Märzen im Oktober

Eine Kellnerin mit Maßkrügen: Das Wiesn-Bier kann man sich auch nach Hause holen. Ob es sich lohnt, haben wir getestet.

Eine Kellnerin mit Maßkrügen: Das Wiesn-Bier kann man sich auch nach Hause holen. Ob es sich lohnt, haben wir getestet.

Beim Oktoberfest geht es um vieles, nur nicht ums Maßhalten. Es wimmelt von Traditionen auf der Wiesn, das gilt für die Mode (Dirndl, Lederhose), für die Ausstrahlung (fesches Dekolleté, stramme Waden, nicht immer ohne künstliche Nachhilfe), fürs Essen (bittschön kein Gyros, kein Döner, sondern Brathendl, Schweinswürstl, Ochsenbacke und Steckerlfisch) ebenso wie fürs Trinken.

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Nur ein halbes Dutzend Münchner Brauereien dürfen ihr Bier, gebraut nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1487, ausschenken: Augustiner, Hacker-Pschorr, Hofbräu, Löwenbräu, Paulaner und Spaten. Nachdem das Maß Bier im vergangenen Jahr die 10-Euro-Marke bereits vereinzelt geknackt hatte, ist heuer kein Bier mehr unter 10 Euro zu bekommen. Unterm obligatorischen Zehner geht in diesem Jahr gar nichts mehr, die Preise haben sich bei 10,30 Euro eingependelt.

Ein Franke auf der Wiesn?

Wer sich das Oktoberfestgefühl deutlich günstiger und ohne fiebriges Festzelt-Gerangel nach Hause holen will, wird derzeit in den Lebensmittelabteilungen der Kaufhäuser und bei vielen Getränkehändlern fündig. Dort gibt es für 12,99 Euro eine blau-weiße Oktoberfest-Bierprobe mit sechs typischen Bayernbieren, sogar inklusive Probierglas.

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Sechsmal Märzen-Bier – einst durfte das bayerische Festbier für den Oktober aus Haltbarkeitsgründen nur im Monat März gebraut werden: Den rustikalsten Eindruck macht das "Holzar"-Bier, nur echt mit einem Axt schwingenden Buam vorne auf dem weiß-blauen Etikett.

Doch siehe da, das bernsteinfarbene "Bier nach Altväter Sitte" aus dem Allgäu lässt es gar nicht so sehr krachen wie angekündigt. Ebenfalls etwas blass bleibt der fränkische Vertreter, das unscheinbare "Kauzen Pils" aus Ochsenfurt. Aber was hat auch ein Franke auf der Wiesn zu suchen?

Das Finale stimmt

Der nächste Vertreter der Oktoberfest-Probe kommt aus Neuötting, wo Landrat Reinhard Müller sein eigenes Bier braut. Sein "Festbier" ist rotgold und wirkt angenehm frisch und spritzig, die 5,6 Prozent Alkohol können allerdings bei Überdosierung schnell zu Kopf steigen.

Auch das "Märzen-Festbier" der Schlossbrauerei Hohenthanner ist eine Entdeckung: bernsteinfarben, leichter Holzgeruch, Honigaromen, untergärig, oberlecker. Dagegen macht der Vertreter Nummer fünf, das "Gipfelglück" der Brauerei Hopfmeister, mehr durch seine coole Aufmachung denn durch seinen Geschmack auf sich aufmerksam.

Aber das Finale stimmt, denn das Karmeliter "Kloster Gold" entpuppt sich als gesegneter Abschluss der kleinen Wiesn-Bierprobe. Es ist goldgelb mit feinen Hopfenaromen, wie ein neuer Tag auf der Theresienwiese.

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Wer es live mag, merke sich den 19. September vor. Punkt 12 Uhr eröffnet SPD-Bürgermeister Dieter Reiter mit dem Anstich und dem Ruf "O’zapft is!" ("Es ist angezapft!") das Oktoberfest. Anschließend knallt‘s auf der Treppe der Bavaria zwölfmal, Ministerpräsident Horst Seehofer bekommt traditionell die erste Maß. Und dann muss er wissen, ob er Maß hält oder nicht. O zapft is!

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