Prozess um A215-Schüsse

Angeklagter beschuldigt Schwager

Foto: Das Gebäude des Landgerichtes in Kiel. Hier läuft ein Prozess um Schüsse auf der A215. 

Das Gebäude des Landgerichtes in Kiel. Hier läuft ein Prozess um Schüsse auf der A215.

Kiel. Über seine Verteidiger beschuldigte er darin den mutmaßlich Geschädigten - er ist sein Schwager und Hauptbelastungszeuge der Anklage - ihm nach dem Leben zu trachten und die Schüsse provoziert zu haben. Es sei "endlich der Zeitpunkt, um zu zeigen, dass ich nicht schuldig bin", verlasen die Verteidiger vor dem Kieler Landgericht.

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Der 39-Jährige muss sich wegen versuchten Mordes und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten. Die Anklage stützt sich auf die Angaben des Schwagers. Dessen Vernehmung verzögert sich aber nach einem weiteren Antrag der Verteidigung erneut. Der Mann soll jetzt am kommenden Freitag gehört werden. Seine erste Vernehmung scheiterte bereits an akuten psychischen Problemen.

Für die Vernehmung des Schwagers muss sich zunächst ein weiterer Staatsanwalt in die Akten einarbeiten. Denn die Sitzungsvertreterin der Anklagebehörde soll nach dem Willen der Verteidigung während der Aussage des Mannes von der Verhandlung ausgeschlossen werden. Sie soll im Prozess als Zeugin zu dessen erster Vernehmung gehört werden, die sie im Zuge der Ermittlungen gemeinsam mit zwei Kriminalbeamten geleitet hatte und auf die sich die Anklage stützt.

Aussage gegen Aussage

Im Verfahren steht nun Aussage gegen Aussage. Der Angeklagte schildert über seine Verteidiger eine Notwehrsituation vor dem Hintergrund einer Familienfehde. Demnach waren seine und die Familie des Bruders seiner Ehefrau eng verbunden, bis es zu finanziellen Unregelmäßigkeiten und Unterschlagungen im fünfstelligen Euro-Bereich kam. Als sein Vater die Kassen kontrollieren sollte, habe der Schwager ihn derart schwer verletzt, dass der Vater nun zu 100 Prozent schwerbehindert sei.

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Er habe deswegen Strafanzeige gestellt und der Polizei auch Videomaterial übergeben, hieß es in der Erklärung des Angeklagten. Darin beschuldigt er den Schwager auch, "für 15 000 Euro einen Tschetschenen auf mich angesetzt" zu haben.

Zu den Schüssen auf der Autobahn ließ der Angeklagte erklären, er sei in seinem Wagen plötzlich von dem Fahrzeug seines Schwagers auf der Autobahn Richtung Kiel verfolgt worden. Dann sei er überholt und dabei eine Waffe auf ihn gerichtet worden. Er habe "in Panik" seine eigene Waffe hervorgeholt, die er seit Morddrohungen mit sich führe. Er habe dann gezielt auf das Fahrzeug geschossen. Offenbar vor Schreck sei dem Mann dabei "die Waffe aus der Hand gefallen".

Männer blieben unverletzt

Anschließend habe er eine Kollision mit dem Fahrzeug, das ihn habe  abdrängen wollen, provozieren müssen, sonst wäre er gegen einen Brückenpfeiler gerast. Beide Männer blieben bei der Aktion unverletzt. Der Angeklagte floh. Er sei zunächst nach Braunschweig und Wolfsburg gefahren und habe sich nach Beratungen mit Rechtsanwälten sonntags der Polizei stellen wollen, ließ er weiter mitteilen. Er sei aber mit den Worten weggeschickt worden, er solle werktags wiederkommen.

Der Angeklagte hat libanesische, sein Schwager soll türkische Wurzeln haben. Bei einer Verurteilung wegen versuchten Mordes drohen bis zu 15 Jahre Haft. Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft. Die Verteidigung beantragte sofortige Aufhebung des Haftbefehls. Dem folgte das Gericht zunächst nicht.

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Von dpa

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