Extinction Rebellion Kiel

Straßenblockaden für Klimaschutz

Foto: Sie gehören zu der im März gegründeten Kieler Aktionsgruppe von Extinction Rebellion (von links): Michael (56), Yannik (23), Erna (55), Luca (23) und Gaya (18).

Sie gehören zu der im März gegründeten Kieler Aktionsgruppe von Extinction Rebellion (von links): Michael (56), Yannik (23), Erna (55), Luca (23) und Gaya (18).

Kiel. In Schleswig-Holstein gibt es bereits Aktionsgruppen in Norderstedt und Bad Segeberg. Die Kieler Klima-Aktivisten beteiligten sich am Freitag an der Sitzblockade auf dem Theodor-Heuss-Ring. Die Blockaden von Brücken und Straßen ist ein Markenzeichen der Bewegung, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Problem des Artensterbens und der Klimaerwärmung zu lenken.

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Fotostrecke: Demo am Theodor-Heuss-Ring

Am 27. April laden die Aktionsgruppen in Kiel (14.30 Uhr Kiellinie, Höhe Reventloubrücke) und zahlreichen anderen Städten zu einem "Die-In" ein.

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Extinction bedeutet Aussterben. „Wir stehen auf gegen das Aussterben – das Aussterben der Arten und die existenzielle Bedrohung des Menschen durch den Klimawandel“, erklärt Erna Lange.

Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzen

Die 55-Jährige aus Altenholz hat vor zehn Jahren bei Geomar einen Vortrag von Klimaforscher Mojib Latif gehört. „Schon damals war klar, dass es einen schnellen und rigorosen Strukturwandel erfordert, um die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Doch die Erkenntnisse der Wissenschaftler führen bisher nicht zu den notwendigen Veränderungen, es geht viel zu langsam“, sagt Erna Lange.

Klimaschutz bedeutet Zukunft

Sie selbst hat sich in den vergangenen Jahren über Klimawandel und -schutz fortgebildet und ihren eigenen Lebensstil rigoros verändert hat: Sie isst keine tierischen Produkte mehr, hat das Auto abgeschafft, fährt von Altenholz mit dem Rad nach Kiel zur Arbeit, fliegt nicht mehr. „Das hört sich nach Verzicht an. Doch für mich ist es zu einem Gewinn an Lebensqualität geworden. Wir wollen das Positive zeigen. Klimaschutz spart Geld, bedeutet Zukunft und mehr Lebensfreude.“

Auch die anderen Mitstreiter haben ihre CO2-Fußabdruck bereits drastisch reduziert. Michael Päpke (55), Geschäftsführer eines Planungsbüros, hat schon in den 80ern auf Fleisch verzichtet, lebt zu dritt auf 63 Quadratmetern und hat als Designer ökologische Projekte wie ein Naturtextilsiegel und Flachsdämmstoff mit auf den Weg gebracht.

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Wirtschaft nachhaltig machen

Doch wie die anderen rund 20 Gruppenmitglieder ist er überzeugt, dass diese persönliche Klimawende nicht ausreicht. „Wenn wir das Schlimmste verhüten wollen, brauchen wir einen Strukturwandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft. Dazu müssen wir den Druck auf die Politik spürbar machen.“ Um die Normalität zu durchbrechen und Aufmerksamkeit zu erzeugen, greife Extinction Rebellion zum Mittel des zivilen, gewaltfreien Ungehorsams.

Friedlicher Ungehorsam bringe besten Erfolg

Der Grund: Britische Wissenschaftler haben analysiert, welche Protestform am effektivsten Veränderungen bewirkt. Ergebnis: keine Bewegung ist erfolgreicher als ziviler, friedlicher Ungehorsam wie ihn Mahatma Gandhi schon praktiziert hat. Es genügt, 3,5 Prozent der Bevölkerung zu mobilisieren. Erreichen diese eine breite Zustimmung, können radikale Umwälzungen durchgesetzt werden, erklärt die Politikstudentin Hannah Elshorst (22) von XR Deutschland.

Straßenblockaden und Klimanotstand

Wie das aussieht, haben die Aktivisten im Gründungsland Großbritannien und zuletzt auch in Berlin demonstriert, als sie Brücken vorübergehend blockiert haben. Auch in Kiel blockierte XR am Freitag den Theodor-Heuss-Ring bis sie von der Polizei weggetragen wurden. Außerdem fordert Extinction Rebellion, dass in den Kommunen der Klimanotstand ausgerufen wird. Das ermögliche effektiveren Klimaschutz, weil die Kommunen dann alle Maßnahmen auf ihre Klimaverträglichkeit prüfen müssten.

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