Ein seltsames Paar

Wirkungssicher gebaute Situationskomik

Foto: Das Werkstatt-Theater Kiel feierte die Premerie von "Ein seltsames Paar" - vlnr: Joachim Wendt, Severine Rösch, Jörn Arens, Tina Süphke.

Das Werkstatt-Theater Kiel feierte die Premerie von "Ein seltsames Paar" - vlnr: Joachim Wendt, Severine Rösch, Jörn Arens, Tina Süphke.

Kiel. Gerade ist der Ordnungsfanatiker, Pedant  und Hypochonder Felix („Sogar beim Therapeuten bin ich rausgeflogen...“) von seiner Frau verlassen worden und will sich umbringen. Doch zunächst stolpert er ins Appartement seines Freundes  Oscar. Der Sportreporter, der sich am Telefon gerne mit „geschieden, pleite verlottert“ vorstellt, lebt ebenfalls von seiner Gattin getrennt, ist chaotisch und phlegmatisch, außerdem trinkt er zu viel.

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Einzige Regelmäßigkeit in seinem Leben ist der wöchentliche Pokerabend  mit gemeinsamen Freunden. In die nun platzt Felix verspätet hinein und nachdem die Runde die Karten beiseite gelegt und Felix beruhigt hat, bietet Oscar den vor Liebeskummer und Selbstmitleid zerfließenden Felix Asyl an.  Allerdings mit ungeahnten Folgen, denn Gegensätze ziehen sich nicht immer an.

Schnörkellose Inszenierung

Natürlich lebt das Boulevard-Meisterwerk "Ein seltsames Paar" von der zwischenmenschlichen Dynamik der so gegensätzlichen WG-Bewohner, einer extrem wirkungssicher gebauten Situationskomik und  brüllend komischen Dialogen. Regisseur Thies John gelingt es, diesen dramaturgischen Elementen  eine süffige, kurzweilige und lebendige Form zu geben. Wobei sich seine schnörkellose Inszenierung dankenswerter Weise voll und ganz auf die Qualität der Vorlage verlässt.

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John gibt den beiden Hauptdarstellern ordentlich Zucker, lässt sie an der langen Leine agieren, ohne dabei aber den Spaßfaktor überzudosieren. Im Gegenteil. Zuweilen scheinen tiefer schürfende Emotionen hinter den brillant geschriebenen Wortwitzkaskaden hervor. Dann wirkt Felix ob seiner Trennung tatsächlich tief verletzt und desillusioniert, während Oscars Dünnhäutigkeit, Aggressivität und Regellosigkeit eben auch einen bitteren Scheidungsfrust spiegeln. Und eigentlich haben doch beide das Herz am rechte Fleck. Man (n) muss es nur finden.

Sehenswerte Konturen in der Darbietung

Flankiert von einem durch die Bank bestens disponierten Ensemble machen Jörn Arens als Felix und Joachim Wendt als Oscar ihre Sache mehr als gut und schnitzen bei aller überbordenden Spiellaune immer einige sehenswerten Konturen in ihre Darbietung. So werden aus den vermeintlichen Karikaturen echte Charaktere. Und das tut dem Stück außerordentlich gut.

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