Ausstellung in Büdelsdorf

Vorbereitungen für die NordArt laufen auf Hochtouren

NordArt-Chefkurator Wolfgang Gramm neben bronzenen Skulpturen, originalgetreu gefertigt von den russischen Künstlern Alexander Taratynov und Mikhail Dronov nach dem Figuren-Programm auf Rembrandts Gemälde „Die Nachtwache“.

NordArt-Chefkurator Wolfgang Gramm neben bronzenen Skulpturen, originalgetreu gefertigt von den russischen Künstlern Alexander Taratynov und Mikhail Dronov nach dem Figuren-Programm auf Rembrandts Gemälde „Die Nachtwache“.

Büdelsdorf. Ein Künstler aus Usbekistan hat sich gemeldet. Möchte auf der diesjährigen NordArt Bilder zeigen, die im Moment noch in einer Ausstellung in Moskau hängen. Festhängen, unter den derzeitigen Umständen. „Wir müssen schauen, ob er die rechtzeitig rausbekommt“, sagt NordArt-Co-Kuratorin Inga Aru und fügt halb scherzend hinzu: „Sonst muss er neue malen.“ Ihr Ehemann, Chef-Kurator Wolfgang Gramm, zieht an seiner Zigarette und ergänzt nüchtern: „Wir haben immer einen Plan B.“

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Der Terminplan für die NordArt, eine der größten jährlichen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa, werde immer so gelegt, dass sie „mit den meisten Ländern schon im Februar fertig“ seien, erzählt Inga Aru. In den Staaten sitzen Kuratoren, die ihnen dabei helfen, fertigzuwerden. 200 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt präsentieren ihre Arbeiten vom 4. Juni bis 9. Oktober auf der NordArt.

Kisten über Kisten: Wenn gerade keine NordArt ist und die 22 000 Quadratmeter großen ehemalige Eisengießerei der Carlshütte als Ausstellungsort genutzt wird, dient sie Inga Aru und Wolfgang Gramm als Lagerhalle.

Kisten über Kisten: Wenn gerade keine NordArt ist und die 22 000 Quadratmeter großen ehemalige Eisengießerei der Carlshütte als Ausstellungsort genutzt wird, dient sie Inga Aru und Wolfgang Gramm als Lagerhalle.

Zentralasien sei diesmal stark vertreten, so Gramm. Unter dem Titel „Zwischenräume“ zeige ein Sonderprojekt in der ACO-Wagenremise zeitgenössische Arbeiten von 18 Künstlerinnen und Künstlern aus der Mongolei. „Die Sachen kommen aus Ulan Bator“, sagt der Chefkurator – und mit Blick aufs benachbarte Russland: „Wir überlegen noch, ob auf dem Landweg oder per Flug.“

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Ein weiterer Schwerpunkt 2022 ist China, seit 50 Jahren bestehen diplomatische Beziehungen mit Deutschland. „Wir bekommen wieder interessante Exponate“, verspricht Gramm – von 13 auf der NordArt noch unbekannten Künstlern. Darunter ein sechs Meter hoher Pinocchio aus Bronze, umstellt von 36 lebensgroßen Menschenskulpturen. Obwohl der Park der Carlshütte mit seinen 80 000 Quadratmetern groß sei, müsse man sehen, wo sich dafür Platz finde. Ein chinesischer Künstler wolle eine Installation mit 200 bis 1000 Drohnen zeigen, berichtet Inga Aru, „ich bin gespannt, ob das was wird. Auch wegen der behördlichen Genehmigungen.“

Zwölf Meter hohe Stahlskulptur: „Creature“

Prominent reckt sich auf dem Parkgelände bereits eine zwölf Meter hohe Skulptur aus Stahl in die Höhe. Sie trägt den Titel „Creature“, geschaffen vom tschechischen Künstler Jan Dostál. Das recht martialisch anmutende Gebilde erinnert entfernt an die Autobots „Transformers“. Sie könne sich gut vorstellen, dass Dostál auch an die gedacht habe, mutmaßt Inga Aru beim Blick auf das imposante, kantige Objekt.

Im großen Park des Kunstwerks Carlshütte reckt sich die Stahlskulptur „Creature“ des tschechischen Künstler Jan Dostál in den Himmel.

