Kieler Woche 2019

Tim Fischer: bissige und heitere Lieder

Foto: Chansonnier Tim Fischer bot auf der Bühne der Freilichtbühne Krusenkoppel mehr als zwei Stunden Programm.

Chansonnier Tim Fischer bot auf der Bühne der Freilichtbühne Krusenkoppel mehr als zwei Stunden Programm.

Kiel. Ganz am Ende des Programms bricht der sonst so theatralisch auftretende Chansonnier aus seiner Rolle: Auf den Tag genau vor 20 Jahren sei er das erste Mal bei der Kieler Woche aufgetreten - und er finde es wunderbar: "Ich liebe Euch, Ihr seid das tollste Publikum!" Tim Fischer mag sein Kieler Publikum und die dankten es ihm nach mehr als zwei Stunden mit stehenden Ovationen.

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Der erste Eindruck

Der Abend beginnt sommerlich leicht auf der gut besuchten Krusenkoppel und mit einem "Furz", der ins Parlament zieht (Georg Kreisler). Doch dann schon kippt die Tonalität des Abends: Tim Fischer, schwarzer Anzug, blass geschminkt, sieht von Weitem aus wie ein singender Mephisto, der sein Publikum umgarnt - zugleich aber auch immer wieder fordert.

Das Programm

Sprachlich virtuos kreisen die Lieder, die Tim Fischer vorträgt - mal singt, mal spricht - in einem Universum von Georg Kreisler und Friedrich Holländer, Bert Brecht und Rainer Werner Fassbinder. Bissig-sarkastische und derbe Balladen von Dirnen und todgeweihten Mädchen, um gleich danach mit zappendusterem Humor mit Wiener Schmäh und Berliner Schnauze aus dem so überdeutlich artikulierten Sprechgesang auszubrechen.

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Schöne, traurige Lieder und vertonte Gedichte trägt Fischer vor, politische wie Holländers "Spötterdämmerung" und, gleich danach, Ilse Webers "Ein Koffer spricht" über das Konzentrationslager Theresienstadt. Fischer regt mit seiner Liedauswahl aus den Programmen "Na so was" und "Lieder eines armen Mädchens" zum Nachdenken an. Erst am Ende des Abends wechselt das Sujet, etwa zur Parodie auf die "Capri-Fischer", zu der sich der Künstler lasziv auf den Flügel legt.

Das Publikum

Wer sich auf Fischer einlässt, kann sich treiben lassen in eine vergangene Epoche, in die große Zeit des Kabaretts. Aber es ist alles andere als wummernde, schnulzige, Friede-Freude-Eierkuchen-Unterhaltung. Einige waren deshalb in falscher Erwartungshaltung zur Pause gegangen - wer aber blieb, konnte auch die witzig-parodistische Seite Fischers kennenlernen.

Fazit

Tim Fischer ist ein grandioser Entertainer und Sänger, spielt - zusammen mit seinem Pianisten Thomas Dörschel - scheinbar mühelos und häufig antagonistisch auf der Klaviatur zwischen bitterböse und komisch. Es sind, vielleicht im Brechtschen Sinne, vertonte Lehrstücke, die niemand unge- und unberührt lassen und lange in Erinnerung bleiben.

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