Energie-Krise in SH

Stromsparcheck: Energiespartipps für Kieler mit geringem Einkommen

LED statt Glühbirnen: In Kiel soll es ab April den Stromsparcheck geben.

LED statt Glühbirnen: In Kiel soll es ab April den Stromsparcheck geben.

Kiel. Alte Kühlschränke, defekte Duschköpfe oder stromfressende Glühbirnen: Es sind oft die kleinen Dinge, die auf Dauer viel Energie kosten. In Zeiten der Energie-Krise ist das für Menschen mit geringem Einkommen besonders fatal. An dem Punkt setzt das Bundesförderprogramm Stromsparcheck an, das ab 1. April nun auch in Kiel zunächst für ein Jahr starten soll. Die Ratsversammlung muss am 16. Februar aber noch grünes Licht dafür geben.

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Beim Programm Stromsparcheck werden Langzeitarbeitslose zu Stromsparhelfern ausgebildet – für Kiel zunächst vier Personen. Die besuchen dann kostenlos Personen, die Leistungen vom Jobcenter beziehen, in ihren eigenen vier Wänden. Sie messen dort den Verbrauch und geben individuelle Tipps, wie man Strom, Wasser und Heizenergie sparen kann. Bis zu 300 Beratungen pro Jahr sollen so möglich sein.

Stromsparcheck: Weitere Förderung für Energiespar-Maßnahmen

Weil Tipps zwar gut sind, es bei der Umsetzung aber am schmalen Geldbeutel hapern könnte, gibt es zusätzlich zur Beratung eine individuelle Soforthilfe-Paket im Wert von bis zu 70 Euro. Das kann zum Beispiel hochwertige Energiesparlampen, schaltbare Steckdosenleisten oder wassersparende Duschköpfe enthalten. Wer sein altes Kühlgerät mit hohem Energieverbrauch gegen ein energieeffizienteres Gerät tauschen möchte, bekommt zudem einen Zuschuss von 100 Euro.

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„Diese Förderung ist eine ausgezeichnete Ergänzung zu dem Kühlgeräteaustauschprogramm der Stadt“, begründet die Stadträtin für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt Doris Grondke in der Verwaltungsvorlage. Die Stadt hat nämlich für mindestens 100 Haushalte eine maximale Förderung von je 300 Euro zugesagt für den Tausch von Kühlgeräten.

Stromsparcheck in Kooperation mit Diakonie und Jobcenter

Wer einen Stromsparcheck in Kiel in Anspruch nehmen möchte, muss sich aber noch bis April gedulden. Denn muss die Ratsversammlung zustimmen. Diskutiert wird das Thema zunächst im Fachausschuss Soziales, Wohnen und Gesundheit am Donnerstag, 26. Januar um 17 Uhr.

Angeschoben werden soll das Projekt in Kiel dann gemeinsam mit dem Jobcenter Kiel und der Diakonie Altholstein. Letztere bietet den Stromspar-Check schon seit einigen Jahren in Neumünster an – mit steigender Nachfrage. "58 Checks hatten wir dort im Jahr 2021, im vergangenen Jahr waren es schon 135", nennt Stephanie Vallentin Geschäftsbereichsleiterin Arbeit und Bildung bei der Diakonie Zahlen. Ihre Erfahrung mit Blick auf die explodierenden Energiekosten: "Für viele sind die Beratungen blanke Existenzsicherungen, weil jeder Cent gespart werden muss."

Auch in Kiel sei der Bedarf groß. Das Umweltschutzamt Kiel soll Büros im Energietreff „Auguste“ an der Augustenstraße 66 in Gaarden zur Verfügung stellen.

