Putins Krieg

Hilferuf aus Heikendorf: Ukrainische Familie sucht barrierefreie Wohnung

Larysa Vorona sucht eine barrierefreie Wohnung. Doch sie findet keine.

Larysa Vorona sucht eine barrierefreie Wohnung. Doch sie findet keine.

Heikendorf. Sie haben Putins Krieg erlebt, die russischen Bomben gespürt, gesehen, wie der nahegelegene Flughafen zerstört wurde und sich neun Tage lang im Badezimmer versteckt – noch immer kommen der Ukrainerin Larysa Vorona die Tränen, wenn sie davon erzählt.

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Gemeinsam mit ihrem elfjährigen Sohn Pavlo Voronyi und ihrem Mann Yurii Voronyi ist sie vor dem Krieg in der Ukraine geflohen. Die Zeit dort möchte sie am liebsten vergessen. Sie möchte nach vorne blicken. Ein neues Leben anfangen. Eine Wohnung in Deutschland finden. Doch das ist nicht so einfach.

Larysa Vorona sitzt seit ihrer Geburt im Rollstuhl. Als sie ein halbes Jahr alt war, merkte ihre Mutter, dass sie ohne Kissen nicht sitzen konnte. Sie gingen zu verschiedenen Ärzten. Die Diagnose: Zerebralparese. Es ist eine frühkindliche Gehirnschädigung. Etliche Operationen musste Larysa Vorona über sich ergehen lassen. Zwei bis drei pro Jahr – bis sie 15 Jahre alt war. Noch heute kann sie nur ihren linken Arm bewegen.

Ihre Krankheit ist auch der Grund für die Flucht aus der Ukraine. Während der russischen Angriffe auf ihre Heimatstadt Kropywnyzkyi konnte die Familie nicht in den Keller flüchten. Die Treppen hinunter waren ein unüberwindbares Hindernis für Larysa Vorona. Ihr Sohn und ihr Mann blieben mit ihr oben.

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Putins Krieg: Familie versteckte sich im Badezimmer

Sie versteckten sich im Badezimmer. Dort war eine Wand tragend. „Uns wurde gesagt, dass die uns ein wenig schützen würde“, erzählt Larysa Vorona. „Aber wenn ein großer Knall gekommen wäre, hätte sie uns nicht retten können.“

Tag und Nacht war Alarm. Manchmal bis zu fünfmal pro Tag. Es waren Luftschutzsirenen. „Uns wurde gesagt, dass die Sirenen angehen, wenn eine Rakete in unsere Richtung fliegt und es nicht sicher ist, ob sie rechtzeitig abgeschossen werden kann oder ein Haus treffen wird“, erklärt Larysa Vorona.

Die Familie schlief nur noch angezogen, um im Notfall schnell ins Badezimmer flüchten zu können. Bei Alarm musste sie dort manchmal mehrere Stunden ausharren. „Es war schrecklich“, sagt Larysa Vorona.

Flucht nach Polen: Larysa Vorona in Wohnung gefangen

Sie konnte nichts mehr essen, nichts trinken. Ihre Nerven waren am Ende. „Ich wusste, dass meine Familie wegen mir hier im Badezimmer ausharrt“, sagt sie. Sie wollten Larysa Vorona nicht alleine lassen. Aus Angst musste sie sich mehrfach übergeben. „Ich hatte Panik um das Leben meiner Familie.“

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Neun Tage harrte die Familie so aus. Dann beschlossen sie zu fliehen. „Wir hatten Angst, dass unsere Stadt irgendwann umzingelt ist und wir nicht mehr gehen können.“ Es begann eine wochenlange Flucht. Mit dem Bus kamen sie in Polen, in Krakau an. Sie konnten bei einer Bekannten unterkommen. Zum ersten Mal zogen sie ihre Kleidung wieder aus. Sie konnten jetzt in Ruhe schlafen.

Doch die Wohnung war für die Familie nicht geeignet. Sie lag im zweiten Stock, und es gab keinen Aufzug. Zwei Wochen war Larysa Vorona praktisch in der Wohnung eingesperrt. Sie startete mehrere Aufrufe über Facebook. Sie bat um Hilfe.

