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Matrosenaufstand 1918

Kiel auf den Spuren der Revolution

Foto: Der Flashmob fiel aus organisatorischen Gründen ins Wasser, doch im Kieler Bahnhof wurde dennoch an die Ereignisse vor 100 Jahren erinnert.

Der Flashmob fiel aus organisatorischen Gründen ins Wasser, doch im Kieler Bahnhof wurde dennoch an die Ereignisse vor 100 Jahren erinnert.

Kiel. Der Festakt mit 100 geladenen Gästen fand an historischer Stätte statt. Im Gewerkschaftshaus trafen sich Anfang November 1918 revolutionäre Matrosen, Frauen und Arbeiter, die von Krieg und kaiserlicher Obrigkeit genug hatten. Ihr Aufbegehren war eine Initialzündung für eine revolutionäre Bewegung, die am 9. November zur Abdankung von Kaiser Wilhelm II. und zur Ausrufung der ersten deutschen Republik führte.

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Kämpfer: "Weltgeschehen - made in Kiel"

"Diesen Menschen wollen wir Respekt und Anerkennung zollen für ihren unvorstellbaren Mut", sagte Frank Hornschu. Der Geschäftsführer des DGB Kiel sagte: "Wir verneigen uns vor den Errungenschaften für Frieden und Freiheit." Zugleich appellierte er, dass die Gesellschaft diese Güter heute stärker denn je verteidigen müsse. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) sprach von einem Ereignis von nationalgeschichtlicher Bedeutung: "Die Kieler Matrosen beschritten den Weg in eine freiheitliche, demokratische und entmilitarisierte Gesellschaft – auch wenn der Einsatz nicht in Gänze erfolgreich war." Die Ereignisse des 3. November 1918 bezeichnete Kämpfer als "Weltgeschehen - made in Kiel."

Landes-Bildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte, "auch heute braucht es wieder Mut, für die richtige Sache einzustehen. Daran soll uns 1918 erinnern." Diese Botschaft müsse an die junge Generation weitergereicht werden. "Für mich als Bildungsministerin bedeutet das auch die verstärkte Vermittlung von demokratischen Werten in der Schule. Wir müssen Demokratie stärker erklären und für Demokratie werben." Die Grußworte von Flottillenadmiral Christian Bock, der den Matrosenaufstand als historisches Lehrbeispiel für die Bundeswehr bezeichnete, wurden kurzfristig von Aktivisten gestört. Diese entrollten ein Transparent mit der Aufschrift "Krieg dem Terror: Nato zerschlagen" entrollten. Anschließend verließen die Demonstranten friedlich den Festsaal.

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Demonstrationen und Aktionen

Mehrere Parteien, Vereine und Organisationen luden zu Aktionen und Demonstrationen ein. So zogen am Nachmittag mehrere hundert Teilnehmer vom Platz der Matrosen am Bahnhof aus durch die Stadt. Organisiert vom Kieler Friedensforum nutzen auch Aktivisten linker Gruppierungen den Marsch zum Gedenken an den Matrosenaufstand für ihre ideologischen Parolen gegen Kapitalismus und Waffenexporte.

Bereits seit dem Vormittag waren Walter Ehlert und seine Mitstreiter der Initiative zum Erhalt des Fassadengemäldes am Iltisbunker in der City unterwegs. "Es ist absolut unverständlich, wie das Motiv ,Revolution und Krieg' ausgerechnet im Jahr des Matrosenaufstandes übermalt werden soll", so Ehlert. Die Gaardener wollen für den Erhalt des imposantes Bildes kämpfen. "Zur Not ketten wir uns am Baugerüst an", kündigte Hans-Heinrich Rohwer an.

Flashmob im Bahnhof gescheitert

Der Künstler Jakob Müller-Meernach stellte mit einer Gruppe von Schauspielern den Matrosen- und Arbeiteraufstand nach. Die historisch verkleideten Darsteller waren am Samstag in der Kieler Innenstadt unterwegs. Am Abend war im Bahnhof ein Flashmob geplant. Dafür sollte ein Schauspieler im Matrosen-Outfit in Gefolgschaft von Statisten das Abdanken des Kaisers verkünden und wie vor 100 Jahren zur Revolution aufrufen. Die Aktion des Vereins "Weimarer Republik" scheiterte allerdings, da es den Koordinatoren in Kiel offenbar nicht gelungen war, ausreichend Freiwillige für die Aktion zu mobilisieren. "Wir sind mit der Aktion in ganz Norddeutschland unterwegs. Dass es nun ausgerechnet in Kiel scheitert, ist schon ärgerlich", sagte "Matrose" Nicolas Jantosch.

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