Premiere in der Wik

Theaterreise zum Matrosenaufstand

Foto: Foto: Die Geschichte in dem Matrosenaufstandsstück „Neunzehnachtzehn“ in der Inszenierung von Michael Uhl am Kieler Schauspiel.

Die Geschichte in dem Matrosenaufstandsstück „Neunzehnachtzehn“ in der Inszenierung von Michael Uhl am Kieler Schauspiel.

Kiel. Erstmal stapft man einer Truppe aufgewühlter und zunehmend revolutionär bewegter Matrosen hinterher, die ihrem Unmut Luft machen über die miese Behandlung der Marine-Obrigkeit, aber auch keinen Zweifel hegen an der Notwendigkeit einer deutschen Kriegsflotte. Später sitzt man mit ihnen in der Legienstraße im Gewerkschaftshaus  und sieht die Wellen der Diskussion hoch schlagen. Revolutionärer Furor gegen Mäßigung. Derweil sind die anderen in der Oberfinanzdirektion bei der Lagebesprechung der Admiralität dabei.

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Die Schauspieler sind Akteure und Animateure zugleich

Quer durch die Stadt geht es in drei Gruppen (Arbeiter, Matrosen, Offiziere) und Bussen zu den Schauplätzen des Matrosenaufstands. Befeuert von den Schauspielern, die erstmal neben Akteuren auch Animateure sind. Sie treiben ihre Leute voran, füttern sie mit Parolen, Verhaltensmaßregeln und Schnipseln aus Tagebüchern, Zeitungen und Briefen wie von dem 1917 hingerichteten Max Reichpietsch. Und dieser Prolog, den Michael Uhl dem Stück vorgeschaltet hat, durchkreuzt geschickt den Re-Enactment-Verdacht.

Da werden Hunger und wachsende Kriegsmüdigkeit spürbar, entsteht ein Gefühl für die kurz vor Kriegsende brenzlige Lage, für die noch keineswegs ausgemachte Demokratie.

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Streit der politischen Prinzipien

Die „Reise durch das revolutionäre Kiel“, wie das Stück im Untertitel heißt, führt schließlich in die Marineschule und das zugrunde liegende Stück und spitzt den Konflikt der Prinzipien zu. In dem jungen Fritz (Rudi Hindenburg) und dem aus Berlin gesandten SPD-Politikers Gustav Noske stehen die Prinzipien Revolution und Demokratie gegeneinander – und Zacharias Preen bringt den Taktiker Noske in seiner ganzen Ambivalenz rüber. Das Publikum ließ sich mitnehmen auf die Reise und dankte mit lang anhaltendem Applaus.

Weitere Vorstellungen: 18., 19. Dezember, 22., 29. Januar. Kartentel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

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