Späte Genugtuung für Architekten

Sydneys Wahrzeichen wird 50 – doch das Opernhaus war lange umstritten

Das Opernhaus ist längst zum Wahrzeichen von Sydney geworden.

Das Opernhaus ist längst zum Wahrzeichen von Sydney geworden.

Sydney. „Das Opernhaus existiert, weil ein paar mutige Menschen es gewagt haben, anders zu denken“, heißt es heute vonseiten der Kreativköpfe, die hinter der Oper Sydneys stehen. „Sie machten das Unmögliche möglich und inspirierten eine Nation.“

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Heute ist die Oper eines der berühmtesten und meist fotografierten Bauwerke der Neuzeit. In diesem Jahr wird das Wahrzeichen Sydneys nun 50 Jahre alt. Dafür hat das Opernhaus ein spezielles Programm mit 200 unterschiedlichen Angeboten zusammengestellt, die noch bis Oktober die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Weltkulturerbes feiern sollen. 2003 hat ihr Architekt, der Däne Jorn Utzon, den wichtigsten Architekturpreis, den Pritzker-Preis, dafür gewonnen.

Architekt sah die Oper nie vollendet

Doch seine Ideen – inspiriert von der monumentalen Maya- und Aztekenarchitektur – kamen nicht von Anfang an gut an. 1966 – inmitten der Bauarbeiten – hatte der junge Architekt vor den Trümmern seiner Karriere gestanden. Die Oper war halb vollendet, als er Australien verließ oder besser gesagt verlassen musste. Verschwendung und zu viele Verzögerungen hatte ihm die damalige australische Regierung vorgeworfen und seine Kündigung nur liebend gerne angenommen.

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Der Architekt Jorn Utzon.

Der Architekt Jorn Utzon.

Doch schon damals löste Utzons Rückzug einen internationalen Aufschrei aus: Es gab Protestbriefe von bedeutenden Künstlern, Designern und Intellektuellen aus der ganzen Welt. Am 3. März marschierten 1000 Menschen zum Regionalparlament in Sydney, angeführt von dem österreichisch-australischen Architekten Harry Seidler und dem britisch-australischen Autor Patrick White.

„Gruppe französischer Nonnen beim Fußballspiel“

Utzon, dessen Entwurf den internationalen Designwettbewerb zehn Jahre zuvor aus insgesamt 233 Einsendungen gewonnen hatte, hat die Oper letztendlich nie in vollendetem Zustand gesehen. Am 20. Oktober 1973, als die damalige britische Königin Elizabeth II. in ihrer Rolle als Staatsoberhaupt Australiens die Oper offiziell eröffnete, stand er nicht mit auf der Gästeliste. Kritiker hatten den Bau einst als „Gruppe französischer Nonnen beim Fußballspiel“ bezeichnet. Dass das Gebäude später Weltkulturerbe und eines der berühmtesten Bauwerke der Welt werden würde, konnten sich damals viele nicht vorstellen.

Das im Bau befindliche Opernhaus.

Das im Bau befindliche Opernhaus.

Die Kontroverse wurde sicherlich auch davon angefeuert, dass das Gebäude von der Konzeption bis zur Fertigstellung die Grenzen von Technik, Konstruktion und Design testete. Doch genau das mache das Opernhaus bis heute „unübertroffen“, wie der deutsch-australische Architekt Chris Bosse sagt, der unter anderem häufig auch in Sydney tätig ist. „Es gibt spektakulärere oder teurere Gebäude, aber es gibt kein öffentliches Gebäude mit so einer starken Ausdruckskraft, skulpturalen Präsenz und urbanen Qualität.“

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Späte Genugtuung

Letzteres erkannten auch die Australier irgendwann und versöhnten sich wieder mit Utzon – allerdings erst Jahrzehnte später – um die Jahrtausendwende. Die Versöhnungsgeste war Australien letztendlich rund 70 Millionen australische Dollar, umgerechnet fast 45 Millionen Euro, wert. Sie erlaubte dem Dänen, die Oper gemäß seinen Designprinzipien umzugestalten, zu verbessern und aufzupolieren. Utzon konnte vollenden, was er einst begonnen hatte, auch wenn er – inzwischen aus Gesundheitsgründen, Utzon verstarb 2008 – nicht mehr nach Australien kommen konnte. Doch er arbeitete wieder an ihr – er habe dieses Gebäude „wie eine Symphonie“ in seinem Kopf, sagte er damals in einem Interview.

Federführend wurde schließlich sein Sohn Jan, der zusammen mit dem australischen Architekten Richard Johnson die Wünsche des Vaters zur Vollendung brachte: Der Operngraben wurde umgebaut, das Auditorium verändert, die Akustik verbessert, der Zugang durch Rolltreppen erleichtert und das westliche Areal geöffnet. So sollte die Symmetrie des Gebäudes besser zur Geltung kommen und auch das Wasser, das im Inneren des Gebäudes bis dahin keine Rolle spielte, während es das Gebäude von außen mitbestimmte. Für den Vater war es so etwas wie eine nachträgliche Bestätigung, für den Sohn ein Auftrag, wie er ihn sich nur wünschen konnte.

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