So können Sie zuhause Energie sparen

Um Energie in der eigenen Wohnung einzusparen, braucht es manchmal nur ein paar Handgriffe. Hier ein paar Tipps, die der Bund im Rahmen des Förderprogramms Stromsparcheck gibt:

Elektronische Geräte wie Computer, Tablet oder Fernseher: Abschaltbare Steckdosenleisten sowie voreingestellte Spar- / Eco-Optionen der elektronischen Geräte nutzen; Helligkeit der Bildschirme dimmen

Kühl- und Gefriergeräte: Temperatur drosseln beim Kühlschrank auf eine Innentemperatur von plus 7 Grad Celsius, beim Gefrierschrank eine Temperatur von minus 18 Grad; Geräte regelmäßig abtauen; Kühl- und Gefrierschranktüren immer nur so kurz wie möglich öffnen; keine heißen oder warmen Speisen in den Kühlschrank stellen; Gefrorenes im Kühlschrank auftauen, denn die Kälte der gefrorenen Lebensmittel verringert die für das Kühlen benötigte Energie.

Kochen und Backen: Mit wenig Wasser kochen und den Deckel auf den Topf; bei Mengen von unter einem Liter lieber Wasserkocher statt Elektroherd zum Erhitzen des Teewassers nutzen; Nachhitze von Herdplatten nutzen; die Umluftfunktion am Backofen erlaubt das Absenken der Backtemperaturen um bis zu 25 Grad Celsius im Vergleich zur Ober-/Unterhitze

Waschen und Trocknen: Die Waschmaschine nur mit voller Trommel anstellen; niedrige Waschtemperaturen nutzen; Eco-Programme senken die Temperatur von allein und erreichen die gleiche Waschwirkung durch eine Verlängerung der Waschzeit; Wäsche lieber an frischer Luft statt im Trockner trocknen

Lampen und Licht: Licht aus beim Verlassen des Raums; Schreibtisch ans Fenster stellen, um Tageslicht zu nutzen; LED statt alter Glühbirne

Warmwasser: Duschen statt Baden; volle Spülmaschinen verbrauchen deutlich weniger Wasser und Energie als Handwäsche; Eco-Programme nutzen; Wasserspararmaturen, Sparduschköpfe und Strahlregler an Wasserhähnen nutzen.

Heizen und Lüften: niedrige Raumtemperaturen: Im Wohnbereich reichen meist 20 bis 22 Grad, im Schlafzimmer 17 bis 18 Grad; Stoß- oder Querlüften drei- bis viermal täglich jeweils 5 bis 10 Minuten; keine Heizkörper hinter Vorhängen oder Möbeln; nachts und bei längerem Verlassen der Wohnung Heizung runterdrehen

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Das sind die Vorteile, die sich der Bund vom Stromsparcheck verspricht

Mit dem Stromsparcheck will der Bund gleich mehrere positive Effekte erzielen: Bürger mit schmalem Geldbeutel werden finanziell entlastet. Auch die Kommune spart Geld, wenn durch reduzierten Verbrauch von Heizenergie und Warmwasser die Kosten der Unterkunft sinken. Außerdem bekommen Langzeitarbeitslose eine sinnvolle Beschäftigungsförderung und werden wieder an den ersten Arbeitsmarkt herangeführt.

„Die Landeshauptstadt hat somit die Möglichkeit, die Zielgruppe einkommensschwacher Haushalte in den kommunalen Klimaschutz zu integrieren und diese auch auf unsere weiteren Angebote aufmerksam zu machen“, schildert Grondke weiter.

Kosten für das Pilotprojekt zum Energiesparen

Das Pilotprojekt in Kiel, das zunächst bis zum 31. März 2024 laufen soll, kostet insgesamt etwa 192 000 Euro. Der höchste Posten sind Personalkosten für die vier Stromsparhelfer mit 49 600 Euro, die über das Jobcenter finanziert werden. Die Stadt soll sich mit bis zu 50 000 Euro beteiligen.

Der Bund finanziert unter anderem die Soforthilfen mit insgesamt 21 000 Euro, die Schulungen der Stromsparhelfer mit 25 200 Euro sowie den Zuschuss für den Austausch eines Kühlgerätes.

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