Soziale Spaltung wächst

In Kiel leben Arme und Reiche getrennt

Foto: 41,7 Prozent aller Menschen, die in Kiel-Mettenhof wohnen, bekommen Grundsicherungsleistungen. In Gaarden liegt der Anteil fast ebenso hoch. In diesen Stadtteilen ist der Anteil sozialgeldberechtigter Kinder noch höher: In Mettenhof sind 59,7 Prozent der Kinder arm, in Gaarden sogar 60,9 Prozent.

41,7 Prozent aller Menschen, die in Kiel-Mettenhof wohnen, bekommen Grundsicherungsleistungen. In Gaarden liegt der Anteil fast ebenso hoch. In diesen Stadtteilen ist der Anteil sozialgeldberechtigter Kinder noch höher: In Mettenhof sind 59,7 Prozent der Kinder arm, in Gaarden sogar 60,9 Prozent.

Kiel. "In Kiel kommen zwei Probleme zusammen: eine hohe Armutsquote plus eine deutliche soziale Trennung", sagt Marcel Helbig, Professor für Bildung und soziale Ungleichheit am WZB und der Universität Erfurt. Er hat die bisher umfangreichste Studie zur "sozialräumlichen Segregation" vorgelegt. Demnach ist die soziale Spaltung nur in ostdeutschen Städten ausgeprägter als in Kiel: Etwa in Rostock, Schwerin, Erfurt oder Potsdam, wo viele Hartz-IV-Bezieher in Plattenbauten wohnen. Dort sei die Dynamik der sozialen Spaltung historisch beispiellos. "Dieses Niveau kennen wir bisher nur von amerikanischen Städten", so Helbig. In Westdeutschland ist neben Kiel auch Saarbrücken besonders stark betroffen.

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Oberbürgermeister zeigt sich überrascht

„Das Thema der sozialen Entmischung ist ein großes Zukunftsproblem für unsere Stadt“, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Über den Spitzenplatz im Segregationsranking zeigte er sich „überrascht“. Der Befund sei allerdings bekannt: „Kiel ist seit Jahrzehnten eine ziemlich arme Stadt. Hier leben über 33000 Menschen von Hartz IV.“ Besonders betroffen sind Mettenhof und Gaarden, „wo sich besonders viel Armut ballt und sich die Prozesse zum Teil selbst verstärken“.

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Lage in Lübeck und Flensburg besser 

Beim Ausmaß der Segregation, also der Konzentration von Sozialgeldempfängern in den Stadtteilen, liegt Kiel im Vergleich der 74 Großstädte von 2005 bis 2014 auf Platz acht, während Lübeck zum unteren Mittelfeld (Platz 50) und Flensburg zu den vergleichsweise gut durchmischten Städten (Platz 71) zählt. Problem der Landeshauptstadt dürfte auch sein, dass die soziale Kluft weiter wächst, wohingegen sie in Lübeck stagnierte und in Flensburg sogar rückläufig war. „Wenn eine bestimmte Schwelle der Armutssegregation überschritten ist, wie in Kiel, schreitet die sozialräumliche Spaltung schneller voran“, sagt Helbig.

Auch Alt und Jung leben getrennt

Von dem Problem betroffen sind besonders arme Familien mit Kindern: In 36 Städten gibt es inzwischen Quartiere, in denen mehr als die Hälfte aller Kinder von Sozialleistungen leben. Das könne sich negativ auf die Lebenschancen auswirken und sei eine immense Herausforderung für das Bildungssystem, so Helbig. Im Bundesvergleich sei die Lage in Rostock, Berlin, Halle, Schwerin, Saarbrücken und Kiel besonders brisant. In Kiel wohnen knapp 20 Prozent aller Kinder in solchen sozialen Brennpunkten. Laut dem aktuellen Sozialbericht der Stadt Kiel haben die Stadtteile Gaarden (60,9 Prozent) und Mettenhof (59,7) den höchsten Anteil an sozialgeldberechtigten Kindern.

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