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Debatte an der CAU Kiel

Schleierverbot: Knapp am Eklat vorbei

Foto: Volles Haus an der CAU Kiel bei der Diskussion zum Thema "Vollverschleierung an der Universität - Grenze der Toleranz?"

Volles Haus an der CAU Kiel bei der Diskussion zum Thema "Vollverschleierung an der Universität - Grenze der Toleranz?"

Kiel. Gleich zu Beginn der vom Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) organisierten Veranstaltung mit dem Titel "Vollverschleierung an der Kieler Universität - Grenze der Toleranz?" legte ein Asta-Mitglied die gemäßigte Tonlage der Podiumsdiskussion fest: Ganz bewusst habe man keinen Islamwissenschaftler eingeladen: "Denn der Fokus soll auf Toleranz liegen und nicht auf dem Islam".

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Kein Islamwissenschaftler in Kiel auf dem Podium

Entsprechend tolerant gaben sich auch die geladenen Experten. So machte der Rechtswissenschaftler und Spezialist für Verfassungsrecht, Prof. Andreas von Arnaud, deutlich: "Ein bloßes Unbehagen aufgrund einer Gesichtsverschleierung begründet noch keinen Rechtsanspruch auf ein Verbot. Ich sehe da keine Verhältnismäßigkeit, das sehr weitreichende Grundrecht freier Religionsausübung entsprechend zu beschneiden."

Verfassungsrechtler zweifelt am Verbot

Insofern hielt Arnaud die Rechtfertigung der Universität zum Niqab-Verbot auch nicht für ausreichend. Es gebe keine Grundpflicht Studierender, in Lehrveranstaltungen Gesicht zeigen zu müssen. Und für Prüfungen könnten entsprechende Vereinbarungen zur Identitätsfeststellung getroffen werden.

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Sehnsucht, Toleranzgrenzen zu überschreiten?

Äußerst moderat gab sich auch der Psychologe Prof. Bernd Simon:  "Man darf eine Vollverschleierung ablehnen oder auch kritisieren. Aber man darf deshalb den Respekt vor vollverschleierten Frauen nicht verlieren und muss ihnen auf Augenhöhe begegnen." Allerdings sehe er bei vielen eine Art "Sehnsucht", solche Toleranzgrenzen überschreiten zu dürfen: "Aber dazu hat keiner das Recht."

Kritik an einseitiger Berichterstattung

So sahen das auch die beiden anderen Podiumsgäste Aaliyah Bah-Traore und Shazia Noor Malik, die sich für Interessen muslimischer Frauen einsetzen. Sie kritisierten harsch die "total einseitige" Berichterstattung deutscher Medien über Muslime im Allgemeinen und verschleierte Frauen im Besonderen: "Wenn man immer nur negativ dargestellt wird, kann das vor allem bei Jugendlichen mit Identitätsproblemen zu Frust und dem Entschluss führen: dann werde ich halt auch so", erklärte Shazia Noor Malik.

Manchem Besucher ging die Diskussion aber nicht weit genug. Gegen Ende wäre es noch fast zum Eklat gekommen. Als ein grauhaariger Herr in der Fragerunde seine Beklemmung und Unsicherheit im Umgang mit vollverschleierten Frauen erläutern wollte, schnitt ihm eine der Moderatorinnen das Wort ab: "Das wollen wir hier jetzt nicht hören." Es folgten laute Protestrufe aus dem Publikum. Unter anderem auch der wütende Kommentar Richtung Podium: "Sie erwarten von uns Toleranz, zeigen sie selber aber nicht."

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