Pure Lebensfreude auf der Förde

Rudern gegen Krebs in Kiel: Benefizregatta auf der Förde

Eins der fast 50 Boote, die bei der Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“ am Sonnabend starten.

Eins der fast 50 Boote, die bei der Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“ am Sonnabend starten.

Kiel. Nachdem die Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“ 2020 wegen Corona ausfallen musste und 2021 wegen heftigen Sturms die Kräfte an Land und auf Ergometern gemessen wurden, kehrte am Sonnabend ein Stück Normalität auf die Förde zurück. Rund 50 Mannschaften starteten bei Sonnenschein und „Schiebewind“ in Gig-Doppelvierern zur 350 Meter langen Strecke entlang der Kiellinie zwischen dem Geomar Helmholtz-Zentrum und Reventloubrücke.

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„Die Euphorie war im vergangenen Jahr größer, weil das Wettkampffeld an den Ergometern kleiner war und die Mannschaften sich besser anfeuern konnten. Das war eine Mordsstimmung“, sagte Mitorganisator Rolf Kalippke. Doch Ruderer gehören nun mal aufs Wasser – und da wollten in diesem Jahr auch wieder alle hin.

Und so ging es für die rund 50 Mannschaften mit jeweils vier Ruderern und einer Steuerfrau oder einem Steuermann auf die Förde. Bei „Sonnenschein und Schiebewind, also Wind von achtern“, sagte Vorsitzender Bernd Klose vom Ersten Kieler Ruder-Club von 1862, der sich alljährlich bei der Organisation der Benefizregatta mit der Rudergesellschaft Germania abwechselt.

Sport tut gut, wenn man Krebs hat: Catarina Christiansen (links) und Birgit Wagner.

Sport tut gut, wenn man Krebs hat: Catarina Christiansen (links) und Birgit Wagner.

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Das traditionelle Ruderevent fand bereits zum zwölften Mal statt. Ziel ist, das kostenfreie Sportprogramm für Krebspatientinnen und Krebspatienten im Städtischen Krankenhaus Kiel finanziell zu unterstützen. Astrid Schultz trainiert seit 2014 als zuständige Sporttherapeutin mit ehemaligen und aktuellen Tumorpatienten funktionelle Bewegungstherapie, Pilates, Aquafit, Gerätetraining und Stretching.

Zudem bietet die „Rudergesellschaft Germania Kiel“ den Patienten ganzjährig ein kostenreduziertes Rudertraining an. Julia Cuntze leitet die Rudersparte für Krebspatienten. „Es gab in diesem Jahr viele Krankmeldungen bei den Ruderern insgesamt. Vielleicht ist bei manchen nach Corona auch einfach der Akku leer“, sagt sie. Ihren Patienten hat die Regatta in diesem Jahr wieder viel Mut gemacht.

„Es ist total aufregend und macht einen riesigen Spaß“, sagt Caterina Christiansen. Sie überstand den Knochenmarkkrebs und ist seit einem Jahr dabei, Birgit Wagner ist nach ihrer Brustkrebserkrankung bereits zum dritten Mal am Start. „Toll, dass die Ruderer so ein Zeichen für uns und gegen den Krebs setzen“, sagt sie. Mit den anderen Patienten hat sie auch über den Winter trainiert. „Der Krebs tritt dabei in den Hintergrund, man hat wieder Termine und trifft Menschen, die Humor haben und sehr lebensbejahend sind.“

Sport schenkt Lebensfreude: Michaela Senkara (links) und Johanna Siegmanski mit Julia Cuntze, die das Training leitet.

Sport schenkt Lebensfreude: Michaela Senkara (links) und Johanna Siegmanski mit Julia Cuntze, die das Training leitet.

Michaela Senkara erlitt eine Lymphomerkrankung und freut sich über die Vielfalt der Angebote für Krebspatienten. „Die Gruppen sind so herzlich und offen, man macht einfach das, was man machen kann.“ Johanna Siegmanski trägt „seit 2013 einen Hirntumor in mir. Ich freue mich, dass ich durch den Sport wieder zu Kräften gekommen bin und dass der Krebs nicht so das Thema ist“. Ähnlich sieht es Michaela Senkara: „Viele denken, wir haben die Lebensfreude verloren, aber das stimmt nicht. Wir betrachten die Dinge nur anders und freuen uns gerade über die Kleinigkeiten.“

Kooperationspartner des Projektes „Sport und Krebs“ sind das Städtische Krankenhaus Kiel, die Stiftung „Leben mit Krebs“ und die Kieler Rudervereine. Hauptsponsoren sind in diesem Jahr mit 10.000 Euro die Stadtwerke Kiel und mit 5000 Euro die Stiftung R.SH hilft helfen, ebenso wird es von vielen Sponsoren aus der Region unterstützt. Seit zwölf Jahren ist die Regatta mit Einsteigern, Experten, Schülern- und Patientencrews ein wichtiges Highlight, um das Netzwerk zu stärken und ein Zeichen im Kampf gegen den Krebs zu setzen.

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Voller Einsatz für Menschen mit einer Krebserkrankung

Die Kollegen der Firma Voith, einem Service für Schienenfahrzeuge, feierten vor sechs Jahren das 150-jährige Bestehen des Betriebes. „Da haben wir beschlossen, uns an einer Aktion zu beteiligen, die für andere wichtig ist“, sagte Frank Grünthal, mittlerweile zum vierten Mal dabei. Mit seiner Gruppe Paddeldaddeldu trainierte er vier Mal, bevor es auf die Förde ging. „Jeder hat jemanden, in der Familie oder im Freundeskreis, der an Krebs erkrankt ist. Da war es nicht schwer, die Kollegen zu überreden, bei der Regatta mitzumachen.“

Starteten als Paddeldaddeldu: (von rechts) Die Kollegen Karolin, Mashhoud, Frank, Martin, Johannes, Ralf und Marcus von der Firma Voith.

Starteten als Paddeldaddeldu: (von rechts) Die Kollegen Karolin, Mashhoud, Frank, Martin, Johannes, Ralf und Marcus von der Firma Voith.

Bei den Schülern gewann die Humboldtschule, gefolgt von Max-Planck-Schule und Hebbelschule. Bei den Patienten hatten die Förde Delfine die Nase vorn, vor den Förde Makrelen und den Förde Heringen. Beim Einsteigerfinale siegten die Zwingmanns CAUlquappen, die Stadtwerke 1 belegten den zweiten Platz und die Fibrelights den dritten. Als Experten unter den Ruderern belegte der Silberpfeil den ersten Platz, gefolgt von den Wubke Mädels und den Geodatenme(e)r.

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