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Beinamputierter Mann

Keine Anerkennung der Schwerbehinderung

Foto: Gerhard Roch gilt trotz Beinamputation und Ausweis bei der KVG nicht als schwerbehindert. Bei seinem Kiel-Besuch begleiteten ihn Enkelin Hanna und Ehefrau Silvia Roch.

Gerhard Roch gilt trotz Beinamputation und Ausweis bei der KVG nicht als schwerbehindert. Bei seinem Kiel-Besuch begleiteten ihn Enkelin Hanna und Ehefrau Silvia Roch.

Kiel. Dieser Ausweis gelte in Deutschland nun mal nicht, habe die Mitarbeiterin am KVG-Ticketschalter erklärt. So seien eben die Vorschriften. Also kein Schwerbehinderten-Ticket für den Mann im Rollstuhl mit nur einem Bein. Daran änderte auch die offenkundige Behinderung nichts. Er musste den regulären Preis im Rahmen eines Gruppentickets zahlen. KVG und ihr Tochterunternehmen SFK halten diese Entscheidung für richtig.

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"Mit den Ausweisen wird viel Schindluder getrieben"

Wiebke Bonow, Abteilungsleiterin für ÖPNV beim städtischen Eigenbetrieb Beteiligungen, bestätigt den Sachverhalt – und das „korrekte Verhalten“ der Kassen-Mitarbeiterin: „Die Regeln sind eindeutig: So wie alle Verkehrsunternehmen in Deutschland akzeptieren auch wir nur deutsche Schwerbehindertenausweise mit Wertmarke und Angabe des Behindertengrades.“

Ein Hauptgrund für die strenge Auslegung der Vorgabe: „Mit den Ausweisen wird leider viel Schindluder getrieben.“

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Dass Missbrauch im konkreten Fall aber ausgeschlossen werden konnte, weil die Amputation des linken Beins den Schwerbehinderungsgrad unzweifelhaft nachwies, ändert nach Angaben von KVG-Geschäftsführer Andreas Schulz trotzdem nichts: „Die bestehenden Regularien lassen aus unserer Sicht keinen Ermessensspielraum zu.“

"Dürfen unseren Partnern keine Einnahmen verwehren"

Zur Begründung nennt Schulz das so genannte „Einnahmeaufteilungsverfahren“. Dabei werden die Einnahmen aus dem SH-Tarif auf alle darin zusammengeschlossenen Verkehrsunternehmen (zum Beispiel VKP, Autokraft, Regionalbahn SH) nach einem bestimmten Schlüssel verteilt.

Daraus schlussfolgert der Geschäftsführer: „KVG und SFK können keine Entscheidungen treffen, die den anderen Verkehrsunternehmen im Aufteilungsverfahren des SH-Tarifes zustehende Einnahmen verwehren.“

Im Klartext heißt das: Hätte die Dame an der Kasse trotz des "falschen Ausweises" ein Auge zugedrückt, würde das zu einem unzulässigen Einnahmeverlust bei den Partnern im SH-Tarif führen - egal, wie gering der Verlust auch ist.

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