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Video: Franziska Füchsl auf der KN-Bühne

Franziska Füchsl füllte die Kundenhalle mit ihren Lautmalereien und eindringlichen fragmentarischen Schilderungen der Gegenwärtigkeit des Woitsch.

Franziska Füchsl füllte die Kundenhalle mit ihren Lautmalereien und eindringlichen fragmentarischen Schilderungen der Gegenwärtigkeit des Woitsch.

Kiel. Die in Wien und Kiel lebende freie Autorin liest aus ihrem Prosadebüt „Tagwan“ (erschienen im Ritter-Verlag, Klagenfurt). Der Begriff steht für ein Tagwerk, eine verrichtete Arbeit, die Begegnung der Ich-Instanz mit dem „Woitsch“ ist der zweite Tagwan von dreien. Franziska Füchsl liest dessen Anfang, der eine Art Pflegesituation beschreibt: „Woitschs Pochen. Wo, Woitsch. Wo. Woitschs Pochen. Wie heiß ich. Wie heiß. Woitschs Löffel. Ins Schwarze. Woitschs Glanz. Ins Schwarze. Woitschs Schweiß. Woitschs Löffel in meinem Mund. (…) Woitschs Löffel. Woitschs Fragen. Woitsch ins Schwarze. Ich spuck ins Schwarze. Spuck ihn aus“, immer eruptiver schleudert die Autorin die Silben hinaus, begleitet vom Pumpen und Keuchen des Akkordeonbalgs und dem Fingergeräusch auf den Tasten. Tonlos spielt Ronny Taut das Akkordeon, die Melodie ist Füchsls Sprache selbst. „Die Musik ist abwesend, ist aber doch da“, erklärt Ronny Taut später. Das reize ihn daran. Es sei interessant, „wie man Musik zusammendenken kann, ohne dass sie in ihrer Fülle da ist“, ergänzt Füchsl.

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Fragmentarische Schilderungen

Eigentlich wollte Franziska Füchsl „Tagwan“ im März auf der Buchmesse in Leipzig vorstellen, war auch schon vor Ort, doch am Abend vor der Lesung wurde die Veranstaltung abgesagt; die Gründe sind bekannt. Stattdessen füllt sie jetzt die Kundenhalle mit ihren Lautmalereien und eindringlichen fragmentarischen Schilderungen der Gegenwärtigkeit des Woitsch. Sie zischt und summt, säuselt und rauscht, beschreibt und fühlt, lässt sich in den Text fallen und zieht das zweiköpfige Publikum (im Dienst) mit hinein.

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„Das Buch ist nicht in diesem Stil durchgeschrieben“, erzählt Franziska Füchsl nach dem Auftritt. „Woitsch ist am Anfang wie ein Phänomen, wie etwas, das den Körper ergreift und auf die Ich-Instanz einwirkt, etwas, das einen berührt und das man nicht weglesen kann.“

Veranstaltungen bis Herbst abgesagt

Auffallend ist, wie kunstvoll Franziska Füchsl mit der Sprache umgeht, wie sie Worte dreht und zusammensetzt, Neues schafft und auch viele alte beziehungsweise wenig gebräuchliche Begriffe aus unbeachteten Winkeln zieht. Erworben hat sie diese Fähigkeiten beim Studium in Wien (Deutsche Philologie und Anglistik) und in Kiel an der Muthesius Kunsthochschule im Studiengang Sprache und Gestalt bei Professor Oswald Egger. Der sei auch der Grund für ihre Pro-Kiel-Entscheidung gewesen, da sie ihn „als Dichter sprachlich sehr interessant“ fand. Aber auch sonst sei sie „immer zufrieden mit der Entscheidung“ für die Fördestadt gewesen.

KN-Bühne: So können Sie freie Künstler aus der Region unterstützen

Die KN-Bühne lädt von Di-So jeweils um 20 Uhr auf KN-online zur Vorstellung und bietet den vom Veranstaltungsverbot der Corona-Krise schwer betroffenen freien Künstlern eine Plattform.

Spenden für die Künstler sind erwünscht: auf dem Spendenkonto „KN hilft e.V.“ bei der Förde Sparkasse (Konto DE05 2105 0170 1400 2620 00). Die Spenden werden wöchentlich unter den auftretenden Künstlern aufgeteilt. Am Freitag, 1. Mai 2020, auf der KN-Bühne: Musikerin Alexandra Brüntrup.

Bis zum Herbst seien ihr alle Veranstaltungen weggebrochen, bemerkt sie. Die entstandene Freizeit nutze sie, um neue Dinge zu lernen: „Ich lerne gerade den Umgang mit Schnittprogrammen für Videos“, erzählt sie. Neue Formate würden ihr helfen, das neue Buch „Tagwan“ (in Kiel übrigens bei der Buchhandlung Zapata erhältlich) zu promoten. So seien zwei Videos in Schwedeneck gedreht worden, als Ersatz für die Buchpräsentation Anfang April beim Literaturfestival in London.

Diese Künstler standen schon auf der KN-Bühne - zu den Videos:

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