Konzept für Veloroute 20

Fahrradstraße über die Förde: Kieler Designer gewinnt Deutschen Mobilitätspreis

Eine Zukunftsvision – oder doch nur Fiktion? Mit dem Konzept zur Veloroute 20, einer Elektrofähre für Fahrradfahrer als Verbindung von Reventlou und Wellingdorf, gewann Bashar Zapen den Deutschen Mobilitätspreis.

Eine Zukunftsvision – oder doch nur Fiktion? Mit dem Konzept zur Veloroute 20, einer Elektrofähre für Fahrradfahrer als Verbindung von Reventlou und Wellingdorf, gewann Bashar Zapen den Deutschen Mobilitätspreis.

Kiel. Er hat es tatsächlich geschafft: Bashar Zapen, Absolvent der Kieler Muthesius-Kunsthochschule, hat mit seinem Konzept für eine Fahrradstraße über die Förde den Deutschen Mobilitätspreis gewonnen. Die Idee zur Veloroute H20, eine autonome Elektrofähre als Verbindung zwischen Reventlou und Wellingdorf, setzte sich bei dem renommierten Wettbewerb in der Kategorie „Science Fiction“ durch.

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Mehr noch: Die Kieler Initiative CAPTN, die mit einer Millionenförderung von Land und Bund ein autonomes Mobilitätsnetz entwickelt, kann sich eine Umsetzung von Zapens Konzept sehr gut auf der Schwentine vorstellen. Davon würde auch die Fachhochschule profitieren.

Über Zapens Nominierung hatten wir im Oktober bereits berichtet. Nun wurden in Berlin die Preisträger bekanntgegeben und geehrt. Mit seinem Konzept will der Industriedesigner, der in Palästina geboren und Saudi-Arabien aufgewachsen ist, den Mangel an schnellen und klimafreundlichen Verbindungen zwischen dem Ost- und Westufer der Förde beheben.

Veloroute H20: Glas-Reling der Fahrradfähre besteht aus Muschelschalen

„Wenn man auf der einen Seite lebt und auf der anderen arbeitet, dauert es sehr lange, hin- und herzukommen“, sagt Zapen. So entstand die Idee, eine Veloroute über die Förde zu entwickeln, mit einer elektrischen Fähre zum Übersetzen.

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Sein Modell der autonomen Fahrrad-Fähre ist in verschiedener Hinsicht nachhaltig. Zum einen wird der Elektromotor ausschließlich durch erneuerbaren Strom angetrieben, den Wind- und Gezeitenturbinen an den Anlegedocks erzeugen. Zum anderen werden viele Komponenten aus recycelten Materialien gefertigt. Die Glas-Reling etwa, der Rumpf der Fähre, auch die Oberfläche, die im Modell zum Teil aus Muschelschalen besteht.

Kann das Konzept einer Fahrradfähre real werden?

Am Ende war es Bashar Zapen wichtig, den Fahrradweg-Charakter der Fähre auch optisch sichtbar zu machen. In den Visualisierungen gleicht sie einem schwimmenden Stück Straße. „Ich wollte, dass es sich anfühlt wie eine richtige Verbindung – als würdest du auf einer Straße stehen, die zur anderen Seite führt.“

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Zapen selbst räumt ein, dass es an der Fähre sicherlich einige Veränderungen geben müsste, zum Beispiel wegen gesetzlicher Vorgaben zum Schiffsbau – doch grundsätzlich hält er die Idee für durchaus realistisch. Für den Nord-Ostsee-Kanal sei sie tatsächlich schon mal in Betracht gezogen worden, bislang jedoch ohne Ergebnis.

CAPTN: Initiative der CAU in Kiel entwickelt autonome Fähren

Allerdings gibt es derzeit noch ein unüberwindbare Hürde: Nach aktuellem See- und Schifffahrtsrecht muss ein Mensch an Bord sein, der die rechtliche Verantwortung trägt und Entscheidungen treffen muss. Ob oder wann das Gesetz geändert wird, ist offen.

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Währenddessen wird in Kiel an Lösungen für autonome Fähren geforscht: Die Initiative "Clean Autonomous Public Transport Network (CAPTN)", initiiert durch die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, hat sich 2018 unter anderem zum Ziel gesetzt, autonome und saubere Verkehrsträger zu Wasser und zu Land zu entwickeln, allen voran eine Fähre. Dieses Projekt wurde bereits mit mehreren Millionen Euro aus Bundesmitteln gefördert. Im Februar 2023 soll die erste autonome Fähre getauft und anschließend in einem abgesperrten Bereich des Marinearsenals getestet werden.

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FH Kiel möchte autonome Fähre für Weg über die Schwentinemündung

Profitieren könnte von einer autonomen Fähre auch die Kieler Fachhochschule. Derzeit lässt die Hochschule vom Land prüfen, ob die Schwentinemündung eine Bundeswasserstraße ist oder nicht. „Sollte sie es nicht sein – und ich bin da hoffnungsvoll –, wäre es rechtlich einfacher, dort eine zunächst teilautonome Fähre einzusetzen“, sagt FH-Präsident Prof. Björn Christensen. Dies hätte den Vorteil, dass die Studierenden zwischen dem Campus und Seefischmarkt, wo ebenfalls Lehrveranstaltungen stattfinden, übers Wasser pendeln könnten.

Christensen stellt sich für den Anfang eine personenüberwachte Fähre vor, ein Projekt in Kooperation mit der Initiative CAPTN, das wissenschaftlich begleitet werden könnte: „Ich würde mir wünschen, dass das ein Leuchtturmprojekt in Deutschland wird.“ Das wäre auch im Sinne des möglichen Projektpartners, der sogar die Konzepte von Bashar Zapen einbeziehen würden, sagt CAPTN-Koordinatorin Wiebke Müller-Lupp: „Wir würden es sehr begrüßen, wenn die H2O Veloroute in der Schwentinemündung in die Umsetzung kommt, als erstes Teilstück der autonomen CAPTN-Mobilitätskette.“

Autonome Fähren können derzeit noch nicht ausweichen

Doch sowohl sie als auch Christensen wissen: „Eine autonome Fährfahrt ist jetzt rechtlich noch nicht möglich.“ Auch rein technisch ist noch Luft nach oben, wie Müller-Lupp erläutert: „Noch können die autonomen Fähren bei Hindernissen nur anhalten, nicht aber ausweichen – dafür bräuchte es Künstliche Intelligenz.“

Bashar Zapen darf also gespannt sein, ob seine Idee tatsächlich eines Tages Realität wird. Eins weiß er aber bereits ganz sicher: Dass sein Konzept im wahrsten Sinne des Worte ausgezeichnet ist.

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Von Dennis Betzholz und Ben Bukes

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