Im großen Park des Kunstwerks Carlshütte reckt sich die Stahlskulptur „Creature“ des tschechischen Künstler Jan Dostál in den Himmel.

Der Länderfokus der diesjährigen NordArt liegt auf Polen. 26 der erfolgreichsten polnischen Künstler im In- und Ausland werden im Länderpavillon unter dem Motto „Bez Granic“ („Ohne Grenzen“) ausstellen. „Vergangenes Jahr hatten wir die Ukraine, da bot sich Polen jetzt an“, sagt Gramm. „Der Krieg in der Ukraine bewegt uns sehr stark, die Freundschaften mit den Künstlern von dort sind noch sehr frisch.“ Ob russische Künstler – außer jenen, die in anderen Ländern leben – diesmal auch leibhaftig bei der NordArt vertreten sind, sei noch fraglich.

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Rund 3000 Künstlerinnen und Künstler bewerben sich jährlich für die NordArt. Für Inga Aru, Wolfgang Gramm und etliche hilfreiche Kenner in den jeweiligen Ländern besteht die Kunst als Fachjury darin, die richtigen auszuwählen. „Man kennt ja nur einen Teil der Künstler“, erklärt Inga Aru, „die Themen entwickeln sich dann ganz von allein, man sieht verbindende Eckpunkte.“ Bereits jetzt überlegten sie, welcher nächstes Jahr der Länderschwerpunkt sein könne.

NordArt 2022: Länderfokus Polen

Mehr als 200 Künstler aus allen Teilen der Welt präsentiert die NordArt vom 4. Juni bis 9. Oktober 2022 in einer jurierten Auswahl. Der diesjährige Länderfokus einer der größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa richtet sich auf Polen – das Motto lautet: „Bez Granic“ („Ohne Grenzen“).

Der polnische Pavillon steht unter der Schirmherrschaft von Paweł Jaworski, Generalkonsul der Republik Polen in Hamburg. Kurator ist Prof. Jan Wiktor Sienkiewicz. Erstmals in der Geschichte der polnischen zeitgenössischen Kunst verbindet die Ausstellung renommierte polnische Künstlerinnen und Künstler weltweit – der älteren wie der jüngeren Generation.

Unter dem Titel „So Fern – So Nah“ werden auf der NordArt 2022 Werke renommierter chinesischer Künstlerinnen und Künstler gezeigt, anlässlich des 50-jährigen Bestehens der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und China. Ein Sonderprojekt Mongolei mit dem Titel „Zwischenräume“ ist als Sonderausstellung in der ACO Wagenremise zu sehen.

In der 22 000 Quadratmeter großen ehemaligen Eisengießerei der Carlshütte stehen bereits lebensgroß alle 23 Figuren bereit, die auf Rembrandts berühmtem Gemälde „Die Nachtwache“ versammelt sind. „Nightwatch (after Rembrandt)“ haben die russischen Künstler Alexander Taratynov und Mikhail Dronov ihr 2006 entstandenes Bronzen-Ensemble getauft.

Ein paar Meter entfernt in der riesigen Halle schweißt ein Handwerker an der Bodenplatte einer stählernen Skulptur des Peruaners Percy Zorilla – „Ohne Titel“ von 2002 sieht wie knallrote, scharf gefaltete Tücher aus. Sie wird flottgemacht für die Ausstellung im Park, auch Inga Arus Stahlskulptur „Muse of Industry“ (2016) und eine große, 2018 auf dem NordArt-Symposium entstandene Holzskulptur des Schweizer Bildhauers Urs-Peter Twellmann liegen für einen weiteren Außeneinsatz bereit. „Etwa 100 Skulpturen werden draußen zu sehen sein“, sagt Inga Aru, „etwa ein Viertel ist neu. In der Halle ist alles neu.“

„Die NordArt ist bewusst unpolitisch“, konstatiert Wolfgang Gramm, „wir wollen einfach Kunst zeigen, keine Propaganda.“ Kunst suche Antworten auf alles, was den Menschen bewege und berühre, und die Menschen fänden Antworten in der Kunst.

NordArt 2022 (4. Juni – 9. Oktober), Öffnungszeiten: Di–So 11–19 Uhr, montags geschlossen; Vorwerksallee, 24782 Büdelsdorf, Kontakt: Tel. und info@kunstwerk-carlshuette.de, www.nordart.de

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