Baltic Soul Weekender

Starker Auftakt, auch ohne Leroy Hutson

Foto: Charismatisch: Soul-Sängerin Joy Denalane wird live immer besser.

Charismatisch: Soul-Sängerin Joy Denalane wird live immer besser.

Wangels. Aber auch beim Weekender drehe sich ja alles um die große Soul-Familie, „one love, one soul“, wirbt der durchgängig auf Englisch moderierende „master of ceremony“ Daniel Dodd-Ellis beim Publikum um Verständnis. Und weil die Songs nun schon mal intensiv geprobt sind, machen sie einfach das Beste draus, feiern im Ferienpark Weissenhäuser Strand Hutsons edle Soul-Perlen erstaunlich textsicher mit verteilten Rollen, im Rücken das fantastische, 13-köpfige Baltic Soul Orchestra. Mal übernimmt Dodd-Ellis die Lead-Vocals, glänzt etwa beim Song „Lover‘s Holiday“ mit lupenreinem Falsett, das fast Philip Bailey von Earth, Wind & Fire Konkurrenz macht, mal singt Darrin Byrd vom dreiköpfigen Background-Chor (zusammen mit Dodd-Ellis und unterstützt vom Publikum auch den Klassiker „The Ghetto“), mal springt der superbe junge Londoner Sänger Laville als „Special Guest“ ein.

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Sägerin scheint zu leuchten

Joy Denalane, Deutschlands ungekrönte Soul-Queen, steigt mit dem schwelgerischen „Alles leuchtet“ von ihrem aktuellen Album „Gleisdreieck“ in ihr Set ein, und die Sängerin selbst scheint zu leuchten, sie strahlt, gelöst und heiter, tanzt. Sie wird live immer besser, immer charismatischer. Das Orchester ist auch hier eine Bank, erdet den in der Studioversion etwas artifiziellen Song tief im Soul. „Im Ghetto von Soweto (Auntie’s House)“ ist eines der stärksten Stücke der Sängerin, das sie schon früher umarrangiert hat. Diesmal als satt groovenden Jazz-Funk im Midtempo - groß! Bluesiger als im Original wirkt der intensive Trennungs-Song „Geh jetzt“. Drei Songs reicht Joy Denalane in der Zugabe nach, „Elli Lou“, „Was immer du willst“ und „Himmel berühren“.

Als Joy Denalane ein zartes Jahr alt war, nahm Gloria Scott 1974 ihr Debütalbum „What Am I Gonna Do“ auf, produziert von Schlafzimmer-Soul-Spezialist Barry White und heute ein Nugget unter Kennern. Mit dem Titelsong des Albums startet die 72-jährige US-Sängerin in ihr Konzert, und der „Lifetime Resident Artist“ des Baltic Soul Weekenders seit der zweiten Ausgabe 2008 wirkt so frisch wie damals. Stimmlich ohne Substanzverlust, wirft sie sich in die Songs, und auch neuere wie das funkige „Just As Long As We‘re Together“ zünden. „I Love that sound!“, lobt sie das Orchester und bittet um einen Sonderapplaus - nicht zum letzten Mal.

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Hier finden Sie eine Bilderstrecke vom Sonnabend.

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