Stadtwerke-Aufsichtsrat

Zu Weihnachten gab es Marzipan

Foto: Die Stadtwerke Neumünster.

Luftbild der Stadtwerke Neumünster.

Neumünster. Unsere Zeitung hat den zehn Mitgliedern fünf Fragen gestellt und unterschiedliche Antworten bekommen.

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1. Haben Sie Vorteile oder Vergünstigungen irgendwelcher Art von den SWN (oder Tochtergesellschaften) während Ihrer Zeit im Aufsichtsrat der SWN erhalten?

2. Wenn ja, was waren das für Vorteile? Beispiele: Vergünstigter Bezug von Strom, Gas, Breitband oder Ähnliches, Dienstwagen, Geldzuwendungen, Einladungen zu Veranstaltungen oder Reisen.

3. Wurden Ihnen diese Vorteile von der Geschäftsführung gestrichen?

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4. Wie bewerten Sie die pauschale Aussage von Herrn Junker gegenüber den Mitgliedern des Aufsichtsrats?

5. Wie hoch ist die Vergütung, die Sie als Mitglied des Aufsichtsrats bekommen? Was müssen Sie dafür tun?

Die Stadtwerke Neumünster sind wirtschaftlich angeschlagen. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke hat zehn Mitglieder: Monika Schmidt, Bernd Delfs, Anneke Schröder-Dijkstra (von der SPD entsandt), Sabine Krebs, Wolf Rüdiger Fehrs und Hauke Hahn (CDU), Ralf Ketelhut (Grüne). Die Arbeitnehmer stellen drei Vertreter: Dietmar Hirsch, Uwe Höland und Kai Steenfatt.

Wortgleiche Antworten

Die Fragen 1 bis 4 haben die Aufsichtsräte Anneke Schröder-Dijkstra, Wolf Rüdiger Fehrs, Dietmar Hirsch, Uwe Höland und Kai Steenfatt fast wortgleich beantwortet: „Die Fragen 1 bis 4 beziehen sich ausnahmslos auf Behauptungen von Herrn Junker gegenüber der Presse. Diese hat er in seiner Klage ebenfalls erhoben. Eine Beantwortung Ihrer Fragen würde sich also auf einen anstehenden Rechtsstreit beziehen. Ich bitte Sie daher um Verständnis, dass ich zu einem bei Gericht anhängigen Verfahren keine Bewertung vornehmen bzw. Stellung nehmen kann.“

100 Euro pro Monat, 200 Euro pro Sitzung

Die Frage nach der Vergütung beantworten alle Mitglieder gleich: 100 Euro pro Monat (Vorsitzende/r 200 Euro) sowie 200 Euro pro Sitzung/Sitzungstag. Diese Erträge müssen versteuert werden; die Parteimitglieder führen außerdem traditionell einen Teil des Geldes an ihre Partei ab.

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Vier Mitglieder haben sich differenzierter geäußert; alle machen sehr deutlich, nie Vergünstigungen bekommen zu haben. Die Vorsitzende Monika Schmidt (SPD) sagte, es „habe lediglich Aufmerksamkeiten zum Geburtstag oder zu Weihnachten“ gegeben. Die Vorwürfe von Thomas Junker seien „völliger Quatsch, er will nur seine Position im Rechtsstreit verbessern“.

"Zum Geburtstag erhielt ich einen Regenschirm"

Sabine Krebs (CDU) kommentierte Junkers Vorwürfe nicht, listet aber auf: „Es wurde eine Einladung zum Reitturnier am Sonntagnachmittag ausgesprochen. Die Teilnahme sehe ich als Repräsentationsaufgabe für das Unternehmen. Zum Geburtstag erhielt ich einen Regenschirm, zur Hochzeit eine Glückwunschkarte und zum Jahresabschluss Marzipan und eine Flasche Aquavit.“

Eigene Anreise zur Strategiesitzung

Eine noch präzisere Liste schickte Hauke Hahn (CDU). Zu Weihnachten und zum Geburtstag gab es Präsente („geschätzter Wert 20 bis 30 Euro“) sowie die Einladung zum Reitturnier (SWN sind Hauptsponsor). „Bis 2017 hat der Aufsichtsrat sich einmal jährlich an einem Wochenende zu einer Strategie-Klausurtagung in einem Hotel in Schleswig-Holstein getroffen – bei eigener Anreise.“

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Bis 2017 hätten die SWN die Aufsichtsräte nach der letzten Sitzung des Jahres zu einem Weihnachtsessen eingeladen, so Hahn. Außerdem: „Der Aufsichtsrat hat seine Arbeit digitalisiert und arbeitet papierlos. Dafür wird uns ein iPad zur Verfügung gestellt, das sich im Eigentum der SWN befindet.“

"Vorwürfe sind schlicht falsch"

Ralf Ketelhut (Grüne) sagte, die Vorwürfe von Junker seien „schlicht falsch“. Ketelhut: „Ich habe in keiner Weise ein schlechtes Gewissen. Dieses Mandat bringt wirklich viel Arbeit mit sich.“

Der Aufsichtsrat Bernd Delfs ist im Urlaub und war nicht zu erreichen.

Thomas Junker war Ende Januar bei den SWN von seinen Aufgaben entbunden worden. Sein Kollege Tino Schmelzle und der neu eingestellte Sprecher der Geschäftsführung, Bernd Michaelis, führen das Unternehmen seitdem allein. Die SWN waren 2017 in Schieflage geraten und machen seitdem Verluste. Junker hat Ende Februar gegen seine Abberufung geklagt und Vorwürfe gegen den Aufsichtsrat erhoben.

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