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Neue Chefin im Krankenhaus

Millionenschwere Modernisierung: Notaufnahme im Städtischen stellt sich in Kiel neu auf

Die neue Chefin der Zentralen Notaufnahme am Städtischen Krankenhaus in Kiel, Dr. Sabine Jobmann, im neuen, modern ausgestatteten Schockraum.

Die neue Chefin der Zentralen Notaufnahme am Städtischen Krankenhaus in Kiel, Dr. Sabine Jobmann, im neuen, modern ausgestatteten Schockraum.

Kiel. Viele Schlagzeilen gab es zuletzt über die Kieler Notaufnahmen. Oft ging es darin um Überlastung durch Corona. Jetzt geht es wieder bergauf – und das Städtische Krankenhaus Kiel (SKK) präsentiert eine modernisierte Zentrale Notaufnahme (ZNA), mit der das Team um die neue Chefärztin der Klinik für Akut- und Notfallmedizin, Dr. Sabine Jobmann, die Versorgung der Patienten „noch besser“ stemmen will, wie sie sagt. Im laufenden Betrieb war die ZNA für die Dauer etwa eines Jahres umgebaut worden.

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Große, helle Wartebereiche und Behandlungszimmer, breite, aufgeräumt wirkende Flure und eine ruhige Atmosphäre, obwohl das Team viel zu tun hat an diesem Dienstag. „Man fühlt sich willkommen“, schwärmt Jobmann bei einem Rundgang. Im Fokus der millionenschweren Umgestaltung standen erneuerte Räumlichkeiten mit Unterteilung in „Units“ (Bereiche), die unterschiedliche Funktionen haben, sowie die Ausstattung mit zusätzlicher moderner Medizintechnik.

Laut Geschäftsführer Roland Ventzke gibt es nun mehr Behandlungsplätze und Räume als zuvor. Die Umbauten und organisatorischen Veränderungen sorgten für mehr Funktionalität und Effizienz. Notfallpatienten sind jetzt nach Betreten der Klinik über den Haupteingang nach wenigen Metern in der ZNA“, so Ventzke. Ambulante Patienten und Erkrankte, die mit dem Rettungswagen kommen, werden noch stärker voneinander getrennt.

An einem großen Monitor in der Zentrale laufen alle Daten überwachter Patienten ein.

An einem großen Monitor in der Zentrale laufen alle Daten überwachter Patienten ein.

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Das Konzept sieht nun zwei Wartebereiche für ambulante Patienten mit zwei „Sichtungsräumen“ vor. Dort wird die Dringlichkeit der Behandlung festgestellt. Es gibt sieben Einzelbehandlungsplätze mit zentraler Monitorüberwachung. Liegt ein Patient mit einer Herzrhythmusstörung in einem der Zimmer, sieht man ihn im Pflege-Stützpunkt auf einem großen Monitor. Der gibt im Notfall über schrille Pieptöne Alarm. Die Zentrale ist Sprecherin Birgitt Schütze-Merkel zufolge das Herz der ZNA.

Städtisches Kiel: „Herz der Notaufnahme ist der Pflegestützpunkt“

In der neuen „Decision-Unit“ (Übergangs-Bereich) mit sieben Betten werden Patienten überwacht, die nicht entlassungsfähig sind oder auf Untersuchungsergebnisse warten. Darüber hinaus gibt es zwei Operationsräume, einen Gipsraum und einen Schockraum, auf den rote große Lettern hinweisen, ausgestattet mit einem Beatmungsgerät nach neuestem Standard.

Team der Notaufnahme am Städtischen Krankenhaus Kiel im Pflegestützpunkt.

Team der Notaufnahme am Städtischen Krankenhaus Kiel im Pflegestützpunkt.

Mit der Modernisierung wurde auch eine Anbindung zur bestehenden „Chest-Pain-Unit“ (Brustschmerz-Ambulanz) geschaffen. Das ZNA-Pflege- und Ärzteteam umfasst insgesamt 50 Fachkräfte aus den internistischen und chirurgischen Disziplinen.

Neue Chefärztin trat Dienst während des Notstands nach der Kieler Woche an

Sabine Jobmann hat am 1. Juli im Städtischen angefangen – und war direkt gefordert. Die 54-Jährige startete ausgerechnet während der Phase des Notstands nach der Kieler Woche. Corona hatte in Kieler Kliniken nicht nur für massive Personalausfälle gesorgt, sondern auch zu überfüllten Notaufnahmen geführt.

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Solche Probleme treffen die frühere Direktorin der Klinik für Akut- und Notfallmedizin im Klinikum Darmstadt „nicht unerwartet“. Die Corona-Pandemie bestehe nun mal aus Wellen. Man müsse mit angespannten Lagen rechnen. „Die Knappheit an Ressourcen, Betten, Personal und Ausrüstung ist zur Routine geworden. Der Ausnahmezustand ist Normalzustand“, sagt die Fachärztin für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie mit diversen Zusatzqualifikationen.

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Sabine Jobmann im Städtischen Krankenhaus Kiel: „Ich habe immer einen Plan B in petto“

Die Unvorhersehbarkeit ist für die Ärztin sogar das, was sie an ihrem Beruf reizt: „Ich bin Vollblut-Notfallmedizinerin. Mich stresst es eher, wenn ich auf der Wache sitze und keinen Einsatz habe.“ Man müsse jederzeit flexibel sein, immer einen Plan B in petto haben. Jobmann: „Ich mag es, schnelle Entscheidungen zu treffen.“

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Die Entscheidung, von Darmstadt nach Kiel zu wechseln, traf sie gemeinsam mit ihrem Mann. „Ich habe die Anzeige im Ärzteblatt gesehen, und die hat mich einfach angesprochen“, erzählt die gebürtige Hamburgerin. Die Lage Kiels an der Ostsee habe dazu beigetragen: „Wir segeln beide und haben ein Boot.“

Ihre Expertise in der Notfallmedizin hat in Kiel offensichtlich überzeugt. Der Ärztliche Direktor des SKK, Sebastian Ullrich, sieht die Neuaufstellung mit Jobmann als „großen Schritt“. Die größten Herausforderungen der modernen Notfallmedizin seien das Verkürzen von Wartezeiten und das Herausfiltern von schwerkranken Patienten. Mit Sabine Jobmann soll das nun effizienter sichergestellt werden. Auch in der angrenzenden Interdisziplinären Kurzlieger-Aufnahmestation (INKA), für die sie nun verantwortlich ist.

Notaufnahme des Städtischen wurde für 5,3 Millionen Euro modernisiert

Die Modernisierung der ZNA hat nach Angaben der Klinik insgesamt Kosten in Höhe von 5,3 Millionen Euro verursacht und wurde vom Land mit knapp vier Millionen Euro gefördert – aus Sicht von SKK-Geschäftsführer Roland Ventzke war das Projekt „eine dringend notwendige Maßnahme“.

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