Newsletter „Kiel mittendrin“

Krisen für die Schulbücher

Liebe Leserinnen und Leser,

für 2105 Kinder aus Kiel hat an diesem Mittwoch ein großes Abenteuer begonnen: die Schule. Da, wo ich herkomme - aus NRW -, nennen wir die Schulanfänger i-Dötzchen. Das Dötzchen ist im rheinischen Dialekt ein kleines Kind, das „i“ wurde davor gesetzt, weil der Buchstabe früher in der Vermittlung der Schreibschrift der erste war, den die Erstklässler lernten. Meine Kollegin Rieke Beckwermert war zum Schulstart an der Gerhart-Hauptmann-Schule in Kiel und hat nachgefragt, was die kleinen i-Dötzchen denn einmal werden wollen. Die Antworten sind so süß wie vermutlich der Inhalt mancher Schultüten. Nur in einem Fall überwiegt das Kalkül einer guten Bezahlung - aus dem Munde eines Sechsjährigen ist aber auch das schon wieder sehr niedlich.

Bis die heutigen Schulanfänger in ihr Berufsleben starten, werden die Krisen von heute hoffentlich gelöst sein. Über die eine oder andere werden die ABC-Schützen aber sicherlich noch etwas in der Schule lernen - so zum Beispiel über die Flüchtlingswelle im Jahr 2015, als knapp eine Million Migranten in Deutschland registriert wurden. Einer von ihnen ist Ghaith Agha. Er lebt seit sechs Jahren in Kiel und möchte nun - wie viele hundert weitere in Kiel wohnende Geflüchtete - eingebürgert werden. Doch so einfach ist das nicht: Selbst wer bereits alle Formalitäten erfüllt, muss lange warten, weil es in der Verwaltung an Mitarbeitern fehlt. Die Stadt reagierte nun: Sie stellte neues Personal ein und wünscht sich Unterstützung vom Land Schleswig-Holstein. Wann Ghaith Agha den deutschen Pass in den Händen hält, hängt also in erster Linie nicht von seiner Integrationsfähigkeit ab, sondern von der Belastbarkeit der Einbürgerungsbehörde.

Ein historisches Ereignis, das sicher auch im Schulunterricht Thema sein wird, ist die Machtübernahme der Taliban. Seit einem Jahr haben sie in Afghanistan das Sagen. Ein weit entfernter Konflikt? Mitnichten. Für einige Kielerinnen und Kieler prägt die Machtergreifung den Alltag. 70 von ihnen demonstrierten am Sonntag für die Aufnahme von Afghanistan-Flüchtlingen, zudem erzählte uns Marziya Ahmadi vom Flüchtlingsrat in Kiel ihre Geschichte, wie es ist, ständig Angst um die eigenen Eltern und den Bruder zu haben.

Nicht zu vergessen: die Gaskrise. Ob im Winter ausreichend Gas vorhanden sein wird, und falls ja, welche Folgen die hohen Kosten für Kommunen und Privatleute haben werden, sind unabsehbar. Eine gute Nachricht kommt zumindest von den Stadtwerken Kiel: Der einzige Gasspeicher in Schleswig-Holstein, genauer gesagt in Kiel-Rönne, ist zu mehr als 85 Prozent gefüllt. Grund zur Erleichterung ist dies allerdings nicht, wie Stadtwerke-Sprecher Sönke Schuster meiner Kollegin Greta Weber erklärte.

Aber mal ehrlich: In Wahrheit hoffen wir doch zusammen mit den 2105 Schulanfängern dieses Jahrgangs, dass sie zwar ein Bewusstsein für die Krisen dieser Welt bekommen, um als mündige Bürger durchs Leben zu gehen, aber dass sie auch in den mindestens neun kommenden Jahren ganz viel Freude am Lernen und der Schule haben. Daran, Freunde und sich selbst zu finden, erste Pläne zu schmieden und sie zu verwerfen.

Das schreibt ein einstiges i-Dötzchen!

 

Bauprojekt der Woche

Das vielleicht spannendste Wohnungsbauprojekt in Kiel nimmt Gestalt an. 800 Wohneinheiten sollen auf dem ehemaligen Post-Gelände im Karlstal von Gaarden entstehen. Die Planer versprechen 30 Prozent Sozialwohnungen und sehr viel Grün.

 

Gastro-Tipp der Woche

Mit seinem Eisfahrrad an der Kiellinie mischt Konstantin Schlecht seit dieser Saison die Kieler Schleckszene auf. Bei seinem Start-up Vicecream setzt der ehemalige Giovanni-L.-Produktentwickler auf reine Zutaten und verzichtet auf Aromen, Pulvermischungen – und tierische Produkte.

 

Zitat der Woche

„Mich stresst es eher, wenn ich auf der Wache sitze und keinen Einsatz habe.“

Sabine Jobmann, neue Chefin der Zentralen Notaufnahme am Städtischen Krankenhaus (SKK), die für mehrere Millionen Euro modernisiert wurde.

 

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Meine Kieler Lieblingsgeschichte

Meine Taufe liegt nun schon 37 Jahre zurück, wenige Monate war ich damals alt. Meine Erinnerung beschränkt sich damit auf Fotos. Umso interessierter habe ich die Geschichte meiner Kollegin Kristiane Backheuer gelesen: Sie porträtiert darin Mareike Laumert, 42 Jahre alt, die als Erwachsene zu Gott gefunden hat - und sich am vergangenen Sonnabend beim großen Fest am Skagerrakufer taufen ließ.

 

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Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend,

Dennis Betzholz, Stellvertretender Leiter der Kieler Lokalredaktion

 

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