Kirsten Ubben aus Heikendorf las das. „Die Familie wirkte sehr nett“, sagt sie. Sie telefonierten ein paar Mal, und wenig später konnte die ukrainische Familie nach Deutschland kommen. Erfahrung hatten Jürgen und Kisten Ubben bereits mit Flüchtlingen. Schon bei der Welle 2015 nahmen sie Familien bei sich auf. Ein 15-jähriges syrisches Mädchen lebte drei Jahre bei ihnen.

Ankunft in Heikendorf: Wir wollen Deutsch lernen

Am 20. März holte Jürgen Ubben die ukrainische Familie aus Hamburg ab. Larysa Voronas Augen strahlen, wenn sie von ihrer Ankunft in Deutschland erzählt. Hier fühlen sie sich sicher. „Wir danken Kirsten und Jürgen wirklich sehr“, sagt sie. Das Haus ist ebenerdig. Die Dusche hat keine Stufen. Muss Larysa Vorona auf die Toilette, kann ihr Mann sie tragen.

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Auch Sohn Pavlo blüht wieder auf. „In der Ukraine wollte er partout kein Fahrrad fahren lernen. Hier lernte er es in zwei Tagen“, sagt Larysa Vorona und lacht. Mit den Nachbarskindern hat er sich schnell angefreundet. Deutsch spricht er schon besser als seine Eltern. Beim Gespräch mit den Kieler Nachrichten muss er ein paar Mal übersetzen. Er geht in die DaZ-Klasse der Grund- und Gemeinschaftsschule in Heikendorf.

Larysa Vorona sucht eine barrierefreie Wohnung. Doch sie findet keine.

Larysa Vorona sucht eine barrierefreie Wohnung. Doch sie findet keine.

Auch seine Eltern wollen Deutsch lernen. Jeden Tag besuchen sie für eineinhalb Stunden einen Deutschkursus. „Und zu Hause lernen sie noch mindestens fünf weitere Stunden“, sagt Kirsten Ubben beeindruckt.

Doch die Familie macht sich Sorgen um die Zukunft. Ob sie wieder zurück in die Ukraine gehen werden, wissen sie nicht. „Wir werden sehen, was ist, wenn der Krieg zu Ende ist. Wir wissen nicht, wann das sein wird“, sagt Larysa Vorona.

Vorerst möchten sie in Deutschland Fuß fassen. Sie möchten arbeiten, Freunde finden, eine eigene Wohnung haben. Wenn Larysa Vorona das erzählt, kommen ihr erneut die Tränen. „Ich mache mir viele Gedanken darüber, was als Nächstes kommt.“

Heikendorf: Familie sucht behindertengerechte Wohnung

Bei Jürgen und Kirsten Ubben können sie nur diesen Sommer bleiben. „Ich schreibe jeden Tag 20, 30, 40 Anfragen an Vermieter und Eigentümer“, sagt sie. Zurück kommt entweder nichts – oder es kommen Ablehnungen.

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Dabei sind die Ansprüche der Familie nicht groß. Die Wohnung müsse nicht zwangsläufig behindertengerecht sein. Yurii Voronyi kann seine Frau tragen. Zweieinhalb Zimmer würden ihnen ausreichen. Das Sozialamt würde die Miete zahlen. Die einzige Bedingung: Die Wohnung sollte ebenerdig und im Erdgeschoss sein. Sie haben Angst, dass sonst der Fahrstuhl irgendwann ausfällt und Larysa Vorona die Wohnung wieder nicht verlassen kann.

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Wo die Wohnung ist, ist den Eltern fast egal. Sohn Pavlo allerdings nicht. Er möchte gerne in Heikendorf bleiben. Er mag den Strand und seine neuen Freunde.

Wer der Familie helfen kann, kann sie entweder über Whatsapp unter der Telefonnummer +380631375320, per Telefon unter +4915224308156 oder per E-Mail an rola210974@gmail.com erreichen.

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