50 Voices in Kiel

Vielstimmig, fesselnd und hochwertig

Foto: 50 Voices in der Halle 400 - hier mit Sängerin Bridget Fogle (links unten).

50 Voices in der Halle 400 - hier mit Sängerin Bridget Fogle (links unten).

Kiel. Der erste Eindruck: Natürlich sind fünfzig Stimmen zunächst einmal rein formal ein gewaltiges Pfund, mit dem sich ordentlich wuchern lässt. Das taten auch die 50 Voices, die im vergangenen Jahr einen erfolgreiche Auftritt im Kleinen Saal der Elbphilharmonie hinlegten, gleich mit ihrer ersten Nummer Lovely Day.

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Und doch zeigte dieser Song wie die vielen Hits und Evergreens, die folgen sollten, trotz gelungener Arrangements ein leichtes Defizit im Klangbild. Es fehlen die tiefen Lagen, es fehlen Bässe und Baritons, es fehlen die Männer.

Damit sei absolut nichts gegen die hervorragenden Gesangsqualitäten der Damen im Chor gesagt. Und auch die Solistinnen Bridget Fogle und Chorleiterin Lerato Sebele-Shadare sind über jeden Zweifel erhaben. Dennoch fehlt dem Sound des großen Ensembles zuweilen die Grundierung, das wärmende Fundament.

Das Programm: Bot zwar nicht allzu viele Überraschungen, glänzte aber mit überaus populären Perlen aus Soul und R&B, (Aretha Franklin Medley, End Of The Road, Falling), Pop (How Deep Is Your Love, Rolling In The Deep) und Gospel (Order My Steps, Believer/Hosannah).

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Als Gast konnte Solistin Bridget Fogle sowohl bei den Balladen als auch im Up-Tempo-Bereich überzeugen. Und bei Aretha Franklins ewig strahlendem Vitrinen-Schatz Respect entfachte die temperamentvolle Sängerin im golden funkelnden Showdress ihr ganzes Feuer. Zart und berückend schön interpretierte sie dagegen den frühen Michael Jackson Klassiker I'll Be There.

Auch die südafrikanische Sängerin und Chorleiterin Lerato Sebele-Shadare gab als Solistin bei Order My Steps eine grandiose Kostprobe ihres bestrickenden Gesangs.  Andreas Paulsen am Klavier und Christian Schicht am Keyboard zeichnen als weitere Chorleiter für die reizvolle und griffigen Arrangements verantwortlich.

Die Rhythmusabteilung mit  Ralf Klinsmann (Bass) und Jérôme Lellouche (Schlagzeug) sorgte für einen unaufgeregten, aber sauber gearbeiteten und süffig groovenden Beat. Herausragend und vielleicht die beste Nummer des Abends war Schichts Dirigat für seine Bearbeitung der R&B Schönheit I'm Gonna Be Ready von Yolanda Adams.

Sehr versiert definierte er die einzelnen Stimmgruppen auseinander und führte sie wieder zusammen, ohne dabei das harmonische Gesamtgefüge zu stören. Obwohl die Nummer die Grundzüge einer Ballade trägt, verfügt sie über eine hohe Dynamik und ein tolles Finale.

Das Publikum: Zeigte sich schon beim rhythmischen Klatschen zur Einlaufmusik (Lovely Day) des Chores in bester Verfassung. Weil nur zwei Menschen aus dem Publikum das Konzert der 50 Voices im vergangenen Jahr bereits besucht haben, gab's für den Rest viel Neues zu entdecken.

Den Auftakt des großen Finales der Show war ein Gospel-Medley, das die Zuhörer zu stehenden Ovationen und unbeschwerten mitfeiern animierte. So machten sie auch der folgenden Dancing Queen alle Ehre und ließen bis zur letzten Zugabe nicht mehr locker.

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Was in Erinnerung bleibt: Das vielköpfige Ensemble bot ein durchaus fesselndes und musikalisch hochwertiges Konzert mit einem sehr populären Programm. Die Sängerinnen und Sänger zeigten sich als starke und fast fehlerlos agierende Formation, die viel Zugkraft entwickelte. Und  Gastsolistin Bridget Fogle setzte dem Ganzen mit vielen bemerkenswerten Auftritten die Krone auf.

Fazit: Programm, Performance und Arrangements alles bestens, alles lupenrein. Allein es fehlte an einigen Tieftönern. Womöglich teilt der Chor das Problem vieler singender Klangkörper, dass nämlich zu wenig Herren den Weg in die Probenräume finden. Also Jungs, ran an die Pulte.

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