Bestechung von Polizistin

Ehemaliger Rocker wurde freigesprochen

Foto: Vor sechs Jahren wurden der sogenannte Rockerkrieg in Schleswig-Holstein für beendet erklärt.

Vor sechs Jahren wurden der sogenannte Rockerkrieg in Schleswig-Holstein für beendet erklärt.

Kiel. Dies habe sich vor Gericht nicht beweisen lassen, stellte der Vorsitzende Richter Stefan Worpenberg am Dienstag fest. Es sei «kein Geld geflossen». Der weitere Anklagepunkt Anstiftung zur Verletzung des Dienstgeheimnisses sei inzwischen "absolut verjährt", sagte Worpenberg.

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Mit dem Urteil kann auch die mitangeklagte Polizeibeamtin aufatmen: Gegen die vom Dienst suspendierte Oberkommissarin ist damit die Anklage der Bestechlichkeit vom Tisch. Wäre die 45-Jährige deswegen schuldig gesprochen worden, hätte sie zwingend Beamtenstatus und Pensionsansprüche verloren. Die alleinerziehende Mutter muss sich aber in einem abgetrennten Verfahren weiter verantworten.

Der Freispruch beendet das nach Angaben von Oberstaatsanwalt Alexander Ostrowski wohl letzte Rockerverfahren in Kiel - mit einer Niederlage für die Staatsanwaltschaft. Ostrowski hatte für den 55-Jährigen zehn Monate Bewährungsstrafe beantragt. Fünf Monate davon sollten wegen der langen Verfahrensdauer als verbüßt gelten. Der Angeklagte gehörte vor rund sechs Jahren zu den sogenannten Red Devils, die die inzwischen verbotenen Kieler Hells Angels unterstützten. Ostrowski will Revision prüfen.

Mit dem Urteil folgt die Kammer dem Antrag des Verteidigers, der Freispruch gefordert hatte. Der Angeklagte hatte sich im Prozess nicht geäußert. Im Ermittlungsverfahren belastete er die Beamtin.

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Auf die Spur des 55-Jährigen und der Polizistin - beide kannten sich über den Kieler Sportverein ihrer Söhne - führte vor rund sechs Jahren ein Zettel mit Halterdaten. Er wurde damals bei einer Hausdurchsuchung bei einem führenden Hells Angel sichergestellt und trug Fingerabdrücke weiterer führender Hells Angels.

Der 47 Jahre alte ehemalige Chef der Kieler Rockergruppierung erinnerte sich vor Gericht als Zeuge ebenso wenig daran wie ein weiterer Rocker aus seinem Umfeld. Dafür hatte der wie ein Hüne wirkende Zeuge nur Häme für die Staatsanwaltschaft: "Nie hat ein Beamter mit uns zusammengearbeitet. Ich muss es ja wissen."

Unter Anspielung auf einen damaligen Kronzeugen der Anklagebehörde, dessen Aussagen hunderte Verfahren und den Abriss einer Halle nach sich zogen, sprach er von «erlogenen und erstunkenen Geschichten, auf die der Staat hereingefallen» sei und die in Kiel "verbrannte Erde hinterlassen" hätten. Derzeit beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuß des Kieler Landtags mit der sogenannten Rocker-Affäre und möglichen Verbindungen bis in hohe Polizeikreise.

Von dpa

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