eine große Ehre und Verpflichtung. Ich danke ihm und seiner Frau Hertha Gerlinger von ganzem Herzen. Diese Schenkung ist auch ein Zeichen des Vertrauens und der Wertschätzung unserer Arbeit. Dies erfüllt uns mit Stolz und größter Dankbarkeit. Die Werke werden ab dem 1. März 2023 im Rahmen der 67. Jahresausstellung ‚Zurück Zuhause. Emil Nolde – Welt und Heimat‘ ausgestellt und mit einer Publikation gewürdigt.“

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„Die Künstler der Brücke - Sammlung Hermann Gerlinger“ kommt mit rund 100 Werken in der Herbstauktion im Dezember bei Ketterer Kunst zum Aufruf. Der Erlös geht an drei gemeinnützige Einrichtungen: die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, den BUND Naturschutz und die Stiftung Juliusspital in Würzburg.

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