Putins Krieg

Hilfstransporte aus Plön: 30 Stunden bis zur Ukraine und zurück

Das ist die Zufahrt zur polnisch-ukrainischen Grenzkontrolle.

Das ist die Zufahrt zur polnisch-ukrainischen Grenzkontrolle.

Plön. 30 Stunden dauerte ihre Tour. 30 Stunden von Plön über die polnisch-ukrainische Grenze und gleich wieder zurück – über eine Strecke von genau 2527 Kilometern. Zwei Tonnen Ladung von der Spendensammelstelle in Plön brachten Yorck Wegener und Falk Reinhardt zu den Menschen in der Ukraine, die unter dem Angriff Russlands leiden. Die Kartons sollen nun nach Schytomyr gebracht werden, das vor wenigen Tagen von den Russen stark bombardiert worden war.

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Die Initiative für die Hilfsaktion war während der Friedensdemo auf dem Plöner Marktplatz am Sonntag, 27. Februar, entstanden. Der Plöner André Jagusch war dort mit Ludmilla Gehrts ins Gespräch gekommen, die ursprünglich aus Kiew stammt und heute in der Kreisstadt lebt. Die Deutsch-Ukrainische Gesellschaft in Kiel vermittelte ihnen unter der Federführung der Vorsitzenden Iris Laufer Kontakte in die Ukraine.

Sammelstelle für Spenden in Plön

Jagusch organisierte die Aktion in Plön. "Es haben sich schnell ganz viele zusammengefunden, um zu helfen", freut er sich. Bereits ab Mittwoch, 2. März, sammelte ein Unterstützer-Kreis Sachspenden in Plön. Die Sammelstelle wurde im ehemaligen Restaurant Kreta in der Bahnhofsstraße 9 in Plön eingerichtet. Dort können die Sachen bis auf Weiteres montags bis sonnabends von 15 bis 19 Uhr abgegeben werden.

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Am Freitag startete schon der erste Hilfstransport in Richtung Ukraine, am Sonnabend der zweite. Die Leihkosten für die Lkw wurden ebenso wie die Spritkosten über Geldspenden finanziert. „Da kommt bei 2500 Kilometern schon einiges an Kraftstoff zusammen“, so Jagusch. Die Sachspenden sind vor allem für die Stadt Schymotyr mit ihren rund 260 000 Einwohnern bestimmt. Die Stadt liegt westlich von Kiew. Russische Bomben trafen dort vor wenigen Tagen nicht nur Wohnsiedlungen, sondern auch das Krankenhaus.

Im ersten Transporter saßen Falk Reinhardt und Yorck Wegener. Beide hatten sie am Donnerstag auf Facebook den Aufruf von Jagusch gelesen, dass Fahrer gesucht werden. „Ich habe mit meiner Frau gesprochen, die einverstanden war, und mit meinem Arbeitgeber, der für solche Hilfsaktionen sehr aufgeschlossen ist“, erzählt der Informatiker Reinhardt. Am Donnerstagabend erhielt er die Mitteilung, dass er einen 3,5-Tonner fahren soll, am Freitagmorgen traf sich der 44-Jährige mit Wegener.

„Ich musste mir nur das Wochenende freischaufeln“, sagt Wegener (57), der selbstständig ist. Um 10 Uhr fuhren sie in Plön los. Auf der Route entschieden sie sich, einen der größten Grenzübergänge anzusteuern, und informierten die Kontaktleute. „Wir sollten eigentlich nur bis zur polnisch-ukrainischen Grenze fahren und dort alles übergeben“, so Reinhardt.

Fahrer mussten spontan in die Ukraine einreisen

Doch als sie ankamen, war alles anders. Für wehrfähige Männer in der Ukraine zwischen 18 und 60 Jahren gilt ein Ausreiseverbot. Die Ukrainer warteten mit zwei Fahrzeugen auf ihrer Seite auf einem Platz kurz hinter der Grenze auf die Übergabe. „Es war eigentlich nicht geplant, dass wir rüberfahren – wir wussten ja auch nicht, wie wir wieder rauskommen, weil auf der ukrainischen Seite alles voll war“, so Reinhardt.

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Adhoc hätten sie sich für den Grenzübertritt entschieden. Beide loben den gut koordinierten Ablauf und die sehr freundlichen Grenzbeamten auf beiden Seiten, die sie nur kurz kontrollierten und dann weiter lotsten. In kürzester Zeit wurden die Kartons vom Lkw auf zwei Fahrzeuge umgeladen. Dann ging es wieder zurück. „Wir wurden gut durch das Chaos hindurch geführt.“ Wegener erzählt, dass sie auf der linken Fahrbahn bis zur Grenze zurück durften, wo eine Pforte geöffnet wurde, sodass sie auf die richtige Spur zurückkamen.

1000 Flüchtende kamen pro Stunde zu Fuß über die Grenze

In zwei Stunden waren sie mit allem durch. In dieser Zeit beobachteten sie die Flüchtlingsströme. „Wir haben kurz überschlagen, dass pro Stunde etwa 1000 Flüchtende zu Fuß über die Grenze kamen“, so Reinhardt. Es seien überwiegend Frauen – oft mit kleinen Kindern – gewesen. Sie wurden auf der polnischen Seite gleich in Busse gebracht, um sie auf verschiedene Orte in Polen zu verteilen. „Wie lang die Autoschlange war, konnten wir nicht sehen.“

Beide lobten die „herzerwärmende Hilfsbereitschaft“ an der Grenze und die gute Zusammenarbeit der Grenzbeamten auf beiden Seiten. „Die polnischen Grenzbeamten haben den Flüchtlingen geholfen und Süßigkeiten verteilt“, berichtet Wegener. Sie waren nicht der einzige Hilfstransport. „Wir haben dort Kleinlaster aus verschiedensten Regionen Deutschlands sowie aus Litauen, den Niederlanden und Belgien gesehen.“

Reinhardt überlegt bereits mit seiner Frau, die aus der Ukraine stammt, Flüchtende aufzunehmen und sie dann auch von der Grenze abzuholen. Beide würden auch sofort wieder einen Hilfstransport fahren. Dann aber vielleicht eine Ruhepause einplanen, da man im Transporter nicht gerade gut schläft. Aber vielleicht sei es logistisch besser, wenn Transporte mit größeren Lkw oder mit der Bahn organisiert würden, meint Reinhardt.

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Kleidung wird auf keinen Fall benötigt

Wird es denn weitere Transporte geben? „Wir warten jetzt erst einmal ab, bis das zweite Fahrzeug zurückkommt, und reflektieren dann die Erfahrungen“, kündigt Jagusch an. Denn auch für die Ukrainer werde es eine Herausforderung sein, all die Sachen zu verteilen und darauf zu achten, dass sie an der richtigen Stelle ankommen.

Man werde also schauen, was jetzt noch benötigt werde. Dazu gehörten vor allem Geldspenden, um auch Medikamente wie beispielsweise Insulin kaufen zu können. „Gespendete Kleidung brauchen wir definitiv nicht“, betont Jagusch, „aber medizinischen Bedarf und Hygieneartikel.“

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