750 Mitarbeiter betroffen

Friseur-Kette Klinck ist insolvent

Foto: Foto: Die Kieler Friseur-Kette Klinck ist insolvent.

Die Kieler Friseur-Kette Klinck ist insolvent.

Kiel. Erst im Februar feierte der Friseur Klinck sein 90-jähriges Bestehen, nun musste das Kieler Traditionsunternehmen mit 750 Mitarbeitern und 95 Salons beim Kieler Amtsgericht Insolvenz anmelden. Hintergrund seien Liquiditätsengpässe wegen Umsatzrückgängen im laufenden und im vergangenen Jahr, sagt Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder.

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Bereits im Jahresabschluss von 2016 hieß es, der einst stetige Zuwachs bei Klinck habe sich nicht fortgesetzt: "Der Umsatz hat sich um 3,2 Prozent verschlechtert." Grund seien die steigenden Löhne in der Branche und ein geändertes Besuchsverhalten der Kunden. Tatsächlich machte der Personalaufwand damals fast 15 Millionen Euro aus. Vom Rohergebnis von 21 Millionen Euro blieb ein Jahresüberschuss von 167082 Euro. Fazit des Berichts: "Die Situation des Unternehmens beurteilen wir vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Gesamtsituation als geordnet." Seitdem sei der Umsatz weiter gesunken, so Schröder. Konkrete Zahlen nannte er nicht.

Kunden wollen nicht nur billig, sondern auch gut

Klinck läuft damit entgegen dem Trend: Laut Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks lag der Jahresumsatz in der Branche bundesweit zuletzt bei 6,8 Millionen Euro – und wuchs um 3,8 Prozent. „Grund für die positive konjunkturelle Entwicklung der Friseurbranche ist die gesteigerte Nachfrage der Verbraucher nach vielseitigen Friseurdienstleistungen“, bilanziert der Verband diesen Sommer in seinem Lagebericht.

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„Die Leute wollen nicht nur billig, sondern auch gut“, sagt Silke Schacht, Obermeisterin der Friseur-Innung Lübeck. Deswegen seien kleine Friseurbetriebe bei vielen Kunden höher im Kurs als Ketten. Sie berichtet, dass es in der Branche derzeit eigentlich aufwärts geht. „Die Leute lassen mehr Geld beim Friseur. Man gönnt sich wieder mehr. So wie sich viele lieber ein gutes und damit auch teureres Stück Fleisch kaufen, geben sie auch mehr Geld für Wellness für sich selbst aus.“ Deswegen sei der Wohlfühlcharakter beim Friseur enorm wichtig. Sie vermutet, der Mindestlohn habe Klinck letzten Endes das Genick gebrochen.

Friseur Klinck: 95 Salons in Norddeutschland

Die Kieler Friseur-Kette Klinck arbeitet ohne Franchise-System. Die GmbH betreibt ihre 95 Salons direkt, die Mehrzahl steht in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Für die Kunden bedeutet die Insolvenznachricht nicht, dass ab morgen die Ladentüren verschlossen bleiben. „Friseur Klinck bleibt geöffnet. Der Geschäftsbetrieb läuft weiter“, betont Schröder.

Der Geschäftsbetrieb soll in enger Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung, Monika und Susanne Klinck, und den Beschäftigten aufrechterhalten und fortgeführt werden. Damit die knapp 750 Mitarbeiter weiter ihren Lohn bekommen, hat Schröder nach eigenen Angaben bereits am Donnerstag die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes bei der zuständigen Arbeitsagentur in Kiel beantragt.

Mehrzahl der Klinck-Salons sind rentabel

Der Insolvenzverwalter ist zuversichtlich, dass das Familienunternehmen Klinck durch eine Restrukturierung des Filialnetzes bald wieder schwarze Zahlen schreiben kann. „Friseur Klinck ist ein Traditionsbetrieb, eine starke Marke und hat einen guten Ruf am Markt“, so Schröder.

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Die Mehrzahl der Salons von Friseur Klinck laufe gut und könne erhalten werden. Die Schere soll allerdings bei den unrentablen Läden angesetzt werden. Dort müsse ein Verkauf oder eine Schließung des Standortes geprüft werden. Nach Informationen der Kieler Nachrichten betrifft das weniger als ein Sechstel aller Klinck-Salons.

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