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Kundgebung am UKSH

„Mit Science statt Fiction“: Darum protestieren Medizinstudierende in Kiel

„Impfen statt Schimpfen“ – auch mit diesem Plakat wollten Amos Weichberger und Greta Berges von der Fachschaft Medizin der Kieler Universität bei der Kundgebung gegen Wissenschaftsfeindlichkeit ein Zeichen setzen.

„Impfen statt Schimpfen“ – auch mit diesem Plakat wollten Amos Weichberger und Greta Berges von der Fachschaft Medizin der Kieler Universität bei der Kundgebung gegen Wissenschaftsfeindlichkeit ein Zeichen setzen.

Kiel. Der Tag der Befreiung von Auschwitz war der Tag, an dem die beiden Kieler Medizinstudenten Greta Berges (22) und Amos Weichberger (21) entschieden: Sie wollen nicht länger fassungslos zusehen. Zusehen, wie Impfgegner und Wissenschaftsleugner durch die Straßen Kiels ziehen. Am 27. Januar dieses Jahres marschierten Querdenker „in unverschämter Weise direkt am UKSH entlang“, empört sich Amos Weichberger.  Darum haben Weichberger und Berges eine eigene Kundgebung organisiert – eine „für die Wissenschaft, Aufklärung und Fakten“.

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Der erste Anlauf für eine Kundgebung der Nachwuchsmediziner am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) wurde Mitte Februar durch einen heftigen Sturm ausgebremst. Nun, einige Wochen später, ist die Welt eine andere. Inzwischen wird die Corona-Pandemie vom Ukraine-Krieg überschattet.

Doch es gibt eine Verbindung zwischen diesen beiden Krisen. Nach wie vor gibt es sogenannte Querdenker-Aktionen, auch in Kiel, erst Ende März wieder. Inzwischen, so wird beobachtet, mischen sich jedoch auch Befürworter des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine unter die Querdenker, und das bundesweit.

Greta Berges und Amos Weichberger haben ihre ursprünglichen Pläne für die Kundgebung daher etwas angepasst und rufen nun zur Teilnahme an der neuen Aktion auf: am Donnerstag, 7. April, ab 19 Uhr auf dem Kieler Campus des UKSH. „Wir erwarten 200 bis 300 Teilnehmer, aber wir freuen uns auch über noch mehr Unterstützer“, sagt Greta Berges.

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Medizinstudenten hoffen auf mindestens 200 Teilnehmer an Kieler Kundgebung

Ihre Antworten auf Parolen von Querdenkern, Wissenschaftsleugnern und Kriegsbefürwortern kann man jetzt am Donnerstag im Foyer des Quincke-Forschungszentrums hören. Sie lauten „Impfen statt Schimpfen“ oder „Mit Science statt Fiction“ – ein Hinweis darauf, dass Fake News, also gefälschte Nachrichten, in der Corona-Pandemie und im Ukraine-Krieg Menschen beeinflussen. Dem wollen die beiden Studenten wissenschaftliche Belege und Fakten entgegenhalten.

Eine Schweigeminute für die Menschen aus der Ukraine, die wegen des Kriegs fliehen mussten, die Angehörige verloren haben oder verstorben sind, ist ebenfalls eingeplant. „Wenn man aktuell den Blick in die Welt richtet, denken wir alle zuerst an den Krieg in der Ukraine und an die zu bewältigenden Folgen. Deshalb möchten wir das bei unserer Demonstration auch tun“, sagt Greta Berges.

Berges und Weichberger sind dabei nicht allein. Beide engagieren sich in der Fachschaft Medizin der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU). Mit Unterstützung vieler Kommilitoninnen und Kommilitonen, der Medizinischen Fakultät und des UKSH haben die Nachwuchsmediziner die öffentliche Kundgebung organisiert. Sie wollen nicht nur protestieren, sondern auch werben – für das Vertrauen in Wissenschaft und Medizin. Als „weißes Lichtermeer“ soll dieses Zeichen am CAU-Hochhaus auch sichtbar werden. Das studentische Lichtkunst-„Project Lighthouse“ will das Gebäude hell erstrahlen lassen.

Kieler Medizinstudenten über den Protest: „Es muss was passieren!“

Denn die Zeit ist aus Sicht von Berges und Weichberger mehr als reif für ein deutliches Signal. „Es muss was passieren!“, betont die 22-jährige Greta Berges. „Wer mit Rechten auf die Straße geht und Menschen durch Wissenschaftsverleumdung Angst bereitet, der muss mit Protesten, muss mit Gegenwind rechnen.“

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Auch er wird am Donnerstag bei der Kundgebung des Medizin-Nachwuchses in Kiel einen Redebeitrag leisten: Joachim Thiery, Dekan der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Vorstandsmitglied für Forschung und Lehre des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH).

Auch er wird am Donnerstag bei der Kundgebung des Medizin-Nachwuchses in Kiel einen Redebeitrag leisten: Joachim Thiery, Dekan der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Vorstandsmitglied für Forschung und Lehre des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH).

Motto der Aktion, zu der auch Professorinnen und Professoren der CAU Redebeiträge zugesagt haben: „Wissenschaftlich arbeiten statt mit Rechts spazieren“. Mit von der Partie sind am Donnerstag unter anderem der Dekan der Medizinischen Fakultät, Joachim Thiery, sowie der Direktor des Biochemischen Instituts, Paul Saftig.

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Medizinstudent Amos Weichberger erinnert sich noch gut an den Abend des 27. Januar, als die Kieler Querdenker-Szene auf der Feldstraße am UKSH-Campus entlangläuft – „ein Riesen-Mob und ohne Maske“. Wie er mit Freunden fassungslos daneben steht. Wie zwei Pfleger ihn und seine Freunde ansprechen: „Ihr seid da doch nicht etwa mitgelaufen, oder?“

Weichberger: Zug der Corona-Leugner am UKSH vorbei war „Grenzüberschreitung“

Für Weichberger ist damit der Punkt erreicht, an dem er nicht mehr schweigen will: „Das war eine Grenzüberschreitung, an diesem Ort, an dem seit fast zwei Jahren besonders auf den Intensivstationen gegen Corona gekämpft wird.“

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Dabei wird deutlich: Corona berührt schon jetzt das Studium des Medizin-Nachwuchses in Kiel. Greta Berges hat noch im Februar eine Klausur im Bereich Immunologie und Infektiologie geschrieben. In der Vorbereitung setzte sie sich auch mit neuen Covid-Leitsymptomen wie Übelkeit und Appetitlosigkeit auseinander. Das Lernen hat sich gelohnt, wie Berges nun berichtet: Sie hat die Klausur „mit sehr gutem Erfolg bestanden.“

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