Zaz: Ein neues Bündel Seelenoriginale

Von Treibsand und Bindungen: Die Französin Zaz hat ein neues Bündel stilbunter und gefühlvoller Popchansons geschnürt.

Von Treibsand und Bindungen: Die Französin Zaz hat ein neues Bündel stilbunter und gefühlvoller Popchansons geschnürt.

Paris. „Was immer kommt, ich schreibe meine Geschichte ohne daran zu denken, wo alles endet“. Das klingt verwegen, heldenhaft. Eine Trompete haucht im Hintergrund beinahe schüchtern, wenn sich Isabelle Geffroy alias Zaz in den Refrain von „Qué vendrá“ stürzt. In dem Lied mit dem sommerlich schunkelnden Latinrhythmus, ihrer neuen Single, ist sie aber hin- und hergerissen, denn im „Treibsand einer flüchtigen Vergangenheit, binde ich mich an die, die ich liebe.“

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Es dauerte einige Zeit, bis Zaz lernte, wie man Nein sagt

Also doch Besinnung, Haltsuche, Rückversicherung statt Aufbruch ins Ungewisse? „Effet miroir“ heißt das neue Album der quirligen Chansonette aus Tours, die mit ihrer heiser-süßen Stimmraspel uns angloamerikanisch orientierte Pop-Teutonen verzaubert hat vor nunmehr acht Jahren. „Je veux – ich will“ hieß damals ihr großer Hit. Platz 22 in den deutschen Singlecharts, das selbstbetitelte Debütalbum schaffte es bis auf Platz 2.

Die Medialisierung war hart für Zaz. Es dauerte einige Zeit, bis sie lernte, wie man Nein sagt. All das, was sie gern macht - in der Natur sein, den Vögeln zuhören, Kochen – kam zu kurz. Karriere bis zur Erschöpfung. Dann lernte sie zu malen. Und die Selbstfindung schritt voran. Jetzt also kommt nach langer Pause ein frisches Liederbuch. 2013 war mit „Recto Verso“ das letzte Album mit neuen Songs erschienen – „Paris“ war 2014 eine feine Sammlung von Chansonklassikern gewesen, „Sur la Route“ 2015 ein Livealbum, das ihre besondere Klangfusion aus Chanson, Folk, Weltmusik und Rock ausstellte.

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Alle wollten Zaz. Und Zaz wollte alle: "Die Leute schreiben auf Französisch, dass sie wegen mir Französisch lernen", staunte sie beim letzten Treffen. "Liebe ist darin zu spüren."

Vielseitig wie eine bunte Zirkusrevue ist die neue Songliste von Zaz

Eine wirkmächtige Botschafterin der Grande Nation also. Die in den 15 Songs von „Effet miroir“ walzert und wogt, bluest und rockt. Vielseitig wie eine bunte Zirkusrevue ist die Playlist, die in Belgien mit Produzent Jo Francken eingespielt wurde. Da sind traumversunkene Pianoballaden wie „Mes Souvenirs de toi“ im traurigen Dreivierteltakt. Auf die das putzmuntere „Toute ma vie“ folgt, das auch zuzeiten von Diana Ross und den Supremes in der Motown Detroit entstanden sein könnte.

„Mein Kopf ist voller Ideen, keiner kann mich stoppen, und wenn man mir Sachen in den Weg wirft, schau ich nach vorn, laufe weiter, auf mein Glück zu“, singt Zaz in „Toute ma vie“. Das ist ihr Mutmacher für sich selbst und alle, die ein wenig positive Energie gebrauchen können, auch ein Lied für Europa, das gerade über allerhand Hindernisse hinweg muss. Der Song stammt aus der Feder des Schweizer Liedermachers Jérémie Kisling, überhaupt sind die meisten Stücke von anderen geschrieben. Aber im innigen Vortrag werden sie zu Seelenoriginalen.

Die Sängerin Zaz hält sich selbst den Spiegel vor

Und so erscheinen diese Songs eben sehr persönlich, die Sängerin hält sich selbst den Spiegel vor. Unterschwellig grollt im selbstverfassten „Résigne-moi“ eine elektrische Gitarre. Es geht um die Verwundungen der Liebe, die dazu führen, dass man Angst hat, unterzugehen, wenn man sich beim nächsten Mal einem Menschen öffnen müsste. Liebhaber, die zu früh zu viel lächeln, deren Lächeln nichts preisgibt, bleiben nicht, das ist die Lehre dieser Rockballade, an deren Ende die Geräusche eines aufziehenden Gewitters stehen.

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Und dann: „Ich wäre gern eine Mutter, um mich besser zu fühlen“, singt sie in „Ma Valse“ mit ihrer rauen Wolfszärtlichkeit. Ein wirbelndes, hart angeschlagenes Klavier zu einem langen Text, der anmutet wie eine Beichte, der klingt wie ein Barfußgang über Lebensscherben.

Die Impressionen einer verschneiten Welt sind sehnsuchtsvoll

„Ich fülle meine Taschen mit Zeit für mich selbst“, spricht sie am Ende die Erinnerung an einen Urlaub in Lappland. Ein dunkles Piano dreht unter ihrer Stimme seine Kreise, Streicher ziehen herauf. Obgleich die Immerquirlige es nur einige Tage in der Abgeschiedenheit ausgehalten hat, sind die Impressionen einer verschneiten, stillen Welt sehnsuchtsvoll und die Sehnsucht in „Laponie“ springt auf den Hörer über wie damals, als Donovan Leitch von „Atlantis“ sang.

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„Ich werde zurückkehren“, verspricht sie am Ende dieses Liedgebets flüsternd. Jetzt aber ist Zaz erst einmal für ihr Publikum da. Um ihre Geschichte ein Stück weiter zu schreiben.

Zaz: „Effet miroir“ (Warner)

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Zaz live am 13. 2. 2019 in Frankfurt, 25. 2. Stuttgart, 26. 2. München

Von Matthias Halbig / RND

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