Oberbürgermeisterwahl

Kieler Grüne hadern mit Ulf Kämpfer

Foto: Ulf Kämpfer (SPD)

Ulf Kämpfer (SPD): Ein Selbstgänger ist es nicht, dass die Kieler Grünen ihn zur Oberbürgermeisterwahl am 27. Oktober unterstützen.

Kiel. Die Sache ist noch nicht in trockenen Tüchern. Nach der Empfehlung ihrer Findungskommission, wonach die Kieler Grünen zur Oberbürgermeisterwahl am 27. Oktober die Kandidatur des SPD-Amtsinhabers Ulf Kämpfer (46) unterstützen sollen, formiert sich an der grünen Basis Widerspruch.

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Viele finden, nach dem Erfolg der Grünen bei der Europawahl mit 37 Prozent in Kiel – mehr als CDU und SPD zusammen – müsse die Partei mit einer eigenen OB-Kandidatur Flagge zeigen. Und manche hadern schlicht mit Kämpfer. Eine Mehrheit für ihn bei der Mitgliederversammlung der Kieler Grünen am Sonnabend erscheint noch nicht sicher.

Grüne Jugend führt den Widerstand gegen Kämpfer an

„Wir finden Ulf Kämpfer als Kandidaten nicht sehr gut“, sagt der politische Geschäftsführer der Grünen Jugend, Luca Köpping (22). Er wünsche sich „wesentlich mehr Mut“, wenn es darum geht, die Klimaziele zu erreichen. Die Jugendorganisation will bei einem Treffen heute Abend ihre Haltung bündeln.

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Köpping äußert seine Enttäuschung darüber, dass keine Grüne und kein Grüner sich zur Kandidatur bereit gefunden habe. Die Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg (34) und der Landtagsabgeordnete Lasse Petersdotter (29) bestätigen, dass sie gefragt worden sind. Sie hätten eine Kandidatur erwogen, aber abgesagt.

Luise Amtsberg traut sich das Oberbürgermeisteramt durchaus zu

„Bei so einer Möglichkeit winkt man nicht einfach ab“, sagt Amtsberg. „Kiel ist eine Hammer-Stadt und hat Potenzial ohne Ende.“ Sie traue sich das Amt zu und schließe eine Kandidatur für die Zukunft nicht aus. Aber „ich habe vor zwei Jahren mein Bundestagsmandat angenommen“. Sie sei „dafür gewählt, in Berlin Politik zu machen, auch für Kiel.“

Lasse Petersdotter will "nicht gleich das nächste coole Amt anstreben"

Ähnlich äußert sich Petersdotter. „So eine Option sollte man nicht gleich ablehnen“, sagt er. Die Grünen seien in Kiel derzeit „in der historisch besten Ausgangslage“. Er sei aber mit Leib und Seele Parlamentarier. Auch er habe sein Mandat erst vor zwei Jahren angetreten und wolle „nicht gleich das nächste coole Amt anstreben“. Zudem seien in der Jamaika-Koalition „eine linke Stimme“ und „eine Kieler Stimme“ wichtig. Seine.

Der Preis für Kämpfer ist grüne Politik in Kiel

Beide nennen unumwunden den Preis, den Kämpfer für die Unterstützung der Grünen zahlen müsse: grüne Politik.

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„Kämpfer muss liefern“, sagt Petersdotter und nennt den Bestand der Kulturwerkstatt Alte Mu, die ökologische Kreuzfahrt, eine Verkehrswende mit Vorrang für Fahrrad, Fähre, Bus und Bahn. Kämpfer müsse zudem „die Armutskrise in Kiel“ beherzter bekämpfen. „Erstaunlich, dass man einem Sozialdemokraten das sagen muss.“ Er habe aber „Vertrauen, dass Kämpfer die Zeichen der Zeit erkannt hat.

Amtsberg fordert Ein-Euro-Ticket und Stadtbahn für Kiel

Amtsberg ist da nicht so sicher. Sie nennt kritisch frühere Konfliktfelder wie Flughafen Holtenau, „das schreckliche Hotel“ an der Sparkassen-Arena und das Gewerbegebiet Meimersdorf, die Kämpfer gegen den Willen der Grünen durchgezogen habe. Und bei Kommunalwahlen sein Konterfei auf SPD-Plakate zu kleben, „sollte er sich auch nicht noch mal leisten“, sagt Amtsberg.

Sie nennt aber auch aus ihrer Sicht positive Beispiele der Zusammenarbeit wie den Klimanotstand, den sicheren Hafen für gestrandete Flüchtlinge und mehr Geld für ÖPNV und Radwege. Jetzt gehörten das Ein-Euro-Ticket und die Stadtbahn auf die Agenda.

Petersdotter erinnert daran: „Wir hätten Kämpfer das Leben auch schwer machen können.“ Möglich, dass die grüne Basis das auf der Mitgliederversammlung übermorgen noch tut. Der grüne Ratsherr Arne Stenger sagt: „Bei unserer Partei weiß man nie.“

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