Newsletter „Kiel mittendrin“

Die Republik blickt auf Kiel

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn Kiels Personaldezernent Christian Zierau im Morgenmagazin von ARD und ZDF zur schwierigen Corona-Lage an der Förde befragt wird, ist klar: Die Zeiten in der Landeshauptstadt sind ernst. Die Sommerwelle hat Schleswig-Holstein mit voller Wucht erfasst, die hohen Inzidenzzahlen in Kiel sorgen bundesweit für Aufmerksamkeit. Die Arbeitsfähigkeit unserer Kliniken kann derzeit nur aufrechterhalten werden, weil viele Behandlungen verschoben werden - und weil in den Betrieben die Gesunden mit außergewöhnlicher Solidarität die personellen Lücken schließen. Zehn Tage nach dem Ende der Kieler Woche hat sich die Lage leider noch nicht beruhigt. Im Gegenteil: Es ist derzeit nicht abzusehen, wann der Krankenstand wieder sinkt. Auch die KVG hat sich mit Blick auf die vielen Krankheitsfälle in den eigenen Reihen entschieden, das Linienangebot während der Sommerferien einzuschränken.

Meine Kollegin Rieke Beckwermert hat sich gestern lange mit einer Ärztin aus dem UKSH, die selbst infiziert ist und zu Hause bleiben muss, unterhalten. Herausgekommen ist ein sehr differenziertes Bild von der Lage auf den Stationen. Ja, die Situation ist ernst. Das System Krankenhaus funktioniert nur, weil sehr viele Beschäftigte freiwillig wesentlich mehr leisten, als sie vertraglich müssten. „So wie es ist, geht es gerade noch. Die Arbeit an sich ist machbar“, sagt die Ärztin. Sollte es aber zusätzliche Belastungen geben, „dann bricht dieses Kartenhaus irgendwann zusammen“.

Nicht abzusehen ist weiterhin, wann der Neubau des Holstein-Stadions beginnen kann. Wegen der explodierenden Baukosten hatte die Stadiongesellschaft im Mai entschieden, in diesem Sommer noch nicht zu starten. Umstritten bleibt weiterhin, wer die Mehrkosten übernehmen wird. Die Deutsche Fußballliga (DFL) drängt ungeachtet der schwierigen Lage Verein und Stadt, im Laufe der nächsten Saison loszulegen - sonst sei die Lizenz im Folgejahr gefährdet. Denkbar ist laut DFL auch, dass sie von Holstein Kiel verlangt, die Heimspiele ab dem Sommer 2023 in einer anderen Stadt auszutragen. Verein und Stadt, der das Stadion gehört, stehen nun gewaltig unter Druck. Denn die Botschaft an die Fans, bitte alle 14 Tage nach Bremen oder sonstwo in der Republik zu fahren, möchte niemand überbringen. Da gibt es in den nächsten Wochen noch großen Gesprächsbedarf.

Die 72 Jahre alte Haupttribüne des Stadions muss bereits regelmäßig kontrolliert werden, damit die Verkehrssicherheit gewährleistet bleibt. In den nächsten Wochen werden für rund 100.000 Euro Ausbesserungsarbeiten durchgeführt.

Die 72 Jahre alte Haupttribüne des Stadions muss bereits regelmäßig kontrolliert werden, damit die Verkehrssicherheit gewährleistet bleibt. In den nächsten Wochen werden für rund 100.000 Euro Ausbesserungsarbeiten durchgeführt.

Ein anderes großes Projekt, das eines Tages Kiels Wasserseite grundlegend verändern könnte, ist noch viel weiter von der Umsetzung entfernt. Die entscheidenden Weichen könnten aber bereits in diesem Sommer gestellt werden. Noch bis zum 12. Juli läuft die Frist, in der Investoren ihr Angebot für die künftige Nutzung des ehemaligen Lindenau-Areals abgeben dürfen. Die Kommunalpolitik hat sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, die rund 70000 Quadratmeter große Fläche in Friedrichsort auch künftig ausschließlich für Gewerbezwecke nutzen zu lassen.

Das Gelände der Lindenau Werft ist für Investoren grundsätzlich sehr attraktiv. Nach dem Willen der Stadt soll dort weiterhin ausschließlich Gewerbe angesiedelt werden.

Das Gelände der Lindenau Werft ist für Investoren grundsätzlich sehr attraktiv. Nach dem Willen der Stadt soll dort weiterhin ausschließlich Gewerbe angesiedelt werden.

