Theater in der Energiekrise

Wie die Theater in Kiel und im Land mit dem Energieproblem umgehen

Im Opernhaus in Kiel ist die Bühnenbeleuchtung bereits weitgehend auf LED umgerüstet; auch die „Milchstraße“ überm Foyer leuchtet mit neuer Technik.

Im Opernhaus in Kiel ist die Bühnenbeleuchtung bereits weitgehend auf LED umgerüstet; auch die „Milchstraße“ überm Foyer leuchtet mit neuer Technik.

Kiel. Eigentlich hatte man nach zwei Jahren Pandemie gerade Licht am Ende des Tunnels gesehen. Jetzt aber sollen die Kultureinrichtungen in Kiel Notfallpläne für die Energiekrise erstellen und signifikant Strom und Gas sparen. So erfordert es die Lage, fordert es dazu die Politik. Und bei einer Diskussion des Landeskulturverbands im Nordkolleg Rendsburg malte kürzlich Staatssekretär Guido Wendt die Lage noch etwas bedrohlicher: Ein hundertprozentiger Ersatz für Gas sei bestenfalls 2024 in Sicht – bis dahin müsste auch in den Kultureinrichtungen ein Plan B für das Worst-Case-Szenario vorliegen.

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Gespart aber wird an Theatern und Museen nicht erst seit gestern und seit den extrem gestiegenen Energiekosten. Ganz im Sinne der Klimaverträglichkeit ist die Suche nach Wegen zum nachhaltigen Wirtschaften schon seit einigen Jahren in Gang. So rüstet das Theater Kiel schon seit Längerem bei den Bühnenscheinwerfern von Halogen auf LED um. „Damit sparen wir jährlich 70 000 Kilowattstunden und 58 Tonnen Kohlendioxid ein“, berichtet Geschäftsführer Roland Schneider nicht ohne Stolz. Sukzessive soll das in allen Spielstätten so sein – „aber es ist auch eine komplexe Angelegenheit und der Umbau ist nur in der Spielzeitpause möglich“.

Die Theater des Landes setzen schon länger auf Energieeinsparung

Auch am Landestheater ist man schon länger dabei, auf LED umzustellen – was aber auch seine Schattenseiten hat: In Flensburg etwa, wo es im schlecht isolierten Bühnenturm besonders zieht, frieren die Mitarbeiter ohne die Wärme der herkömmlichen Halogenleuchten. So berichtet Intendantin Ute Lemm. „Auch im Ballettsaal, so sich die Tänzer körperlich enorm verausgaben, können wir die Temperatur nicht einfach runterregulieren.“

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Auch im Stadttheater Rendsburg wird mittlerweile per LED beleuchtet.

Auch im Stadttheater Rendsburg wird mittlerweile per LED beleuchtet.

Überhaupt: die Wärme. An Heizung und Licht im Foyer und im Auditorium extrem zu sparen kommt für das Theater Kiel und das Landestheater ebenso wenig infrage wie für kleine Privattheater wie die Komödianten oder das Combinale in Lübeck. Aber: Die für öffentliche Gebäude vorgesehenen 19 Grad Raumtemperatur gelten auch für die staatlichen Kultureinrichtungen.

Im Theater Die Komödianten will man erst einmal Ruhe bewahren: „Auf der Bühne und im Zuschauerraum wird es so warm bleiben, wie es Schauspieler und Publikum brauchen“, sagt Petra Bolek-Dentler und Direktor Markus Dentler fasst es so zusammen: „Erstmal denke ich: Augen zu und durch.“

Am Theater Kiel plädieren GMD Reiners und Intendant Karasek für volle Häuser

Schon deshalb plädieren GMD Benjamin Reiners und Daniel Karasek nicht nur scherzhaft für volle Häuser: „Die sind auch wärmer.“ Und auch in der Diskussion fordern etliche, den Begriff vom Wärmeort nicht zu geringzuschätzen. „Natürlich machen wir uns Sorgen um die explodierenden Kosten“, so Roland Schneider, „aber vorläufig können wir das über die bisherigen Einsparungen noch auffangen.“

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Landestheaterintendantin Ute Lemm ist zunächst für Pragmatismus. „Wir schauen genau hin, wo wir mit Sinn und Verstand Energie einsparen können“, sagt sie. Darüber hinaus kann sie sich unterschiedliche Mittel zur Energieeinsparung vorstellen, die Kosten reduzieren, ohne die Arbeitssicherheit zu gefährden. Einen Schließtag pro Woche hält sie ebenso für denkbar wie die Option, einzelne Räume doppelt zu nutzen.

Eine große Herausforderung sieht die Intendantin in der Bausubstanz der verschiedenen Landestheater-Spielorte: „Die müssten vielerorts dringend energetisch ertüchtigt werden“, sagt sie. Dass das aber schnell geht, sieht sie nicht: „Die Gebäude, die wir bespielen, gehören den Städten – die müssten die energiekonforme Sanierung umsetzen. Aber das ist ein langer, schwieriger Weg.“ Auch, weil vor Ort die Fachleute fehlen.

Deutscher Kulturrat warnt vor Katastrophenwinter

Der Deutsche Kulturrat pocht derweil darauf, Kultureinrichtungen auch bei einer möglichen Gasversorgungskrise im Winter offenzuhalten. „Wir brauchen Sicherheit, dass die Kultureinrichtungen nicht wieder geschlossen werden“, so Geschäftsführer Olaf Zimmermann. „Und ohne massive öffentliche Unterstützung werden viele Kulturakteure den dritten Katastrophenwinter in Folge nicht durchstehen.“

Das sieht im Kulturministerium auch Guido Wendt so und verweist auf den Härtefallfonds, für den der Bund gerade über eine Milliarde Euro avisiert hat. Den Landeskulturratsvorsitzenden und Nordkolleg-Leiter Guido Froese beruhigt das wenig. Er fragt sich, wie er eine Verzehnfachung der Energiekosten für das Nordkolleg auffangen soll.

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