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Theodor-Heuss-Ring

Kämpfer will Jobticket in Kiel

Der Waldwiesenkreisel in Kiel: Auch mit der Einführung eines Jobtickets will die Stadt Kiel das Verkehrsaufkommen auf dem Theodor-Heuss-Ring verringern und somit die geplante Sperrung der wichtigen Abfahrt verhindern.

Der Waldwiesenkreisel in Kiel: Auch mit der Einführung eines Jobtickets will die Stadt Kiel das Verkehrsaufkommen auf dem Theodor-Heuss-Ring verringern und somit die geplante Sperrung der wichtigen Abfahrt verhindern.

Kiel. Für Ulf Kämpfer ist es im Zusammenhang mit dem Luftreinhalteplan sein „Lieblingsthema“. Mit einer Kombination aus dem bereits beschlossenen Semesterticket und einem günstigen Jobticket, das noch entworfen werden muss, hofft er, dass es mittelfristig einen spürbaren Einfluss auf die Schadstoffbelastung am Theodor-Heuss-Ring geben wird. Die Landesregierung, berichtet Kämpfer, sei sehr „aufgeschlossen“ für die Idee. „Wir werden die nächsten Wochen und Monate nutzen, um gemeinsam dafür zu werben.“ Die Stadt will mit gutem Beispiel vorangehen und „spätestens ab 1. August 2020 den städtischen Beschäftigten den Umstieg erleichtern“.

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Durchschnittliche Stickstoffdioxid-Belastung am Theodor-Heuss-Ring

Stadt Kiel hat ein Potenzial von 40.000 Berufstätigen ermittelt, die pendeln

Am vergangenen Freitag hat die Stadt, wie berichtet, dem Umweltministerium ihre Stellungnahme zum Luftreinhalteplan vorgelegt. Neben dem Einsatz von Luftfilteranlagen, mit denen die Sperrung von zwei Zufahrten und der rechten Fahrspur für Diesel-Pkw in Richtung Westen verhindert werden soll, sind die Tickets die entscheidende Veränderung im Konzeptvorschlag der Stadt. Ziel sei es, "möglichst vielen im Kieler Stadtgebiet Beschäftigten attraktive Jobtickets anbieten zu können, damit diese in relevanter Zahl auf die Fahrt zur Arbeitsstelle mit dem Pkw verzichten und den Verkehr auf dem Theodor-Heuss-Ring entlasten", heißt es in dem Schreiben von Kämpfer an Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne), der für den Luftreinhalteplan die Hauptverantwortung trägt. Die Stadt hat ein Potenzial von 40.000 Berufstätigen ermittelt, hinzu kommen die mehr als 35.000 Kieler Studenten, denen ab dem kommenden Wintersemester das landesweite Semesterticket zur Verfügung steht, mit dem der öffentliche Nahverkehr zu einem geringen Festpreis genutzt werden kann. Kämpfer hofft, große Arbeitgeber wie die Landesregierung, das Universitätsklinikum, die Christian-Albrechts-Universität, aber auch Industrieunternehmen wie Thyssenkrupp Marine Systems und dem Pharmaproduzenten KVP in Projensdorf mit ins Boot nehmen zu können. "Die Gespräche werden in den kommenden Monaten unter Einbeziehung von Nah.SH konkretisiert."

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1200 Fahrzeuge weniger am Tag senken die Stickoxid-Immissionen um ein Mikrogramm

Der geringere Schadstoffausstoß, der sich daraus ergeben könnte, wurde schon einmal beziffert. Der Jahresmittelwert für Stickoxid ließe sich mit "appellativen Maßnahmen, Jobticket und Mobilitätswende" 2020 um 1,5 Mikrogramm senken, 2021 könne mit einem Rückgang um 2,5 Mikrogramm gerechnet werden. "Das ist aus unserer Sicht sehr konservativ geschätzt", sagt Kämpfer. Dabei gilt im Rathaus die Faustregel: Ein Rückgang der täglichen Verkehrsbelastung am Theodor-Heuss-Ring um 1200 Fahrzeuge reicht aus, um die Stickoxid-Immissionen um ein Mikrogramm zu senken.

Begleitet werden soll der Umstieg auf emissionsarme Verkehrsmittel durch neue Angebote, „die sowohl für Pendler innerhalb Kiels als auch für solche aus den Umlandgemeinden interessant sind“. Kiel denkt dabei unter anderem an die Stärkung der Fördeschifffahrt – einerseits mit dem Einsatz von neuen Schiffen mit elektrischem beziehungsweise Hybridantrieb, andererseits mit der kostenlosen Fahrradmitnahme, die seit diesem Monat auf der Fährlinie F2 (Schwentinelinie) bereits erprobt wird. „Insbesondere diese Kombination hat beträchtliches Potenzial, neue Zielgruppen anzusprechen und die Zahl der Kfz-Pendler auf dem Stadtring zwischen Ost- und Westufer weiter zu reduzieren“, glaubt Kämpfer.

Bleibt die Frage, wer das alles bezahlen wird. Seit Januar gibt es eine steuerliche Freigrenze in Höhe von 44 Euro, die beispielsweise in der Finanzkonstruktion für ein Jobticket eingebaut werden kann. Sicher ist aber auch: Ohne einen kräftigen Finanzzuschuss aus der Wirtschaft und von der Landesregierung ist das Projekt zum Scheitern verurteilt. Kämpfer gibt sich aber zuversichtlich, dass die neuen Vorschläge zum Luftreinhalteplan Gehör finden. „Es zeigt, dass wir nicht nur labern, sondern tatsächlich etwas passiert.“

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