Feuerwehr Heikendorf

Blaulicht im Fokus: Warum Fotografen Einsatzfahrzeuge spotten

Blaulichtspotter wie Johann (14, links) und David (13) aus Kiel sind immer auf der Jagd nach Motiven für das weltweite Netz. In Heikendorf kamen insgesamt 30 Fotografen zu einem Fototermin der Feuerwehr.

Blaulichtspotter wie Johann (14, links) und David (13) aus Kiel sind immer auf der Jagd nach Motiven für das weltweite Netz. In Heikendorf kamen insgesamt 30 Fotografen zu einem Fototermin der Feuerwehr.

Heikendorf. Manchmal steht Maik Steinfurth (19) aus Kiel stundenlang mit seiner Spiegelreflexkamera an einer viel befahrenen Straße und wartet, dass die Feuerwehr mit ihren Fahrzeugen vorbeibraust. Das kann mitunter langweilig sein. Ist aber für den jungen Blaulichtspotter meistens mit etwas Nervenkitzel und viel Vorfreude auf das nächste Motiv verbunden. In Heikendorf konnten er und weitere knapp 30 Fotografen dieser Szene aus ganz Schleswig-Holstein am Sonnabend bequem ihre Bilder machen. Die Feuerwehren Alt- und Neuheikendorf hatten extra zu einer Blaulichtschau eingeladen.

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„So sieht es pornohaft geil aus“, strahlt Alexander Hess (20) über das ganze Gesicht. Er zeigt auf den kleinen Bildschirm seiner Digitalkamera und erklärt, was ihn an dem fotografierten Fahrzeug denn so glücklich stimmt. „Der Wagen hat vier Frontblitzer, einen Kreuzungsblitzer und Blaulicht“, sagt der Spotter aus Barmstedt. Das Bild in seiner Kamera ist schon älter, aber er liebt es. Und seine Community auch. „Das Foto hat jede Menge Likes.“

Motive werden in sozialen Netzwerken geteilt

Alexander Hess ist wie viele seiner Hobbykollegen Blaulichtfotograf und Blaulichtfilmer, der seine Motive in den sozialen Netzwerken verbreitet. Auf ihren Instagram-Accounts heißen die vorwiegend männlichen und jungen Fahrzeug-Fetische „Zufallspotter“, „Blaulichtfilmer David“ oder „Bluelight Kiel“. Viele von ihnen wollen gerne anonym bleiben.

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Das erhöhe die Aufmerksamkeit in der Community, findet einer, der erst ganz neu in dieser Szene ist. Er kommt aus Kiel, ist 32 Jahre alt und hat es auf alle Arten von Einsatzfahrzeugen sowie Hubschrauber abgesehen. „Es ist viel schöner, wenn die Leute einfach nur auf deine Bilder gucken und nicht auf die Person, die sie gemacht hat“, erklärt der Zufallspotter.

Die Umstände, die ihn zur Blaulichtfotografie gebracht haben, sind eigentlich banal. „Ich habe mir Mitte 2020 eine neue Kamera gekauft und überlegt, wie man möglichst effizient etwas fotografieren kann, das nicht funktioniert“, sagt der Zufallspotter. Am Anfang habe er viele schlechte Bilder gemacht, weil Blaulichtfotografie eben anspruchsvoll sei. Das habe ihn gereizt. „Weil die Lernkurve steil bleibt.“

Mittlerweile hat den Kieler das Fieber derart gepackt, dass er auch bei Autofahrten während der Arbeit im Außendienst seine Kamera griffbereit hat. Ein Kollege sitzt am Steuer und er auf dem Beifahrersitz. Sobald ein Tatütata ertönt, langt der Spotter nach der Kamera und fotografiert durch die Windschutzscheibe. „Das macht den Reiz aus. Man kann nie wissen, wann sie kommen.“

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In Heikendorf warten die Blaulichtspotter ausnahmsweise nicht stundenlang an einer stark befahrenen Straße. Insgesamt elf Fahrzeuge und eine Drehleiter von den Feuerwehren aus den Ortsteilen Alt- und Neuheikendorf parken auf dem Schulhof der Heinrich-Heine-Schule und blinken mit allem, was geht, bevor sie sich für eine Kolonnenfahrt auf der Straße aufstellen.

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„Wir hatten so viele Anfragen von Fotografen, dass wir dachten, bevor wir ständig die Rolltore hoch- und runterfahren, organisieren wir lieber einen Termin für alle“, erklärt Gemeindewehrführer Jens Willrodt. Auf Anhieb hätten sich knapp 30 Blaulichtspotter aus ganz Schleswig-Holstein gemeldet. Der Fuhrpark der Feuerwehr Heikendorf scheint für die Szene interessant zu sein. „Unsere Ausstattung ist gut. Wir sind auch sehr zufrieden“, so Willrodt.

Blaulichtfotografie ist eine Herausforderung

Alexander Hess aus Barmstedt nimmt sich in Heikendorf alles vor die Linse, was er bekommen kann. Er ist mitunter in ganz Deutschland unterwegs, um Feuerwehrfahrzeuge zu fotografieren. „Am liebsten mag ich Oldtimer und seltene Wagen, die gar nicht mehr fahren“, verriet er. Fahrzeuge im Einsatz seien eine Herausforderung. „Meistens benutze ich den automatischen Sportmodus meiner Kamera.“

Zwei Teenager aus Kiel, Johann (14) und David (13), sind ebenfalls auf Automatik eingestellt. Sie sind bei der Jugendfeuerwehr aktiv und brennen für ihr neues Hobby. Damit die Fotos gelingen, die sie anschließend für ein paar Hundert Follower ins Netz stellen, hat Johann einen besonderen Tipp: „Einfach ganz viel auf den Auslöser drücken, dann ist am Ende etwas dabei.“

Anonymer Blaulichtspotter: „Bitte nicht gaffen!“

Was gar nicht ginge, weiß Alexander Hess, seien Aufnahmen in der Dunkelheit. „Da kann man den Kontext nicht richtig sehen.“ Auch das Blitzlicht sei tabu, es funktioniere einfach nicht. Ein älterer Blaulichtspotter, der anonym bleiben möchte, klinkt sich in das Gespräch ein. „Noch etwas ist tabu: Als Blaulichtspotter sollte man niemals die Fahrzeuge behindern oder gaffen.“

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Der Mann weiß, wovon er redet. Er sei selbst Mitglied in einer freiwilligen Feuerwehr in Schleswig-Holstein, berichtet er. Und er habe es oft genug erlebt, dass sich Fotografen für ein Motiv fast vor das Fahrzeug schmeißen. „Das geht natürlich überhaupt nicht. Es gehört zur Wertschätzung gegenüber der Feuerwehr, dass man sich als Blaulichtfotograf an ein paar Spielregeln hält.“

Für Maik Steinfurth aus Kiel endet der Blaulichttag in Heikendorf mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Er hat viele Aufnahmen gemacht und sogar ein Video. Und er musste gar nicht lange warten. „Es ist richtig spannend, Einsatzfahrzeuge zu fotografieren“, sagt er. Seine Sammlung ist nach anderthalb Stunden Dauerbeschuss aus der Linse jetzt etwas vollständiger. Nur von einem Motiv träumt er noch: „Ein Wasserwerfer von der Polizei.“

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