Rotkreuzmarkt am Dreiecksplatz

Hilfe gesucht: Wie Ehrenamtliche einen Second-Hand-Laden in Kiel am Leben halten

Christine Machemehl arbeitet ehrenamtlich im Rotkreuzmarkt am Dreiecksplatz. Viele gespendete Kleidungsstücke gehen zuerst durch ihre Hände, bevor sie im Laden hängen.

Christine Machemehl arbeitet ehrenamtlich im Rotkreuzmarkt am Dreiecksplatz. Viele gespendete Kleidungsstücke gehen zuerst durch ihre Hände, bevor sie im Laden hängen.

Kiel. Kleiderbügel mit T-Shirts, Blusen und Pullovern tauchen die Wände des Raumes in ein buntes Meer. Es ist die Zentrale eines besonderen Second-Hand-Ladens in Kiel: Hier sortieren Ehrenamtliche wie Christine Machemehl Kleiderspenden, suchen nach Waren, die sie im Rotkreuzmarkt am Dreiecksplatz verkaufen können. Aktuell haben sie besonders viel zu tun – wegen des Ukraine-Krieges.

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Die Rotkreuzmärkte sind eine Institution in Kiel. 2001 wurde aus der DRK-Kleiderkammer der erste Laden, mittlerweile gibt es vier in der Landeshauptstadt: am Dreiecksplatz, in Friedrichsort, Mettenhof und Dietrichsdorf. Das Konzept: Menschen können Kleidung, Geschirr oder Spielzeug in den Märkten spenden. Diese werden im Geschäft günstig verkauft, die Erlöse kommen dem Kinderhilfsfonds Kiel zugute. Einkaufen darf hier jeder.

Rotkreuzmarkt in Kiel: Spendenbereitschaft besonders hoch

Freitagmorgen. Es ist Leben im Geschäft am Dreiecksplatz. Während mehr als ein Dutzend Menschen im Verkaufsraum nach Schnäppchen Ausschau halten, hat sich im hinteren Raum ein Berg aus drei Koffern, mehr als einem Dutzend Tüten und vielen Kleidungsstücken aufgestapelt. „Das ist noch wenig“, sagt Karla Kurzer. „Oft ist der Berg doppelt so hoch.“

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Kurzer ist Marktleiterin am Dreiecksplatz, eine von zwei hauptamtlichen Angestellten. Die anderen 24 Kräfte, die in der Woche abwechselnd Vier-Stunden-Schichten übernehmen, machen das ehrenamtlich. Durch Corona ist die Zahl der Freiwilligen zurückgegangen. Ausgerechnet jetzt. Jetzt, wo der Ukraine-Krieg dafür sorgt, dass sich „die Arbeit verdreifacht hat“.

Ukraine-Flüchtlinge bekommen in Kiel Gutscheine für Rotkreuzmarkt

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: die Spendenbereitschaft ist so hoch wie lange nicht mehr, der Bedarf ebenfalls. In dem Laden kann man seit einigen Wochen viel Ukrainisch aufschnappen.

Geflüchtete aus der Ukraine bekommen bei der Registrierung in Kiel zwei Gutscheine für die Rotkreuzmärkte, am Dreiecksplatz haben die Ehrenamtlichen an einem Tag oft 20 dieser Gutscheine in der Hand, übersetzen mit Sprach-Apps, sprechen Englisch, finden spontane Dolmetscher. Ein Erfolgsmodell, das aber mit Personalmangel zu kämpfen hat.

Die gespendete Ware wird nach Durchsicht an Kleiderstangen aufgehängt – oder in Kisten verstaut. So kommt die Winterkleidung ins Lager im Keller, bis zur nächsten Wintersaison.

Die gespendete Ware wird nach Durchsicht an Kleiderstangen aufgehängt – oder in Kisten verstaut. So kommt die Winterkleidung ins Lager im Keller, bis zur nächsten Wintersaison.

An diesem Morgen arbeiten sie zu viert im Laden, eine gute Besetzung. Oft sind es weniger. 24 Ehrenamtliche reichen nicht aus. „Eigentlich bräuchten wir 40“, sagt Kurzer. Heute ist eine Kraft im Verkauf und drei in der eigentlichen Zentrale, dort, wo das Warenangebot vorbereitet wird. Christine Machemehl ist dabei sehr routiniert, engagiert sich schon seit 2005 in den Rotkreuzmärkten.

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Ehrenamtliche sortieren und bewerten Kleiderspenden in Kiel

Stück für Stück holt Machemehl gespendete Kleidung aus einer Tüte, legt eine Bluse mit Blumen auf ihren Arbeitstisch. „Zu zerknittert und auch noch dreckig“, kommentiert sie, packt die Bluse in eine andere Plastiktüte unter dem Tisch. Aussortiert. Nichts für den Laden. Die Zeit und das Geld zum Bügeln, für die Reinigung ist gar nicht da. Die Tüte mit der Bluse wird später abgeholt und zu einer Kleiderverwertung gebracht.

Rotkreuzmärkte: So können Sie helfen

Wer sich ehrenamtlich in den Rotkreuzmärkten engagieren will, kann sich entweder direkt im jeweiligen Markt melden oder eine E-Mail an wehleit@drk-kiel.de schicken. Idealerweise sollte man mindestens vier Stunden in der Woche arbeiten können. Spenden können direkt in den Second-Hand-Geschäften abgegeben werden – sowohl Kleidung als auch Haushaltswaren, Dekorationsartikel und Bücher. Weitere Informationen dazu unter www.drk-kiel.de.

Weiter geht’s. Ein buntes T-Shirt. Sieht besser aus. Machemehl holt einen Kleiderbügel, befestigt ein Preisschild am T-Shirt, 3,90 Euro soll es im Laden kosten. Für die Kleidung gibt es Listen mit Preisspannen, innerhalb derer die Machemehl den Preis dann festlegen kann.

Rotkreuzmarkt in Kiel braucht Unterstützung

Gespräche, gute Stimmung im Team („Hier gibt es keinen Konkurrenzkampf“), immer wieder neue Überraschungen im großen Spendenberg, etwas Gutes tun, Spaß haben: Es gibt viele Gründe, warum die 64-Jährige ehrenamtlich im Markt arbeitet. „Sonst würde ich das ja auch nicht seit 17 Jahren machen“, sagt sie.

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Aber: Es braucht weitere Unterstützung. Junge Leute, die die Treppen in den Keller leichter gehen können, wo aktuell unter anderem die Winterware gelagert wird. „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir junge Menschen für das Ehrenamt begeistern können“, sagt Valeska Wehleit, Leiterin der Rotkreuzmärkte in Kiel. Langweilig wird es in der Kleider-Zentrale am Dreiecksplatz wohl nie werden.

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