Das macht die Ausgangslage für den Verkäufer, die Werft German Naval Yards Kiel (GNYK), nicht einfacher. Niels Bunzen, Geschäftsführer der Norddeutschen Grundstücksgesellschaft, hat seine Zweifel, ob eine rein gewerbliche Zukunft für das Gelände funktionieren wird. „Mir erschließt sich nicht, wie sich das rechnen soll.“ Bunzen hatte ein Konzept vorgelegt, das eine Mischnutzung vorsieht.

Oft haben wir an dieser Stelle über die Schwierigkeiten im Rathaus berichtet, Pass- und Meldefragen in angemessener Zeit zu erledigen. Nun gibt es eine erfreuliche Nachricht: Nach diversen Umstrukturierungen und ganz langsamen Fortschritten bei der Digitalisierung kann Christian Zierau, der Mann aus dem Morgenmagazin, endlich Erfolge vermelden: Die neue Online-Möglichkeit, sich von zu Hause aus an- oder umzumelden, wird eifrig genutzt.

Auch die berühmt-berüchtigten Warteschlangen sind kürzer geworden. Das freut uns für die Bürgerinnen und Bürger. „Es werden mehr Anliegen erledigt“, sagt Dezernent Zierau. So soll es sein.

 

Bauprojekt der Woche

Die Bebauung an der Hörn, die die Stadt inzwischen seit Jahrzehnten beschäftigt, schreitet unterdessen voran. Aber auch in dieser Sahnelage sind die Folgen der Baukrise zu spüren. Dier Fertigstellung mehrerer Projekte verzögert sich deutlich. Immerhin: Vergangenen Donnerstag wurde das Richtfest für 121 Wohnungen in zweiter Reihe an der Hörn gefeiert.

 

Gastro-Tipp der Woche

Die Kieler Restaurant-Landschaft ist um eine weitere Attraktion reicher. In der Dänischen Straße, wo 45 Jahre lang das San Marco als klassische Pizzeria sein Zuhause hatte, lädt nun das Maratea ein. Mein Kollege und Gastrokritiker Oliver Stenzel war bereits vor Ort - und berichtet von einem Italiener, der in Stil und Angebot außergewöhnlich ist. Wie von Betreiber Eduard Teuber angekündigt, findet der Gast dort keinen gewöhnlichen „Pizza- und Pastaladen“, sondern „Küche in einer Liga, wie man sie in der Stadt nicht kennt“.

 

Zitat der Woche

„Bei der Windjammerparade dachten die Leute, wir wollten sie betrügen.“

Sohail Sohail,

Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Wilms, berichtet von den Reaktionen am Falckensteiner Strand, wo er mit seinen Kollegen in dieser Saison an warmen Tagen wieder Parkgebühren verlangt.

 

Meistgelesen in Kiel auf KN-online.de

Platz 1: Die Schulabschlüsse sind geschafft, die Absolventen starten ins Leben danach. Unsere Übersicht stößt auf großes Interesse - natürlich auch, weil die Fotos nun für alle zu sehen sind.

Platz 2: Die Neueröffnung des Restaurants Maratea ist nicht nur mein Gastro-Tipp in dieser Woche, sondern auch einer der meistgeklickten Beiträge in der vergangenen Woche. Ja, Gastronomie gehört ohne Zweifel zu den Themen, die bei uns am meisten Beachtung finden.

Platz 3: Aufregung am Sonntagabend im Hafen von Kiel: Kurz vor dem geplanten Auslaufen der „Vasco da Gama“ vom Ostseekai gaben Aktivisten bekannt, das Schiff und weitere Kreuzfahrer blockieren zu wollen. Am Ende legten sie dennoch ab.

 

Meine Kieler Lieblingsgeschichte

Zugegeben: Auch ich habe mit Archäologie bislang vor allem Ausgrabungen aus der Antike in Verbindung gebracht, mit dem Forum Romanum oder Resten von versunkenen Wikinger-Schiffen. Dass sich die Wissenschaft auch mit Zeiten auseinandersetzt, die ich selbst erlebt habe, war mir dagegen nicht bewusst. Das hat sich seit dieser Woche geändert. Der Kieler Archäologe Ulrich Müller hat uns nämlich berichtet, wie er Kritzeleien in einem Kieler Hörsaal untersucht hat - und zwar Kritzeleien, die erst vor einigen Jahren entstanden sind. Was Müller im Hörsaal praktiziert, nennt sich „Archäologie der Moderne“. Lesen Sie selbst.

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Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend,

Ihr Kristian Blasel, Leiter der Kieler Lokalredaktion

 

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