Theodor-Heuss-Schule

Erste Grundschule in Kiel trägt Titel „Schule ohne Rassismus“

In einem kurzen Theaterstück zeigten Schülerinnen und Schüler der Theodor-Heuss-Schule, warum man einander lieber helfen sollte, statt wegzuschauen.

In einem kurzen Theaterstück zeigten Schülerinnen und Schüler der Theodor-Heuss-Schule, warum man einander lieber helfen sollte, statt wegzuschauen.

Kiel. Die Theodor-Heuss-Schule trägt seit Montag den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Sie ist die erste Kieler Grundschule, die sich der Initiative aus bundesweit mehr als 3900 Schulen angeschlossen hat. Elf weiterführende Schulen in der Landeshauptstadt machen schon mit.

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„Wir sind hier unglaublich bunt und vielfältig“, sagt Schulleiterin Anke Holk. Unter ihren 346 Schülerinnen und Schülern seien 20 Nationen vertreten. Umso wichtiger sei es, sich gegen Rassismus stark zu machen. Mit dem Titel verpflichtet sich die Schule zu mindestens einer jährlichen Aktion, bei der sich die Kinder mit Diskriminierung auseinandersetzen.

Lehrerin der Theodor-Heuss-Schule Kiel: „Ausgrenzung haben fast alle schon erlebt“

Die Klassensprecherinnen und -sprecher erklären an diesem Morgen, warum ihnen das Thema wichtig ist. Jeder soll gleich behandelt werden – egal, aus welchem Land er kommt, ob er dick oder dünn ist, schnell laufen kann oder nicht – lautet eine Botschaft der Kinder. Ihre Schule soll ein Ort sein, wo niemand beschimpft oder ausgelacht wird, weil er oder sie anders ist.

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Es fange bei den täglichen Streits an, bei denen manchmal Schimpfwörter fallen, die die Kinder selbst noch gar nicht richtig verstehen, sagt Lehrerin Antje Schrandt. Sie begleitet das Projekt federführend an der Theodor-Heuss-Schule. „Ausgrenzung haben fast alle schon einmal erlebt und sei es nur dadurch, dass man mal in einer Gruppe nicht mitspielen durfte.“

Das sei ein Gefühl, das die Kinder in diesem Alter bereits gut verstehen und eine Ebene, wo sie bei der Sensibilisierung für Rassismus und Diskriminierung ansetzen könne. Das Thema könne in der Grundschule gut fächerübergreifend besprochen werden. „Das geht in Deutsch oder Religion genauso wie im Musikunterricht.“

Lehrerin Antje Schrandt (links) und Schulleiterin Anke Holk.

Lehrerin Antje Schrandt (links) und Schulleiterin Anke Holk.

Sich dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus“ anzuschließen, regte vor knapp anderthalb die ehemalige Schulsozialarbeiterin der Schule, Hülya Bulut, an. Die benachbarte Gemeinschaftsschule Hassee, wo sie auch arbeitet, trägt den Titel schon lange. Ihre Vision sei es, dass beide Schulen miteinander kooperieren könnten. „Ich würde mir wünschen, dass die Großen vielleicht auch mal den Kleinen etwas zu dem Thema erzählen“, so Bulut.

Bei weiterführenden Schulen komme die Idee, bei der Initiative mitzumachen, oft aus der Schülerschaft heraus, erzählt der Regionalkoordinator von „Schule ohne Rassismus“, Marius Sibbel. „Alle Schulmitglieder stimmen dann über die Selbstverpflichtung ab – von den Kindern über die Lehrkräfte, Sozialarbeiter, Hausmeister oder Sekretariat.“

An der Grundschule wurde das Anliegen der Initiative im Unterricht besprochen und die Klassen gestalteten Plakate, auf denen die Kinder zum Beispiel mit einem Handabdruck und Namen ihre Zustimmung ausdrückten.

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Nur 14 Grundschulen in Schleswig-Holstein machen bisher mit

Von den 118 Schulen in Schleswig-Holstein, die zu dem Netzwerk gehören, sind bisher nur 14 Grundschulen dabei. „Es ist kein so leichter Weg, weil man sich schon intensiv damit beschäftigen muss, wie man das Projekt mit Jüngeren umsetzen kann“, sagt Sibbel.

Ihre Hoffnung sei, anderen Grundschulen Mut zu machen, es ihnen gleichzutun, sagt Schrandt. „Natürlich kann man mit Jugendlichen ganz anders über solche Themen reden. Wir machen das eher spielerisch.“ Mit passenden Kinderbüchern und bunten Plakaten dazu, Rap-Songs oder Rollenspielen haben sich die Kinder zum Beispiel mit Rassismus und Ausgrenzung auseinandergesetzt.

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Wie das geht, verdeutlicht eine Klasse in einem kurzen Theaterstück. Da treibt ein Wolf im Wald sein Unwesen, frisst ein Schwein, einen Hasen und das Rotkäppchen. „Ist mir doch egal“, sagt immer wieder ein Eichhörnchen, das aus sicherer Entfernung auf seinem Baum alles beobachtet. Bis der Wolf plötzlich auch seine Nüsse futtert, es sich dem Raubtier entgegenstellt und das Eichhörnchen selbst angegriffen wird. Ihm eilen glücklicherweise andere Tiere zur Hilfe und gemeinsam kann der Wolf verjagt werden. „Puh, es ist wirklich besser, anderen zu helfen und nicht wegzuschauen“, sagt das Eichhörnchen am Schluss.

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