Oper Kiel

Rossini: Buffa-Komik auf Vollfettstufe

Foto: Tomohiro Takada als Figaro hier, Figaro da - alles vom Komponisten selber erträumte Doppelgänger Gioacchino Rossinis.

Tomohiro Takada als Figaro hier, Figaro da - alles vom Komponisten selber erträumte Doppelgänger Gioacchino Rossinis.

Kiel. Ursprünglich für Schüler in Brasilien entwickelt, dann in Verona und Lübeck vielgefeiert, zündet die fette Knallbonbon-Fassung von Rossinis komischen Hauptwerkes, des Barbiere di Siviglia, jetzt auch am Theater Kiel. Comic-Strip, Personenregie und pralle Ausstattungsschlacht von Pier Francesco Maestrini und Joshua Held durchdringen sich hier spektakulär.

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Tenorissimo Anton Rositskiy

Da Kiel im Sängerensemble auch noch Luft für einen Tenorissimo vom Schlage „Pavarotto“ hat, bringt der Russe Anton Rositskiy das Werk "Der Barbier von Sevilla" ins Gleichgewicht: Weil er die aus Furcht vor hypervirtuosen Kapriolen gerne gestrichene Finalarie glanzvoll hellflammend sticheln lässt, wird sein Graf Almaviva zum eigentlichen Sieger unter Rossinis erträumten alter-ego-Varianten.

Starkes Sängerensemble

Nicht mal der so gewiefte und mit opulent virilem Bariton protzende Figaro (Tomohiro Takada) kann da gleich ziehen. Schon gar nicht der plumpe Drache Bartolo, der sich aus Geldgier oder Geilheit auf keinen Fall seine junge Zukünftige abjagen lassen möchte. Dabei stattet Jörg Sabrowski diesen Gevatter ganz köstlich mit Spielbass-Gedröhne und Parlando-Spritzigkeit aus.

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Besonderer Orchesterklang

Daniel Carlberg lässt die klein und historisch orientiert besetzten Philharmoniker dazu wunderbar wunderlich im Graben rumoren.

Die Achillesverse der Inszenierung ist weniger die Gefahr ungebremsten Klamauks. Der ist zwar penetrant vorhanden, wird aber durch pfiffig platzierte, kommentierende Gewitztheiten in den Joshua-Held-Comics vielsagend ergänzt oder sogar karikiert. Aber die Darsteller müssen hier in ihren aufgepumpten Kugelkostümen alle Gesten stark vergröbern.

Untertöne der Matrone Rosina

Und das macht zum Beispiel aus Rosina eine fette, gelangweilte Matrone, statt eine Speerspitze der Emanzipation. Dabei ist die Mezzosopranistin Tatia Jibladze auf bestem Wege, alle Untertöne in ihrer Belcanto-Partie wachzurufen – vom Schnurren bis zum Schlangenzüngeln.

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Holzhammer-Komik polarisiert

Ob man an alledem pures Vergnügen hat oder doch von der Holzhammer-Komik abgeschreckt wird, lässt sich schwer voraussagen.

www.theater-kiel.de

Von Christian Strehk

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